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Sufismus

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Sufismus (arabisch tasawwuf تصوف,) islamische Mystik. Etymologisch ist unklar, ob das Wort von arabisch suf صوف - "Schurwolle", das auf die wollenen Gewänder der Sufis hinweist, oder von safa صفا - "rein" stammt. Eine andere Erklärung bietet auch der Begriff ahl as-suffa, was "Leute der Veranda" bedeutet. Dies bezieht sich auf die Gruppe von Personen, die sich zu Lebzeiten Muhammads um den Propheten scharten und wahrscheinlich in Armut lebten. Es wird außerdem behauptet, dass das Wort Sufismus auf die Leute der ersten (Gebets-)Reihe (saff-i awwal) hindeuten kann.


Die ersten Sufis waren einzelne Asketen. Erst ab dem 12. Jahrhundert entwickelten sich die Ordensgemeinschaften (Tariqas), die teilweise noch heute existieren. Die Konvente der Orden nennt man Khanqah (persisch خانگاه chānegāh und خانقاه chāneghāh), Dergah (persisch درگاه dargāh Türschwelle, Palast; osmanisch dergâh auch Derwischkonvent), Tekke (osmanisch تكيه tekke, tekye) oder Zawiya (arabisch زاوية zāwiya pl. زوايا zawāyā).


Inhaltsverzeichnis


1 Allgemeines

2 Der Weg des Derwisch

  2.1 Die Rose als Symbol

3 Sufi-Geschichten

4 Einfluss auf den Westen

5 Bedeutende Sufis

6 Sufiorden (Tariqas)

7 Literatur

8 Weblinks


Allgemeines

Die Sufis suchen durch Askese und Meditation (Dhikr) Gott nahe zu kommen oder mit Gott eins zu werden. Letzters wird vom orthodoxen Islam und der ihr eigenen islamischen Rechtspechung (Fiqh) zumindest kritisch betrachtet, wenn nicht gar als Gotteslästerung verdammt. Die Sufis sind aber auch andererseits oft dieser konservativen, manchmal verknöcherten, islamischen Rechtswissenschaft gegenüber kritisch eingestellt. Al-Hallaj, der mit Gott so eins geworden zu sein glaubte, dass er sagte: "Ana al-Haqq" ("Ich bin die Wahrheit"), wurde von der Orthodoxie als Ketzer verdammt und gekreuzigt. Kommen Sufis einem solchen Zustand nahe, geraten sie oft in Trance. Einige wenige Sufigemeinschaften vollziehen in Trance einvernehmliche verletzende Handlungen, wie etwa das durchstechen der Wangen. Ein bekanntes Beispiel für Trancezustände bei Sufis sind die so genannten tanzenden Mevlevi-Derwische von Konya (griechisch: Ikonion), die sich solange im Kreis drehen, bis sie in Trance geraten.


Im allgemeinen folgt ihr Weg vier Stufen, die stark an eine Prägung durch den indischen Raum erinnern. Bis heute sind sich die Experten jedoch größtenteils noch unschlüssig darüber, wer hier wen und zu welcher Zeit beeinflusst hat:


a) Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung,
b) Aufgabe des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften,
c) Sterben des Ego,
d) Auflösung in das göttliche Prinzip.

Ziele sind Gesundheit und geistige Heilung. Das oberste Ziel ist aber das, Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei zwangsläufig die eigenen Wünsche zurückzulassen. Dies spiegelt sich klar in dem Prinzip zu sterben bevor man stirbt wieder, das von allen Sufis verfolgt wird.


Dazu ein Zitat von Abu Nasr as-Sarraj, einem Zeitgenossen des bekannten islamischen Mystikers Dschunaid: Sufismus bedeutet, nichts zu besitzen und von nichts besessen zu werden.


Oder eine etwas ausführlichere Beschreibung von Abu Said: Sufismus ist Ruhm im Elend, Reichtum in der Armut, Herrschaft in Dienstbarkeit, Sättigung im Hunger, Leben im Tode und Süße in der Bitterkeit... Der Sufi ist der, der mit allem zufrieden ist, was Gott tut, so dass Gott mit allem zufrieden ist, was er tut.


Der Weg des Derwisch

Eine andere Bezeichnung für Sufi ist Derwisch (persisch درويش darwīsch Bettler).


Dabei ist es aber nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, dass jeder Sufi ein Bettler ist; sondern dieser Begriff dient auch als Symbol dafür, dass derjenige, der sich auf dem Weg des Sufismus befindet, seine eigene Armut gegenüber Gottes Reichtum erkennt.


Auf dem Weg eines Derwisch gibt es folgende Stationen, die er zu meistern versucht:


  • 1. Schari'a (islamisches Gesetz)
  • 2. Tariqa (der mystische Weg)
  • 3. Haqiqa (Wahrheit)
  • 4. Ma'rifa (Erkenntnis)


Die Sufis sehen diese Stationen auch als Türen auf dem Weg zu Gott, die sich aber nicht neben-, sondern hinter-, oder besser noch ineinander befinden. Man muß also erst eine Tür durchschritten haben, bevor man daran arbeiten kann, die nächste in Angriff zu nehmen.


