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Sünde

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Sünde ist ein Begriff insbesondere der Abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam), und bezeichnet eine Übertretung des Menschen gegenüber dem Willen Gottes.


Eng verbunden mit der Sünde sind das Bekenntnis derselben sowie die Buße zur Wiedergutmachung.


Folgen der Sünde sind manchmal ein Schaden der Seele sowie in letzter Konsequenz die Verdammung.

Sühne ist der Vorgang, durch den der Sünder wieder mit Gott versöhnt wird.

Dieses ursprünglich jüdische Konzept wurde zu einer zentralen Lehre in der christlichen Theologie.


Im Hinduismus und anderen vedischen Religionen werden unter Sünde Handlungen verstanden, die Karma verursachen.


Umgangssprachlich wird unter Sünde oft eine als falsch angesehene Handlung verstanden, ohne dass eine theologische Aussage impliziert ist. Oft wird der Begriff heute nahezu umgekehrt zur klassischen Bedeutung für "privat Wünschenswertes, dass gewisse Spielverderber nicht mögen" verwendet.


Inhaltsverzeichnis


1 Etymologie

2 Jüdische Sichtweise

3 Christliche Sichtweise

  3.1 Allgemeine Betrachtungen

    3.1.1 Arten der Sünde

  3.2 Ostkirche

  3.3 Westliche Kirchen

    3.3.1 Römisch-katholische Kirche

    3.3.2 Protestantische Kirchen

  3.4 Sühne im Christentum

    3.4.1 Ursprung der Sühne

    3.4.2 Befreiung von der Sünde

  3.5 Erbsünde

4 Islamische Sichtweise

5 Siehe auch


Etymologie

Das deutsche Wort Sünde hat eine gemeinsame Wurzel mit Worten anderer germanischer Sprachen (Englisch sin, Altenglisch synn, Aldnorwegisch synd). Der Ursprung ist nicht bekannt. Möglicherweise geht das Wort auf die indogermanische Wurzel *es- zurück, das Partizip des Verbes sein, soviel wie seiend bedeutend.


(Eine volksetymologische Deutung führt es auf das germanische sund zurück, weil Sund eine Trennung bezeichne. Allerdings bezeichnet "Sund" im Gegenteil etymologisch eine Enge, also eine Verbindung, z. B. Landenge.)

Im Deutschen wird es erstmals als der christliche Begriff Sünde gebraucht.


Der griechische Ausdruck αμαρτια (hamartia) des Neuen Testaments, der dem hebräischen Wort chat'at entspricht - beides bedeutet Verfehlen des Ziels, konkret und im übertragenen Sinn - wird als Sünde übersetzt.


Jüdische Sichtweise

Im Judentum ist die Übertretung eines Gesetzes Gottes eine Sünde.


Die Gesetze sind dabei die Zehn Gebote, andere Vorschriften im Tanach (Altes Testament) sowie die im Talmud zusammengestellten Auslegungen.


Nach jüdischem Verständnis begeht jeder Mensch im Laufe seines Lebens Sünden.


Gott gleicht dabei die angemessene Strafe durch Gnade aus.


Das allgemeine hebräische Word für Sünde ist aveira.


Nach der Auslegung des Tanach werden drei Formen der Sünde unterschieden:


  • Pesha oder Mered: Absichtlich begangene Sünde, in bewusster Auflehnung gegen Gott.
  • Ovon: Emotional begangene Sünde, bewusst, aber nicht in Auflehnung gegen Gott.
  • Cheit: Unbeabsichtigte Sünde


Nach jüdischer Lehre ist kein Mensch perfekt, und alle Menschen haben mehrfach gesündigt.


Dies Handlungen bedingen allerdings keine andauernde Verdammung; nur wenige Sünden sind (fast) unvergebbar.


