Der Strukturalismus beruht auf der Grundannahme, dass Phänomene nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit anderen Phänomenen stehen. Diese Verbindungen gilt es aufzudecken; genauer gesagt bilden die Phänomene einen strukturierten (strukturierbaren) Zusammenhang. Dabei wird die Struktur jedoch durch den Beobachter in einem Modell konstruiert. Die Struktur existiert also nicht auf der Ebene der Wirklichkeit, sondern nur auf der Ebene des Modells.
Ein Strukturalist geht in der Regel wie folgt vor:
1. Der Bereich des Beobachtbaren wird eingeteilt in stukturell beschreibbare und strukturell nicht beschreibbare Phänomene; nur erstere sind Gegenstand strukturalistischer Analysen.
2. Die beschreibbaren Phänomene werden segmentiert.
3. Zwischen den Segmenten wird ein Zusammenhang (re-)konstruiert. Dabei ist unter Umständen eine den Segmenten zugrunde liegende weitere (abstraktere) Beschreibungsebene anzusetzen, auf der wieder eine Segmentierung ihrer Entitäten möglich ist.
Entstehung
Der Strukturalismus geht auf den Genfer SprachwissenschaftlerFerdinand de Saussure zurück, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Vorlesungen über Allgemeine Sprachwissenschaft hielt (Cours de linguistique générale), in denen er die Grundlage für eine neue Methode schuf. Seine Vorlesungen wurden erst postum 1916 veröffentlicht, gelten aber wegen ihres neuartigen Ansatzes, naturwissenschaftliche Prinzipien auf einen vermeintlich geisteswissenschaftlichen Bereich wie den der Sprachwissenschaft anzuwenden, als wahrlich revolutionär und bis heute maßgebend für alle möglichen sprachwissenschaftlichen Teildisziplinen. Es sei angemerkt, dass der Strukturalismus - oder besser gesagt: die strukturalistische Methode - in Disziplinen wie etwa der Linguistik oder auch der Anthropologie durchaus fruchtbare Ergebnisse zeitigt, wobei die (im 20. Jh.) vollzogene Überstülpung sämtlicher geisteswissenschaftlicher Teilbereiche durch strukturalistische Ansätze eher von Übel war (und oft auch noch ist).
Als ambitioniertes Beispiel für die Zweckmäßigkeit der strukturalistischen Methode sei hier die Erarbeitung des Lautschriftsystems der IPA/API (International Phonetic Association/Association phonétique internationale) genannt; davon ausgehend, dass sämtliche menschlichen Sprachäußerungen sich einem System unterordnen lassen, in dem eine feststellbare Anzahl von Konsonanten (gegliedert nach Artikulationsart und -ort) und Vokalen (gegliedert nach Stellung der Sprechwerkzeuge und dem sich gleichzeitig ergebenden Atemausstoß) - wobei in manchen Fällen die Grenze zwischen Konsonant und Vokal fließend ist und der Terminus des "Halbvokals" eingeführt werden muss - besteht, wurden sämtliche denkbaren Sprachlaute in verschiedene Schemata eingefügt (mit den dazugehörigen, unabdingbaren diakritischen Zeichen - denn kein Mensch spricht einen Laut zweimal auf dieselbe Weise aus - ), deren Grundlage aber stets die Kleinbuchstaben gängiger lateinischer Schriftsätze waren (sind), und die nur nach Ausnutzung dieses Buchstabenmaterials dann auch auf bspw. griechische Lettern, Ligaturen oder auf dem Kopf stehende lateinische Buchstaben etc. zurückgreifen.
So lässt sich die Struktur der Sprache deutlich machen, so wird ersichtlich, dass die Sprache beschreibbar ist, dass sie strukturierbar ist; dass sie letztlich aus der Natur erwachsen ist und insofern auch (das ist jetzt sehr gewagt) eher naturwissenschaftlich betrachtet werden kann als die Mathematik (die ja eigentlich ein reines Gedankengebilde ist).
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