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Täufer

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Täufer ist die Bezeichnung einer vielschichtigen christlichen reformatorischen Bewegung des 16. Jahrhunderts, die in der Schweiz, Tirol und in Ostfriesland ihre geografischen Ausgangspunkte hatte, sich aber schnell über ganz Zentraleuropa ausbreitete. Fälschlicherweise wurden die Täufer als "Wiedertäufer" (Anabaptisten) bezeichnet. Da die Täufer die Taufe unmündiger Kinder als unbiblisch und deshalb als ungültig verwarfen, wurden Mündige aufgrund ihres persönlichen Glaubensbekenntnisses getauft, auch wenn sie bereits als Säuglinge "besprengt" worden waren. In den Augen der Täufer war (und ist) die Glaubenstaufe die gültige. Sie wird nicht wiederholt.


Die Täuferbewegung der Reformationszeit ist eine der Wurzeln der heutigen Hutterer, Mennoniten und der Amischen sowie im gewissen Sinne auch der Baptisten.


Inhaltsverzeichnis


1 Entstehung

2 Verschiedene Täufergruppen

  2.1 Schweizer Brüder

  2.2 Süddeutsche Täufer

  2.3 Hutterische Brüder

  2.4 Mennoniten

  2.5 Schleitheimer Artikel - Grundsatzerklärung der verschiedenen Täufergruppen

3 Das Täuferreich in Münster

4 Zusammenfassung: Glaubensüberzeugungen/Charakteristika

5 Führende Gestalten des Täufertums

6 Siehe auch

7 Literatur


Entstehung

Die Bewegung der Täufer hat ihren Ursprung wohl in Zürich entstanden und zwar als Abspaltung der von Zwingli dort eingeleiteten und durchgeführten Reformation. Im Zuge der 2. Zürcher Disputation im Herbst 1523 hatte der Rat der Stadt im Einvernehmen mit Zwingli beschlossen, den reformatorischen Maßnahmen erst ausführliche evangelische Predigten vorangehen zu lassen, um die Bevölkerung angemessen auf die bevorstehenden Wandlungen vorzubereiten. Einer Gruppe um Felix Manz und Konrad Grebel war dieser Reformationsprozess nicht durchgreifend genug. Sie bildeten eine Gemeinschaft, die sich von der Welt abschied und die sich als "Gemeinschaft der Glaubenden" verstand.


Erst im Jahr 1524 rückte die Taufe während des Taufstreits in den Mittelpunkt der Diskussion. Die Gruppe weigerte sich ihre Kinder taufen zu lassen. Der Rat erließ einen Taufbefehl, den die Gruppe 1525 widerwillig umsetzte. Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen tauften sich aus einem einfachen Wasserkübel. Da die Erwachsenen als Kind schon getauft wurden, wurden sie so zu Wiedertäufern.


Da es sich der Rat der Stadt nicht gefallen lassen wollte, dass der seit 1525 geltende Zwang zur Kindertaufe von den Täufern missachtet wurde, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, an deren Ende 1527 die Hinrichtung von Felix Manz - durch Ertränken in der Limmat - stand.


Auch ausgelöst durch die Vertreibung aus Zürich breiteten sie sich schnell in das Alpengebiet (Konrad Grebel, Jakob Hutter), nach Nordwestdeutschland (Melchior Hofmann), in die heutigen Niederlande und nach Mähren (Balthasar Hubmaier) aus. Auch in den protestantischen Territorien Südwestdeutschlands, so zum Beispiel in Württemberg und den angrenzenden Herrschaften, ließen sich Erwachsene taufen. Dort verzichtete die Obrigkeit auf allzu grausame Sanktionen.


Man kann das Täufertum als "linken Flügel der Reformation" (nach Heinold Fast) verstehen. Anhänger der "großen" Reformatoren waren enttäuscht, dass die "Gemeinde des Neuen Testaments" durch die Reformation nicht wieder hergestellt und an der "Ehe von Thron und Altar", also der engen (politischen) Verbindung zwischen Kirche und Staat fest gehalten wurde.


Verschiedene Täufergruppen

In der Täuferforschung unterscheidet man folgende Täüfergruppen:


Schweizer Brüder

Sie leiteten sich in direkter Linie von der ersten Zürcher Täufergemeinde her, breiteten sich in der Schweiz, am Oberrhein, im Kraichgau sowie in der Pfalz aus und vertraten besonders den Gedanken der "Absonderung von der Welt".


Süddeutsche Täufer

Sie bildeten in Schwaben, Bayern, Franken und Österreich ihre Gemeinden und waren eine außerordentlich missionarische Täufergruppe. Ihre Theologie war stark endzeitlich geprägt.


Hutterische Brüder

Sie lebten zunächst in Tirol und Mähren, durchzogen jedoch - bedingt durch Vertreibung und Verfolgung - halb Osteuropa. Urchristliche Gütergemeinschaft, strikte "Absonderung von der Welt", absolute Gewaltlosigkeit und eine enge Ethik kennzeichnet ihre Lehre und ihre Glaubenspraxis.