Nach dem babylonischen Talmud wird Gottes Gnade in dreizehn Attributen zusammengefasst:


  • 1. Gott ist gnädig, noch bevor der Mensch sündigt, obwohl er weiß, dass der Mensch zur Sünde fähig ist.
  • 2. Gott ist dem Sünder gnädig, nachdem jener gesündigt hat.
  • 3. Gott kann sogar gnädig sein, wo es ein Mensch nicht vermag oder verdient.
  • 4. Gott ist mitleidsvoll, und erleichtert dem Schuldigen die Strafe.
  • 5. Gott ist sogar denen gegenüber gnädig, die es nicht verdienen.
  • 6. Gott lässt sich nicht leicht in Zorn bringen.
  • 7. Gottes Freundlichkeit ist vielfältig.
  • 8. Gott ist ein Gott der Wahrheit; daher gilt sein Versprechen, dem bekennenden Sünder zu vergeben.
  • 9. Gott ist den zukünftigen Generationen freundlich, so wie die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs seine Freundlichkeit erfuhren.
  • 10. Gott vergibt bewusst begangene Sünden, wenn der Sünder bereut.
  • 11. Gott vergibt das bewusste Verärgern seiner selbst, wenn der Sünder bereut.
  • 12. Gott vergibt aus Irrtum begangene Sünden.
  • 13. Gott vergisst die Sünden derer, die bereuen.


Der Jude soll diese selben Prinzipien in seinem Umgang mit den Mitmenschen anwenden.


Traditionell war der Tempel der Ort, and dem der jüdische Sünder durch Opfer sühnte.


Priester führten die in der Torah festgelegten Rituale (Gesang, Gebet, Gaben, Tieropfer) durch.


Der Feiertag Yom Kippur ist ein spezieller Tag, an dem das ganze jüdische Volk zur Vergebung seiner Sünden zusammenkommt.


In den späteren Büchern der Propheten werden leere Rituale abgelehnt, und die Einstellung der Bittsteller in den Vordergrund gerückt.


Gebet, aufrichtige Reue und Umkehr (Jonah 3,5-10, Daniel 4,27) sowie das Geben von Almosen sind zentrale Elemente der Sühne.


Siehe auch: Sieben Todsünden

Christliche Sichtweise

Der Begriff der Sünde, und insbesondere seine Überwindung, hat im Christentum eine zentrale Bedeutung.


Sünde bezeichnet hier den durch den Menschen verschuldeten Zustand des Getrenntseins von Gott und ebenso einzelne schuldhafte Verfehlungen gegen Gottes Gebote, die aus diesem Zustand resultieren.


Allerdings gibt es hier leicht unterschiedliche Zugänge zur Thematik zwischen den verschiedenen christlichen Traditionen (siehe weiter unten).


Allgemeine Betrachtungen

Die generelle christliche Sichtweise der Sünde geht über die alttestamentliche (jüdische) hinaus, und ist in ihren wichtigsten Punkten aus dem Neuen Testament entnommen.


Der Begriff Sünde geht von einer vertrauenden und den Menschen prägenden Beziehung des Menschen zu Gott aus. Sünde ist der Bruch dieser Beziehung. Die vielen einzelnen Sünden (sündhaften Handlungen) werden als Symptome der einen Sünde gesehen, die im Leben ohne Gottesbeziehung besteht. Sünde im christlichen Sinn schließt immer eine Verfehlung gegen Gott ein - es gibt keine Sünde nur gegen Menschen. Ein Beispiel gibt das Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Lk 15,11-32 ), wo der Sohn sich eigentlich nur zwischenmenschlich verfehlt, aber dann zur Erkenntnis kommt: "Vater, ich habe gesündigt, gegen den Himmel und vor dir..." (Lk 15,18)


Im neutestamentlichen Verständnis ist kein Mensch von Natur aus frei von Sünde: "Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns." (1 Joh 1, 8). Sünden haben die Tendenz, weitere Sünden nach sich zu ziehen. Der Mensch hat keine Chance, im Alleingang frei von Sünde zu werden.


Konkrete Sünden, die ihm Neuen Testament erwähnt werden sind: Entweihung des Tempels (Mk 11,15-18), Heuchelei (Mk 23,1-36), Habsucht (Lk 12,15), Gotteslästerung (Mt 12,22-37), Ehebruch (Mt 5,27-32), Prahlerei (Mt 6,1-18). Sündenlisten gibt es in Röm 1,29,30, Eph 5,1-6, 1 Tim 3,1-4.


