Tibet ist ein ausgedehntes Hochland in Asien und gehört größtenteils zur chinesischenAutonomen Region Tibet (Tibetisch: bod rang skyong lyongs, Chinesisch: 西藏自治区 Xīzàng zìzhìqū), die indigene Bevölkerung wird als Tibeter bezeichnet.
Die chinesische Regierung erkennt Tibets Unabhängigkeitsanspruch nicht an und argumentiert, dass Tibet in der Vergangenheit auch schon zu China gehört habe, was jedoch international nicht anerkannt wird. Die Tibetische Exilregierung in Indien verlangt die völlige Unabhängigkeit des Landes und die Wiederherstellung des Status, den Tibet vor der chinesischen Okkupation 1951 hatte.
In den letzten Jahren sind jedoch auch von Seiten des Dalai Lama durchaus kompromißbereite Aussagen zu hören gewesen, die in Richtung einer größeren Unabhängigkeit Tibets gehen.
Gescheitert ist ein Kompromiß und die damit verbundene Rückkehr des Dalai Lamas an der chinesischen Forderung, er solle den politischen Anspruch Chinas auf Taiwan anerkennen.
Tibet ist das Zentrum des Tibetischen Buddhismus, der als Vajrayana oder Lamaismus bekannt ist. Sein geistiges und weltliches Oberhaupt ist der Dalai Lama. Die vorbuddhistische tibetische Religion ist der Bön, die von buddhistischen Einflüssen stark durchdrungen ist - ebenso wie der tibetische Buddhismus wiederum vom Bön beeinflusst wurde.
Geschichte
617-649: Kaiser Songtsen Gampo festigt die erste geschichtlich nachweisbare Monarchie in Tibet. Reichserweiterung nach Westen (Guge), Nepal und Nordosten (bis zum Kokonor-See). Zeitweilige Ausdehnung auch bis Chinesisch-Turkestan und auf die heutigen chinesischen Provinzen Gansu und Sichuan.
634-649: Kriegerische Auseinandersetzungen mit China. Durch die Heirat von Kaiser Songtsen Gampo mit der chinesischen Prinzessin Wencheng und eine Tributpflicht Chinas an Tibet werden diese beigelegt.
747: Der legendäre Inder Padmasambhava führt den Buddhismus in seiner tantrischen Form in Tibet ein. Er errichtet in Samye das erste buddhistische Kloster. Rasche Verbreitung der buddhistischen Lehre (Schule der Nyingmapa).
763: Die Tibeter erobern vorübergehend die chinesische Hauptstadt Chang’an (heute: Xi’an). Der chin. Kaiser wollte der Tributpflicht nicht weiter nachkommen.
836-842: Buddhistenverfolgung unter König Langdarma und Wiederaufleben der alten schamanistischen Bön-Religion. Verfall des Königtums.
8./9. Jh.: Wiederbelebung des Buddhismus.
um 1050: Dom-Tön (1008-1064) gründet die Schule der Kadampa. Ihr Sitz ist das 1056 nördlich von Lhasa gegründete Kloster Reting.
1280-1367: Unter der Herrschaft der mongolischen Yüan-Dynastie werden die zahlreichen Kleinstaaten Tibets reorganisiert. Kublai Khan, mongolischer Großfürst und Kaiser Chinas, verleiht den Äbten der Sakya-Klöster die Lehnsherrschaft über Tibet (Vizekönigtum). Mit dem Zusammenbruch der Yüan endet die Vorherrschaft der Sakya. Tibet wird eigenständige Monarchie.
1400-1600: Hochblüte der tibetischen Klosterkultur.
1409: Tsongkhapa (1357-1419) gründet das Kloster Ganden (östlich von Lhasa) und die Schule der Gelugpa (»Tugendschule«; auch »Gelbmützen« genannt), die sich bald zum wichtigsten religiösen und politischen Faktor entwickelt.
1447: Errichtung des Klosters Tashilhünpo bei Shigatse, späterer Sitz des Panchen Lama.
1578: Sönam Gyatso, der dritte Großabt der Gelugpa, erhält vom mongolischen Herrscher Altan Khan den Titel »Dalai Lama« (»Großer Ozean«) verliehen. Die Mongolen nehmen die buddhistische Lehre an.
um 1630: Löbsang Gyatso (1617-1682), der V. Dalai Lama, schafft in Tibet einen hierokratischen »Kirchenstaat«, setzt die Vorherrschaft der Gelugpa durch und errichtet den mächtigen Potala-Palast in Lhasa, der neuen Hauptstadt Tibets.
1642-1959: Tibet unter der Herrschaft der Dalai Lamas (ab 1950/51 unter chinesischer Besatzung).
1650: Errichtung der Institution des Panchen Lama, die nach dem Dalai Lama zweithöchste geistliche Hierarchie der Gelugpa.
