Johannes Tauler (* um 1300 in Straßburg; † 1360 ebendort) war ein deutscher Theologe und Mystiker.
Tauler war Mitglied des Dominikanerkonvents seiner Heimatstadt. Nach der Ausbildung innerhalb des Ordens war er vor allem in der Seelsorge für geistlich lebende Frauen, Ordensschwestern und Beginen tätig. Für diese schrieb er auch seine deutschsprachige mystische Predigtsammlung (etwa 80 Predigten), die als einziges authentisches Werk von ihm bis heute überliefert ist.
Während des Konflikts zwischen Kaiser Ludwig dem Bayern und Papst Johannes XXII. entschied sich Straßburg für die Seite des Kaisers. Aus diesem Grund verließen die papsttreuen Dominikaner 1338 die Stadt. Mit ihnen ging auch Tauler nach Basel, wo er sich eine längere Zeit aufhielt, bis er wieder in die Heimat zurückkehrte. Auch Köln war wahrscheinlich eine Zeit lang Wirkungstätte des Mystikers.
Tauler geht es darum, seinen Zuhörer(innen) den Weg zur Unio mystica, zur Vereinigung der Seele mit Gott schon in diesem Leben, zu eröffnen. Voraussetzung dafür, dass dies überhaupt möglich ist, ist die Vorstellung eines inneren quasi-göttlichen Kerns in der Seele. Dieser "Grund der Seele" (Meister Eckhart nennt den gleichen Sachverhalt "Seelenfünklein") stamme nach Tauler direkt aus Gott und strebe zu ihm zurück.
Der spirituelle Weg Taulers führt über eine intensive Leidens- und Christusfrömmigkeit zu einem allmählichen "Leerwerden" der Seele von allen "Bildern". Dies ermöglicht dann die Erfahrung der Gottesfülle, die "Unio". Bevor diese jedoch eintritt, muss der Gottsucher erst noch eine Phase innerer Gottverlassenheit durchleiden, in der ihm alle spirituellen Tröstungen entzogen sind.
Taulers Gottesbild ist durch zwei Aspekte bestimmt: Auf der einen Seite ist die durch Dionysius Areopagita und auch Augustinus vermittelte neuplatonische Tradition wichtig: Gottes Sein geht über alle Begrifflichkeit hinaus, er ist viel mehr, als wir aussagen können, man kann ihn eigentlich noch nicht einmal als seiend bezeichnen, noch viel weniger allerdings als nicht-seiend. Gott ist das "ungeschaffene Nichts", das nur im "geschaffenen Nichts" des "Seelengrundes" unmittelbar erfahren werden kann.
Auf der anderen Seite ist Gott für Tauler aber in Jesus Christus präsent und kann und muss hier mittelbar erfahren werden. Eine unmittelbare Erfahrung des "bildlosen Gottes" ist denkbar und anstrebenswert, darf aber nicht losgelöst von der Christusnachfolge gesucht werden, sondern ist nur zusätzlich als letzte Stufe des inneren spirituellen Weges gnadenhaft erreichbar.
Neben den eigentlichen mystischen Aspekten werden in den Predigten auch zahlreiche andere Seiten des religiösen Lebens thematisiert, so setzt sich Tauler etwa für die geistliche Aufwertung des Laienstandes und der weltlichen Arbeit ein.
Taulers Predigtsammlung verbreitete sich nach seinem Tod kontinuierlich vor allem in den Klöstern der Ordensreformbewegung, wo sie bald auch von männlichen Ordensmitgliedern rezipiert wurden. 1498 und 1508 erschienen die ersten Drucke, die u.a. für den jungen Martin Luther bedeutsam wurden. Es folgten bis in die Gegenwart zahlreiche weitere Ausgaben.
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