Paulus schreibt im Römerbrief, dass die Gebote Gottes (das Gesetz) die Sünde und die Sünden erkennbar machen: ohne die Gebote hätten die Menschen keinen Maßstab, um ihre Sünde zu erkennen (Röm 7,7-13). Das wird heute noch z. B. Im Beichtspiegel angewendet, wo man als Vorbereitung auf die Beichte eine Liste der zehn Gebote mit möglichen Verstößen dagegen hat.


Arten der Sünde

Nicht alle Sünden sind gleich: Totschlag und Diebstahl sind sichtbare Handlungen, Neid und Habgier finden in Gedanken statt, sind aber ebenso sündhaft. Unterlassungssünden (Jak 4,17) sind ebenfalls nicht offensichtlich, aber doch Sünden. Sünden, die jemand mit großer Erkenntnis verübt, wiegen schwerer als Sünden, die jemand mit wenig Erkenntnis verübt (Lk 12,47-48)


Die Römisch-Katholische Kirche unterscheidet zwischen:




Ostkirche

Die Orthodoxe Kirche betont insbesondere den Effekt der Sünde auf die Beziehungen zwischen Mensch und Gott sowie die zwischenmenschlichen Folgen.


Daher wird bei der Erlösung die Aussöhnung und erneuerte Beziehung betont.


Westliche Kirchen

Westliche Kirchen (Römisch-katholische Kirche, Protestantische Kirchen) sehen dagegen eher den rechtlichen Aspekt, der dann auch bei der Erlösung eine Rolle spielt.


Die Römisch-katholische Kirche versteht unter Sünde nur die Handlung selbst, während der Protestantismus die menschliche Natur selbst als sündhaft bezeichnet.


Römisch-katholische Kirche

Die römisch-katholische Kirche hat eine juristisch ausgearbeitete Lehre bezüglich Sünde (siehe Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel Sünde, Absatz 1846-1876 und Abschnitt Die zehn Gebote, Absatz 2052-2557) und Vergebung (Artikel Das Sakrament der Buße und der Versöhnung, Absatz 1420-1498).


Dazu gehören unter anderem die Unterscheidung von Todsünde und lässlicher Sünde;


erstere bedingen die ewige Verdammung in der Hölle, letztere führen zur zeitlich begrenzten Strafe im Fegefeuer.


Daneben gibt es den Ablass zum Erlass von Sündenstrafen.


Nach römisch-katholische Lehre hat die Erbsünde zwar die ursprüngliche Perfektion des Menschen angeschlagen, aber nicht vollständig ausgelöscht.


Daher ist der gefallene Mensch von sich aus bestrebt, Gottes Vergebung und Erlösung zu suchen.


Einige protestantischen Kirchen (Methodistische Kirche) teilen diese Sichtweise, die in der protestantischen Theologie als Arminianismus bekannt ist.


Protestantische Kirchen

Die Auswirkung der Erbsünde wird in vielen Zweigen der protestantischen Kirchen gänzlich anders als in der römisch-katholischen Kirche gesehen.


Die prägnanteste Formulierung dieser Sichtweise wird im Calvinismus gegeben, findet sich aber auch in anderen Richtungen wie etwa den lutherischen Kirchen.


Danach ist der Mensch durch die Erbsünde in einen Zustand Totale Verderbtheit gelangt, der alleine durch Gottes Initiative und Gnade (sola gratia) durchbrochen und durch den dann geschenkten Glauben (sola fide) aufrechterhalten werden kann.


Sühne im Christentum

Ursprung der Sühne

Die Sünde wird durch die Sühne aufgehoben;


nach christlicher Lehre geschah diese Erlösung durch die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi.


Die genaue Bedeutung und Interpretation dieses im Christentum so zentralen Gegebenheit wurde historisch unterschiedlich bewertet.


Neutestamentlich beginnt die christliche Theologie in der Regel mit der Ähnlichkeit zum alttestamentlichen jüdischen Tieropfer (Sühneopfer), welches die Sünden abträgt.


Die Fragen zur Bedeutung des Todes und den Grund des Sterben-müssens sind im Laufe der Geschichte folgendermaßen beantwortet worden:


  • Origenes lehrte, dass der Tod Christi ein dem Satan gezahlter Preis sei, um seine gerechtfertigte Forderung nach den Seelen der sündigen Menschen abzugelten.

  • Irenäus von Lyon lehrte, dass Christus in sich selbst alle Sünden aufnahm, und somit die aus Adams Ungehorsam bedingte Erbsünde ausglich.

