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Der Temple in Paris


Ursprünglich geht die Bezeichnung Temple auf die Templer zurück, die hier in Paris nach dem Fall Jerusalems 1291 niederließen. Ursprünglich an der Seine gelegen, wird das Ordensgebiet im 14. Jahrhundert etwas weiter nördlich außerhalb der damaligen Stadtmauern neu errichtet. Nach dem Fall der Templer, den Prozessen gegen die wichtigsten Amtsinhaber wie Jacques de Molay und andere durch Philippe dem Schönen im Jahr 1307 und vor allem nach der päpstlichen Bulle Vox in excelcis von 1314 wird das Gebiet dem Malteserorden übergeben, die dort bis zur Säkularisierung während der Französischen Revolution 1791 die Gebietshoheit inne hatten.


Der Ordensdistrikt der Malteser in Paris, der enclos du Temple, befand sich im Nordosten des Marais. Das durch eine Mauer vom Rest der Stadt abgegrenzte Gebiet entwickelte sich vor allem während des 17. und 18. Jahrhunderts durch den Bau von hôtels particuliers, Straßen und Gewerbeflächen, die neben den Ordensgebäuden zu einer Stadt in der Stadt heranwuchsen.


Die aus dem Mittelalter stammenden Privilegien wie zum Beispiel die Zunftfreiheit und das Kirchenasyl zogen Menschen aus unterschiedlichsten Schichten in den Temple: Neben den Ordensbrüdern bewohnten freie Händler, Gewerbetreibende, Adlige und Bürger, die Schutz vor der königlichen Polizei suchten, die etwa 125 Hektar an der Rue du Temple. Es entstand eine sehr heterogene Gesellschaft verschiedener sozialer Schichten, die unabhängig voneinander ihr Leben dort führten. Der Temple hatte keinen besonders guten Ruf in Paris: In den Augen der Pariser Bevölkerung gab die Mischung aus Halbkriminellen, Geschäftemachern und vergnügungssüchtigen Adligen dem eigentlich religiösen Bezirk einen sündigen Anstrich. Besonders der Großprior Jean-Philippe d'Orléans feierte ausschweifende Abende, die das libertäre Ansehen des Temple festigten. Sein Nachfolger Louis-François de Bourbon, prince de Conti wurde 1749 Großprior und hielt im Palais du Temple einen wichtigen Salon, in dem die philosophes der Aufklärung wie Jean-Jacques Rousseau und Beaumarchais mit der Pariser Hocharistokratie zusammenkamen.


Bekannt wurde der Temple vor allem wieder während der französischen Revolution, als man dort 1792 die französischen Königsfamilie nach der mißlungenen Flucht Ludwigs XVI. gefangen hielt. Der ungeklärte Tod Ludwigs XVII. im Temple gab und gibt bis heute den Nährboden für Legenden um den wirklichen Verbleib des Königssohnes.


Der während der französischen Revolution säkularisierte Distrikt verfällt zum Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr. Die Planungen Hausmanns zerstören die alten Anlagen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts endgültig, so dass heute vom alten Temple bis auf ein paar Häuser nichts mehr übrig geblieben ist. Heute stehen das Rathaus des III. Arrondissements und der Square du Temple auf dem Gelände des Palastes.


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