Die Substanz (lateinisch substantia : Bestand, Wesenheit, Existenz, Inbegriff) bezeichnet in der klassischen Philosophie den einheitlichen, unveränderlichen, beharrenden Träger der mannigfaltigen, wechselnden Erscheinungen der objektiven Realität, d.h. was aller Realität zugrunde liegt.
In der mechanistischen Naturauffassung des 19. Jahrhunderts, im mechanischen Materialismus und zum Teil in der klassischen Physik und Chemie bezeichnet die Substanz soviel wie Stoff oder Urstoff. In der objektiv-idealistischen Ontologie des Neuthomismus hat die Substanz eine spezifische tragende begriffliche Funktion und dient besonders dazu, den Begriff "Materie" zu ersetzen.
Der Begriff der Substanz geht auf Aristoteles zurück, der darunter das Seiende oder Substrat verstand, "über das das übrige ausgesagt wird, während es selbst über kein anderes ausgesagt wird"(in: Metaphysik Z 3). Es ist das erste Seiende, das nicht an etwas ist, sondern selbständig existiert und der unveränderliche Träger aller veränderlichen Eigenschaften ist. Auf dieser Grundlage entstand später die spekulative Substanzmetaphysik der Scholastik, wie sie im Werk des Thomas von Aquin zum Ausdruck kam.
Bei Rene Descartes wurde der Begriff der Substanz zur Bezeichnung der Materie (als ausgedehnte Substanz) verwendet (in: Betrachtungen über die Grundlagen der Philosophie III). Er unterscheidet zwischen physikalischer und geistiger Substanz. Bei Spinoza ist die Substanz die grundlegende Kategorie, die das Wesen der materiellen Welt, der Natur bezeichnet. Er versteht unter Substanz das, "was in sich ist, und durch sich begriffen wird, das heißt das, dessen Begriff,um gebildet werden zu können, den Begriff des anderen Dinges nicht bedarf"(in: Ethik I Definition 3). Die Substanz ist die Ursache ihrer selbst, sie ist unendlich und ewig, sie existiert in ihren unendlich vielen Attributen, die ihre Wesenheit ausdrücken, während alle besonderen Dinge nur Modi dieser Attribute sind(siehe Spinozismus). Als grundlegendste, höchste, ewige und letzte Substanz gilt ihm Gott oder die Natur.
Die mechanistische Naturanschauung des 19. Jahrhunderts sah in Masse und Energie die wesentliche Verkörperung der Substanz, die weder qualitativ noch quantitativ vermehrt oder vermindert werden könne, Ursache ihrer selbst sei und ewig existiere. Das ist ein materialistischer Ansatz. Doch die Annahme, daß die prinzipiell unveränderliche Substanz als abstrakter Träger der realen Eingenschaften fungiere(d.h. als unveränderlicher Träger veränderlicher Akzidenzien), wird dem dynamischen Charakter der Realität(d.h. in Natur und Gesellschaft) nicht gerecht.
Diese Annahme ist einseitig und kann das Wesen der Realität nur verzerrt erfassen. Die historische Bedeutung des Substanzbegriffs besteht darin, daß mit seiner Hilfe echte Probleme der Materiestruktur gedanklich erfaßt und teilweise bearbeitet werden konnten, d.h. daß diese Begriffsbildung eine wesentliche Stufe im Entwicklungsprozess der menschlichen Erkenntnis der Natur und der Materie war.
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