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Thomismus (Philosophie)

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Der Thomismus bezeichnet die Gesamtheit der im 13. Jahrhundert von Thomas von Aquin und seinen Anhängern entwickelten objektiv-idealistischen theologisch-philosophischen Lehren.


Inhaltsverzeichnis


1 Der Thomsimsus als Höhepunkt der Entwicklung der Scholastik

2 Zur Versöhnung mit der Aristotelischen Philosophie im Thomismus

  2.1 Zur Übernahme des Kategorienpaares von Wirklichkeit und Möglichkeit

  2.2 Zur Stufengliederung der Transformation der höchsten Weisheit zum Menschen

3 Zur Erneuerung des Thomismus im Neuthomismus


Der Thomsimsus als Höhepunkt der Entwicklung der Scholastik

Der Thomismus stellt den Höhepunkt der mittelalterlichen Scholastik dar und ist das repräsentativste und einflußreichste theologisch-philosophische System der Hochscholastik. Seither ist er über die Jahrhunderte hinweg die ideelle Grundlage der katholischen Kirche.


Der Thomismus ist der ideologische Ausdruck des europäischen Feudalismus in der Periode des Übergangs von der erb- zur berufsständischen Gliederung der feudalen Gesellschaft.


Er ist die theoretische Rechtfertigung der Feudalgesellschaft im Interesse der herrschenden Aristokratie. Das eigentliche Anliegen des Thomismus ist identisch mit dem der Scholastik überhaupt: rationale Begründung des kirchlichen Dogmensystems, Versöhnung von Wissen und Glauben, Einbau alles überlieferten und neu hinzukommenden Wissens in ein auf der Grundlage der Meinungen der krichlichen Autoritäten zu entwerfendes theologisch-philosophsiches System(siehe scholastische Methode).


Zur Versöhnung mit der Aristotelischen Philosophie im Thomismus

Diese Aufgabe hat der Thomismus mit größerem Scharfsinn und konsequenterer Systematik infolge besserer Voraussetzungen "gelöst" als seine scholastischen Vorgänger: die Philosophie des Aristoteles war der Hochscholastik im Unterschied zur Frühscholastik vollständig bekannt, die scholastische Methode durch Pierre Abaelard in ihren Grundzügen bereits entwickelt, die Kirche zur ersten Macht innerhalb der Feudalgesellschaft geworden.


Schließlich war der Thomismus durch das Auftreten und Wirksamwerden zahlreicher Gegner der Scholastik gezwungen, mit feineren Argumenten zu arbeiten als die Vertreter der Frühscholastik. Dem Thomismus gelingt es vor allem, was der Scholastik vor ihm nicht gelungen war, die Meinungen der kirchlichen Autoritäten mit der Aristotelischen Philosophie zu versöhnen, freilich nur, indem er starke historische Umdeutungen und Umbiegungen der Lehre des Aristoteles vornimmt.


Zur Übernahme des Kategorienpaares von Wirklichkeit und Möglichkeit

Mit Hilfe des Aristotelischen Kategorienpaares Wirklichkeit und Möglichkeit(siehe Akt - Potenz) entwirft er in seinem System auf der Grundlage der kirchlichen Dogmen einen hierarchischen Stufenbau alles Seienden, der, auf Probleme der Gesellschaft und des Staates übertragen, der Ständegliederung der Feudalgesellschaft entspricht. Auf diesen Momenten beruht die unmittelbare Wirkung des Thomismus und seine Nachwirkung.


Obwohl der Thomismus im Unterschied zu den Systemen der Frühscholastik den Bereich des von der Vernunft Erfaßbaren stark erweitert, endet er doch - was von den modernen Wiedererweckern ungern zugestanden wird - im Agnostizismus und Irrationalismus, insofern dem Menschen eine letzte Erkenntnis aller Offenbarung verschlossen bleibt.


Zur Stufengliederung der Transformation der höchsten Weisheit zum Menschen

Erkenntnis ist für den Menschen nur insoweit möglich, als der ideelle höchste Geist ihn an seiner Weisheit teilhaben läßt, vermittelt durch abstrakte Stufen der Transformation, d.h. die Teilhabe des Menschen an der Weisheit des Übernatürlichen ist nicht für alle Menschen die gleiche : es gibt auch hier - wie in allem beim Thomismus - eine hierarchische Stufenordnung.


Der Wert des Thomismus wurde von der offiziellen katholischen Kirche frühzeitig erkannt: Thomas wurde bereits 1323 heiliggesprochen und 1567 zum Kirchenlehrer erklärt. Besonders gepflegt und verbreitet wurde der Thomismus durch die katholischen Orden(Dominikaner, Jesuiten). Ungeachtet der Förderung durch die offizielle katholische Kirche verschwand der Thomismus mit dem Zerfall der Scholastik, der Auflösung der Feudalgesellschaft und der Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft aus dem geistigen Leben der Völker.


Zur Erneuerung des Thomismus im Neuthomismus

Bereits im 14. und 15. Jahrhundert fristete er - wie die Scholastik überhaupt - nur noch ein Schattendasein in Klöstern und Ordenseinrichtungen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelingt es der katholischen Kirche, den Thomismus in Gestalt des Neuthomismus wieder verstärkt in die Aufmerksamkeit der Menschen zu rücken. Seine Erneuerung wurde allen katholischen Lehrern der Theologie und Philosophie in den Enyzklika Aeterni Patris vom 4. August 1879 des Papstes Leo XIII. zur Pflicht augegeben.


siehe auch Scholastik, Neuthomismus, katholische Philosophie


LITERATUR:


David Berger, Thomismus. Große Leitmotive des Thomismus und ihre Aktualität für die Gegenwart, Editiones thomisticae: Köln 2001.


"Doctor Angelicus". Internationales Thomistisches Jahrbuch, nova & vetera: Bonn (erscheint seit 2001): u.a. Jährliche Bibliographie aller zum Thomismus erschienenen Studien Zu dem groß angelegten Projekt eines "Thomistenlexikons": [1]


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