Mennoniten

Ihre Verbreitungsgebiet waren zunächst die Niederlande, Ostfriesland und der Niederrhein; später gelangten sie nach Ostpreußen und Russland. Man kann sie als sehr gemäßigte aber auch friedfertige Vertreter des Täufertums bezeichnen. Die Verweigerung des Kriegsdienstes und der Eidesleistung gehörten zu ihrem festen Programm.


Schleitheimer Artikel - Grundsatzerklärung der verschiedenen Täufergruppen

Bekannt wurden die von Michael Sattler verfassten "Schleitheimer Artikel" (Schleitheim, Kanton Schaffhausen - Schweiz) von 1527, in denen die Lehre der Täufer programmatisch zusammengefasst wurde. Wichtigste Punkte in diesen Artikeln waren:


- Ablehnung der Kindertaufe


- Ablehnung von Eid, Kriegsdienst und Steuern


- Ablehnung der Wahrnehmung weltlicher Obrigkeit durch Täufer


- Bildung einer Gemeinschaft der wahrhaft Gläubigen (in Ablehnung der Idee von der "Volkskirche")


Das Täuferreich in Münster

[Bild extern:] Lambertikirche in Münster


Eine Sonderrolle innerhalb des Täufertums spielten die so genannten Münsterschen Wiedertäufer. Sie herrschten in den 1530ern in Münster (Westfalen). Einer der theologischen Wegbereiter des münsterschen Täuferreichs war - allerdings ungewollt - Melchior Hofmann. Zahlreiche Täufer aus den Niederlanden waren in die Bischofsstadt geströmt und hatten dort ihre Lehren verbreitet. Nachdem sie in der Bürgerschaft ein lebhaftes Echo fanden, übernahmen die Täufer, die die gemäßigte Reformation des Martin Luther ablehnten, 1534 die Stadt Münster und gründeten dort das "Reich Zion". Der Bischof von Münster, Franz von Waldeck, der mit Anna Pohlmann in eheähnlichem Verhältnis lebte und acht Kinder hatte, und auch Bischof von Osnabrück war, belagerte umgehend die Stadt. Als "König" setzten die Wiedertäufer Jan van Leiden ein, der innerhalb kurzer Zeit eine Theokratie errichtete und oppositionelle Regungen brutal unterdrückte, aber im Gegensatz zu anderen die Folter vor der Vollstreckung eines Todesurteils abschaffte. In der Stadt wurde die Gütergemeinschaft eingeführt und, unter Berufung auf das Alte Testament, die Polygamie. Letzteres als v.a. "pragmatische" Antwort auf den großen Frauenüberhang, den es in der Stadt gab (ca. 5000 Frauen, 2000 Männer und 1000 Kinder. Dieser "Frauenüberschuss" ergab sich aus der damaligen Sitte,


Töchter in Klöster zu geben, damit Höfe nicht geteilt und belastet wurden).


Die Militanz der münsterschen Wiedertäufer folgte aus der Überreaktion gegen die pazifistische Gesinnung der Wiedertäufer, die allein deswegen schon mit dem Tode bestraft wurden. Nach anderthalb Jahren wurde Münster am 25. Juni 1535 eingenommen. Die betroffenen Täufer wurden für ihre Abtrünnigkeit grausam zu Tode gefoltert: Im Januar 1536 wurden Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling auf dem Prinzipalmarkt mit glühenden Zangen gerissen und schließlich erdolcht. Ihre Leiber wurden in eigens angefertigten Käfigen an den Turm der Lambertikirche gehängt, die dort noch heute zu sehen sind.


Zusammenfassung: Glaubensüberzeugungen/Charakteristika

  • Mißtrauen gegenüber Staat und Staatskirchentum
  • starker Bezug auf die Sittlichkeitsgebote der Bergpredigt
  • Friedensliebe / Erdulden von Unrecht und Gewalt (siehe auch: Amischen); das Täufertum in Münster repräsentierte dagegen eine radikal-fundamentalistische Minderheit mit militanter Gewalt.
  • Glaube an prophetische Erleuchtungen ("inneres Licht"), daraus gewonnene Erfahrungen wurden hier und dort über die Aussagen der Bibel gestellt
  • Gläubigentaufe / Ungültigkeit der Kindertaufe
  • Heiligung des Leb


Führende Gestalten des Täufertums



Siehe auch

  • Portal Freikirchen


Literatur

  • Claus-Peter Clasen: Die Wiedertäufer im Herzogtum Württemberg und in benachbarten Herrschaften. Stuttgart 1965
  • Franklin H. Littell: Das Selbstverständnis der Täufer (1966)
  • Heinold Fast: Der linke Flügel der Reformation


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