  • Athanasius von Alexandria lehrte, das Christus kam, um Tod und Korruption zu besiegen, und um die Menschheit wieder in Gottes Bildnis zu versetzen.

  • Gregor von Nazianz lehrte, dass der Tod Christi ein höchst freiwilliges Opfer des selbst göttlichen Christus an Gott sei, jedoch nicht um dessen Zorn zu befriedigen oder ihn mit der Menschheit zu versöhnen, sondern um umgekehrt die Menschen mit Gott zu versöhnen.

  • Anselm von Canterbury lehrte, dass Christi Tod Gottes Gerechtigkeitssinn zufriedenstelle. Diese Lehre ist in Anselms Cur Deus Homo entwickelt.

  • Peter Abaelard sah Christi Leiden (Passion) als Gottes leiden mit seiner Schöpfung, wodurch er seine Liebe zeigte.

  • Johannes Calvin lehrte, dass Christus, der einzige Mensch ohne Sünde, freiwillig die Strafe aller Menschen Sünden auf sich nahm, und stellvertretend gebüßt hat.

  • Karl Barth sah den Tod Christi als ein Zeichen der Liebe Gottes und seines Hasses der Sünde.


Diese Ansichten lassen sich (mit Einschränkungen) folgendermaßen gruppieren:


  • Ersatz: Gott nahm in Christus die Strafe für die Sünden der Menschheit auf sich, damit die Glaubenden der Strafe entrinnen können.

  • Beispiel: Der Tod Christi zeigt dem Christen, was es bedeutet, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen; dadurch wird der Weg zum ewigen Leben aufgezeigt.

  • Offenbarung: Christi Tod offenbart dem Christen das Wesen und die Liebe Gottes, und zeigt die versprochene Auferstehung.

  • Sieg: Der Tod Christi besiegte den Tod, und gibt den Toten ewiges Leben.


Ein volles Verständnis der christlichen Vorstellung von Sühne erfordert eine Kombination dieser Punkte.


Befreiung von der Sünde

Die Frage, wer in den Genuss der Befreiung von der Sünde kommt, und wie dies geschieht, wird innerhalb christlicher Kirchen unterschiedlich gesehen.


Neben der offensichtlichen Tatsache, dass jede Kirche ihre Methode für richtig hält, lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen.


Wesentlich ist die Anerkennung, dass Jesus Christus als Heiland (oder Retter) die Sünde(n) vergibt.


Voraussetzung dafür sind nach orthodoxem und römisch-katholischem Verständnis die durch Taufe besiegelte Mitgliedschaft in der Kirche. Nach evangelischem Verständnis ist es die Bekehrung, mit der Taufe zur Vergebung der Sünden und der Mitgliedschaft in der Kirche als öffentliche Zeichen.


Dem Christen werden dann die Sünden durch Bekennen (Beichte) und Buße vergeben. So weit sind sich alle Konfessionen einig, bei den Einzelheiten gibt es jedoch Unterschiede:


  • In der katholischen Kirche gibt es das Bußsakrament, bei dem die Sünden einem Priester gebeichtet werden, der die Sünden vergibt.
  • In der katholischen, anglikanischen und methodistischen Kirche gibt es bei jedem Abendmahl das gemeinsame Sündenbekenntnis mit Zuspruch der Vergebung durch den Pfarrer (bei den Lutheranern auch zwingend???)
  • In den evangelischen Kirchen kann Bekennen und Buße auch im persönlichen Gebet zur Vergebung führen
  • Manche Freikirchen und Bewegungen praktizieren auch die Beichte gegenüber einem Mitchristen, der kein Geistlicher sein muss.


Siehe auch: Ablass, Beichte, Buße (Christentum)


Erbsünde

Das christliche Konzept der Erbsünde beschreibt einen von Geburt an bestehenden Zustand der Sünde oder der Neigung zur Sünde, der unabhängig von Handlungen des Individuums ist.


Islamische Sichtweise

Im Islam ist der Mensch ständig der Versuchung ausgesetzt, Sünden zu begehen.


Diese bestehen darin, Allahs Willen oder seine Schöpfung zu verletzen.


Siehe auch

Erlösung, Katechismus, Sündenfall, Gott, Religion


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