Er stammte aus vornehmer attischer Familie und erlangte durch sein GeschichtswerkGeschichte des Peloponnesischen Kriegs (Peloponnesischer Krieg) große Berühmtheit. Als ein Zeitzeuge des Krieges, dessen Bedeutung er früh erkannte, schrieb er das Werk im thrakischenExil nieder. In klarer Abgrenzung zu Herodot wollte er nur das berichten, was auch wirklich vorgefallen ist. Ziel ist Klarheit und Gegenwartsbezug. Großen Einfluss auf die Geschicke der Menschen weist er der Tyche, dem Zufall zu. Sein Werk ist klar strukturiert, in einem nüchternen, knappen Stil verfasst und bezieht zahlreiche Quellen ein, zu denen er Zugang hatte. Es ist des weiteren in fünf Teile geteilt (insgesamt 8 Bücher): 1) Einleitung, 2) archidamischer Krieg, 3) der faule Frieden (Nikias Frieden), 4) Sizilische Expedition und 5) der dekeleisch-ionische Krieg. Das 8. Buch bricht abrupt im Jahre 411 v.Chr. ab. Es wurde durch den HistorikerXenophon in seiner Hellenika fortgesetzt.
Den Grund für den Krieg sah er in der HegemonieAthens und dessen Großmachtstreben, dem sich die alte Hegemonialmacht Sparta widersetzte. Für Thukydides ist der Athener Perikles der Prototyp eines großen Staatsmanns, auch wenn er Athen in den Krieg steuerte.
Die Geschichte des Thukydides ist das Werk eines großen und scharfsinnigen Geistes. Vielleicht ist es sogar das größte und bedeutendste Geschichtswerk, welches jemals geschrieben wurde. Es entwickelte eine ungeheure Breitenwirkung bis in unsere heutige Zeit hinein (siehe der berühmte Melierdialog: Thukydides Worte über die Demokratie stehen am Anfang des Entwurfs der EU-Verfassung). Denn Thukydides Fragestellung ist es auch zu untersuchen, wie eine Hegemonialmacht zu Grunde gehen kann. Sein Hauptaugenmerk gilt den Triebfedern der Politik und nirgends wird dies deutlicher als im berühmten Melierdialog (Thuk V. 85 ff.). In diesem machen die Athener den Meliern deutlich, dass sie, da Melos keine Großmacht war, von Athen nicht erwarten könnten, dass es sich an gültige Verträge halten solle!
Gerade die rationale und kühle Analyse der Politik, unter der aber auch verdeckt die Abscheu des Verfassers durchblickt, machen dieses Werk so bedeutend.
So zu schreiben wie Thukydides, mit dessen scharfer Urteilskraft und Objektivität, war das Ziel jedes antiken Autors, und auch später in Byzanz blieb er Vorbild (siehe Prokop). Trotzdem muss gesagt werden, dass gerade diese Wirkungsmächtigkeit seines Werks die modernen Historiker dazu verleiten kann, seine Darstellung unreflektiert zu übernehmen. So erwähnt Thukydides nicht den so genannten Kalliasfrieden, den es jedoch höchstwahrscheinlich gegeben hat. Und dennoch ist seine Objektivität und vor allem sein Geschichtsverständnis einmalig gewesen, denn er unterscheidet streng zwischen Ursache und Anlass, womit er den Schritt zur wissenschaftlichen Beurteilung machte.
Literatur
Werkausgabe:
Thukydides: Der Peloponnesische Krieg (Reclam), hrsg. von H. Vrestka und W. Rinner, Stuttgart 2000. Dort auch weiterführende Literatur und Angaben zu anderen Ausgaben des Werks. ISBN_3-150-01808-0Diese Ausgabe ist näher am Text als Landmanns Übersetzung.
Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges (Bücherei Tusculum), gr.-dt. von Peter Landmann, 2 Bde., Darmstadt 1993. Leider z.Z. nicht lieferbar.
Sekundärliteratur (in Auswahl):
Simon Hornblower: A Commentary on Thucydides, Oxford 1991 ff. Nicht mehr greifbar, jedoch in Bibliotheken vorhanden. Der z.Z. beste Kommentar zum Werk des Thukydides.
Wolfgang Schadewaldt: Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen, Bd. 2, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 1990. ISBN_3-518-27989-0Zur Einführung.
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