Die Rose als Symbol

Im Sufismus wird oft das Symbol der Rose gebraucht. Diese stellt die oben genannten Stufen folgenderweise dar: Die Dornen stehen für die Schari'a, das islamische Gesetz, der Stängel ist Tariqa, der Weg. Die Blüte gilt als Symbol für Haqiqa, der Wahrheit, die schließlich den Duft, Ma'rifa, die Erkenntnis, in sich trägt.


Hierbei läßt sich folgende Sichtweise der Sufis erkennen: Die Dornen schützen den Stängel, ohne sie könnte die Rose leicht von Tieren angegriffen werden. Ohne den Stängel haben die Dornen alleine aber auch keinerlei Bedeutung; man sieht hier also deutlich, dass die Sufis Schari'a und Tariqa unbedingt als zusammengehörig betrachten. Der Stängel ohne Blüte wäre nutzlos, und auch eine Blüte ohne Duft hätte keinen Zweck. Der Duft alleine ohne die Rose hätte aber ebenfalls keine Möglichkeit zu existieren.


Sufi-Geschichten

Ein wichtiger Bestandteil des Sufismus sind die Lehrgeschichten, die immer und immer wieder den Schülern (Derwischen) von ihren Lehrern (Sheikhs) erzählt werden. Dabei kann man sie in drei verschiedene Kategorien unterscheiden:


  • 1. Geschichten, die sich mit dem Verhältnis des einzelnen zu sich selbst und seiner individuellen Entwicklung befassen.
  • 2. Geschichten, die das Verhältnis zur Gesellschaft und zu anderen Menschen behandeln.
  • 3. Geschichten, die sich mit der Beziehung zu Gott befassen.


Dabei handelt es sich hier oft um scheinbar einfache Geschichten, deren tiefere Bedeutung kann aber für den Derwisch sehr fein und tiefgründig sein. Die im Westen bekanntesten Lehrgeschichten sind beispielsweise die von Nasruddin Hodscha (auch Mullah Nasruddin), die meistens als Anekdoten oder einfache Witze mißverstanden werden.


Ein Beispiel: Nasruddin setzt einen Pedanten über ein stürmisches Wasser über. Als er etwas sagt, das grammatikalisch nicht ganz richtig ist, fragt ihn der Gelehrte: »Haben Sie denn nie Grammatik studiert?« - »Nein.« - »Dann war ja die Hälfte Ihres Lebens verschwendet!«. Kurz darauf dreht sich Nasruddin zu seinem Passagier um: »Haben Sie jemals schwimmen gelernt?« - »Nein. Warum?« - »Dann war Ihr ganzes Leben verschwendet - wir sinken nämlich!«


Anhand dieser Geschichte kann man erkennen, dass der Sufismus ein praktisches Handeln ist, kein theoretisches Studium.


Einfluss auf den Westen

Die Auswirkungen des Sufismus blieben nicht nur auf die muslimische Welt beschränkt. Einflüsse hatte er unter anderem auf die Weltliteratur, die Musik und auf viele Kulturen Süd- und Osteuropas. So wurden beispielsweise Konzepte wie das der romantischen Liebe und der Ritterlichkeit vom Westen übernommen, als Europa mit den Sufis in Kontakt kam.


Deshalb basieren viele Werke der westlichen Literatur auf Sufi-Geschichten, wie zum Beispiel die schweizerische Legende des Wilhelm Tell, die auf die Vogelgespräche von Fariduddin Attar zurückgeht. Auch Cervantes bestätigte selbst, dass sein Don Quijote sufische Wurzeln hat.


Für die Beliebtheit sufischen Gedankengutes, welches für die Bedürfnisse der westlichen Klientel umgedeutet und angepasst wurde, lässt sich die Arbeit des indischen Musikers und Religionsgelehrten Hazrat Inayat Khan nennen, der 1917 die Internationale Sufi-Bewegung gründete.


Bedeutende Sufis



Sufiorden (Tariqas)



Siehe auch: Liste islamischer Begriffe auf Arabisch


Literatur

  • Annemarie Schimmel: Mystische Dimensionen des Islam; Die Geschichte des Sufismus
  • Annemarie Schimmel: Gärten der Erkenntnis; Das Buch der vierzig Sufi-Meister
  • Idries Shah: Die Sufis; Botschaft der Derwische, Weisheit der Magier
  • Muzaffer Ozak: Der Wein der Sufis; Die Lehren des inneren Islam (Titel der Erstauflage: Liebe ist der Wein; Lehrgespräche eines Sufi-Meisters)
  • Bayat/Jamnia: Geschichten aus dem Land der Sufis


Weblinks



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