Über Tacitus' ("Der Schweigsame") Leben haben wir nur verstreute Zeugnisse von ihm selbst oder von seinen Zeitgenossen, vor allem dem jüngeren Plinius. Seine Familie stammte eventuell aus einer der römischen Provinzen, vielleicht Gallien. Tacitus begann unter KaiserVespasian die typische politische Karriere eines römischen Senators, die ihren formalen Höhepunkt mit dem Konsulat im Jahre 97 und dem Prokonsulat der ProvinzAsia (auf dem Gebiet der heutigen Türkei) zwischen 112 und 116 erreichte.
Tacitus galt als einer der bedeutendsten Redner seiner Zeit; dem Zustand der Redekunst widmete er seine vielleicht früheste Schrift, den Dialogus de oratoribus. Nach dem Konsulat begann er mit der Arbeit an seinen beiden großen Geschichtswerken, die sich vielleicht noch bis in die beginnende Herrschaft des Kaisers Hadrian hinzog. Tacitus schrieb seine Geschichtswerke aus der Perspektive des Senators, der die Zeit der römischen Kaiser von Augustus bis Domitian danach beurteilte, wie weit sie noch den Idealvorstellungen der römischen Republik entsprach. Seine scharfen und auch sprachlich brillanten Analysen haben das moderne Bild vom römischen Reich im 1. Jahrhundert n. Chr. wesentlich geprägt. Dabei ist zu beachten, dass Tacitus sich zwar der Maxime "sine ira et studio" (lat. "ohne Zorn und Eifer") - also einer objektiven Berichterstattung - verschrieben hat, sich bisweilen aber selbst nicht daran hielt.
Werke
In vermuteter Entstehungsfolge:
Dialogus de oratoribus - über den Verfall der Beredsamkeit.
Agricola (De vita Iulii Agricolae) - Biographie des Feldherrn Agricola, seinen Schwiegervater, mit einer geographischen Beschreibung Britanniens.
Germania (De origine et situ Germanorum) - Geographie und Kultur der Germanen, teilweise seinen Landsleuten als Gegenbild einer nicht korrupten und dekadenten Gesellschaft vor Augen gehalten. (Siehe unter Agricola und Germania).
Historien (Historiae) - Geschichte des römischen Reiches von Galba (69) bis Domitian (96) (nur teilweise erhalten).
Annalen (Annales bzw. ab excessu divi Augusti) - Geschichte des römischen Reiches vom Tod des Augustus (14) bis Nero (68) (etwa zur Hälfte erhalten)
Tacitus und der Krieg gegen Arminius
Cornelius Tacitus beschreibt in seinen Annalen den germanischen Krieg eingehend. Von den zeitgenössischen Autoren unterscheidet sich Tacitus gerade durch seine bittere Kritik am Ausgang des Krieges. Hinsichtlich seiner verwendeten Quellen in Bezug auf die Germanicusfeldzüge sind keine sicheren Angaben möglich. Sowohl Aufidius Bassus als auch Plinius der Ältere werden als Quellen in Anspruch genommen. Für die Germanicusfeldzüge erlaubt die Darstellung des Tacitus nur bedingt eine sachliche Rekonstruktion der Ereignisse; vor allem die hinter den einzelnen Feldzügen stehenden Ziele und Absichten bleiben unklar.
Der kompositorisch zentrale Aspekt der ersten beiden Bücher der Annalen des Tacitus ist der scharfe Gegensatz zwischen dem Helden Germanicus und dem Tyrannen Tiberius (Parallele zu Tacitus' Schwiegervater Agricola und Domitian). Der Marserfeldzug nach der Niederschlagung der Meuterei der Rheinlegionen (Herbst 14 n. Chr.) wird zum eigentlichen Neubeginn sieg- und ruhmreicher römischer Offensiven gegen das rechtsrheinische Germanien. Auch erzeugt Tacitus die Vorstellung, dass Rom bereits unter Augustus das einzig ehrenvolle Ziel einer expansiven Wiederherstellung der römischen Herrschaft über Germanien (bis an die Elbe) definitiv aufgegeben habe. Für Tacitus - und nur für ihn - begann "der" germanische Krieg im Herbst 14 und endete im Herbst 16. Aus der Natur der Sache ergab sich die Auffassung des Tacitus keineswegs. Die moderne Geschichtsschreibung ist ihm dennoch hierin z. T. gefolgt.
Literatur
Peter Horst Herzog: Die Funktion des militärischen Planens bei Tacitus. Der Kriegsrat von Bedriacum im zweiten Buch der Historien als Paradigma für das Verhältnis von Rat und Tat, Frankfurt/a.M. u.a. 1996, 403 S.
Ronald Syme: Tacitus. Clarendon Press, Oxford 1958.
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