1653: Der Dalai Lama besucht als unabhängiger Herrscher den Ch’ing-Hof (Qing) in China.
1720: Die Chinesen beanspruchen in Tibet - unter Gewährung der inneren Autonomie - die formale Oberhoheit.
1727: Die Chinesen bedienen sich des Panchen Lama als politisches Gegengewicht zum Dalai Lama.
1774: Die Briten versuchen, von Indien aus die wirtschaftliche Öffnung Tibets.
seit 1792: Tibet riegelt sich gegen ausländische Einflüsse ab.
19. Jh.: Reformpolitik des XIII. Dalai Lama.
1903: Im Versuch, Tibet den Interessen Großbritanniens fügsam zu machen, marschiert Oberst Younghusband in Tibet ein.
1904: Im Vertrag von Lhasa, der durch ein Zusatzabkommen von 1907 auch für China verbindlich wird, legt Großbritannien die tibetischen Grenzen fest und beansprucht Handelsprivilegien.
1911: Nach dem Sturz der Qing-Dynastie in China werden die in Tibet stationierten chinesischen Garnisonen geräumt.
1912 (Februar): Ausrufung der Chinesischen Republik. Tibet wird zur Provinz Chinas erklärt, doch bleibt das Land bis 1950 de facto unabhängig.
1914 (3.7.): Britisch-Tibetisch-Chinesisches Abkommen von Simla, dessen Ratifizierung von China verweigert wird. China beansprucht weiterhin seine Oberhoheit über Tibet, während die Briten auf alle Gebietsansprüche verzichten.
1939 (Juli): Tenzin Gyatso (geb. 6. Juli1935) wird von der tibetischen Regierung offiziell als der XIV. Dalai Lama bestätigt.
1940 (22.2.): Tenzin Gyatso wird als der XIV. Dalai Lama im Alter von 4½ Jahren inthronisiert. Erziehung und Ausbildung im Potala-Palast in Lhasa.
1949 (1.10.): Proklamation der Volksrepublik China. Die chinesische Volksbefreiungsarmee besetzt große Teile der tibetischen Provinz Amdo.
1950 (17.11.): Angesichts der chinesischen Bedrohung übernimmt der 16-jährige Dalai Lama vorzeitig die Regierungsgeschäfte.
1951 (23.5.): Die Tibeter unterzeichnen unter Zwang ein »17-Punkte-Abkommen« mit der Volksrepublik China, das Tibet Autonomie und freie Religionsausübung zusichert. In Tibet werden zunehmend chinesische Zivil- und Militärbehörden eingesetzt. Das Land wird in drei Regionen eingeteilt.
1954: Der Dalai führt in Peking Gespräche mit Mao Zedong (Mao Tse-tung) über eine friedliche Beilegung des Tibet-Konflikts. Die Mission endet ohne Ergebnisse.
1959 (10.3.): Die chinesische Besetzung Tibets provoziert einen Volksaufstand, der blutig niedergeschlagen wird. Flucht des XIV. Dalai Lama nach Indien, wo er in Dharamsala (Himajal Pradesh) eine Exilregierung bildet. Dem Dalai Lama folgen Zehntausende Tibeter ins Exil.
seit 1960: Die sozialistische Gesellschaftsordnung Chinas wird auch in Tibet durchgesetzt.
1962: Der X. Panchen Lama kritisiert nach einer Inspektionsreise durch Tibet die Misswirtschaft und die destruktive Politik der Volksrepublik China.
1963 (10.3.): Der XIV. Dalai Lama verkündet im indischen Exil eine demokratische Verfassung für Tibet.
1965 (9.9.): Gründung der »Autonomen Region Tibet«. Die Hälfte des ursprünglichen Staatsgebietes (Amdo und Kham) wird chinesischen Provinzen angegliedert.
1966-1976: Während der chinesischen »Kulturrevolution« werden die meisten Kulturdenkmäler und religiösen Zentren (Klöster, Schulen, Bibliotheken usw.) Tibets zerstört, Mönche und Regimegegner verfolgt, gefoltert und hingerichtet. Nach Schätzungen beläuft sich die Zahl der tibetischen Opfer auf über 1 Million Menschen.
ab 1978: Allmähliche Liberalisierung der chinesischen Religionspolitik.
1989 (5.10.): Dem XIV. Dalai Lama wird der Friedensnobelpreis verliehen.
1992 (22.9.): Die chinesische Regierung veröffentlich ein Weißbuch zu Tibet, in dem das Land als untrennbarer Teil Chinas bezeichnet wird.
1995 (15. Mai ): Der XIV. Dalai Lama erkennt Chökyi Nyima als Reinkarnation des X. Panchen Lama (gest. 1989) an. Die Chinesen reagieren darauf mit der Installation Gyaltsen Norbus als XI. Panchen Lama (29.11.) und verschleppen Chökyi Nyima und seine Familie an einen unbekannten Ort.
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