Stetige Funktionen sind mathematischeFunktionen bei der verschwindend geringe Änderungen des Eingabewertes auch nur zu verschwindend geringen Änderungen des Funktionswertes führen. Wenn schon verschwindend geringe Änderungen des Eingabewertes zu Sprüngen des Funktionswertes führen nennt man die Funktion unstetig.
Im folgenden werden verschiedene Definitionen von Stetigkeit angegeben:
"Naive" Definition von Stetigkeit
Eine Funktion ist stetig, wenn der Graph der Funktion auf ihrem Definitionsbereich "ohne Absetzen des Stiftes" gezeichnet werden kann - also die Funktionswerte keine Sprünge machen. Diese Definition von "Stetigkeit" ist mathematisch nicht exakt, wird aber gerne zur Anschauung benutzt.
Sie funktioniert nur bei Funktionen mit einer Veränderlichen und führt auch da mitunter zu einem falschen Ergebnis.
Stetigkeit reellwertiger Funktionen
Reellwertige Funktionen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Wertemenge eine Teilmenge der reellen Zahlen ist. Schränkt man den Funktionsbegriff auf die Abbildung von reellen Zahlen in den Bereich der reellen Zahlen ein (wie es i.A. in der Schule gemacht wird), so ist die Stetigkeit von f in einem Punkt
x0, in dem f definiert ist, folgendermaßen definiert:
Für spätere Verallgemeinerung wird im folgenden der Zusammenhang mit allgemeinen metrischen und topologischen Räumen angegeben.
Topologischen Räume sind durch so genannte offene Mengen charakterisiert.
Eine offene Menge G auf der reellen Zahlenachse ist dadurch charakterisiert, dass um jeden ihrer Punkte ein offenes Intervall existiert, das diesen Punkt enthält und das ganz in der Menge G liegt. Ein offenes Intervall wird über die euklidische Metrik d definiert:
Ein offenes Intervall um den Punkt
x0 herum ist die Menge aller reellen Zahlen x, für die kleiner als eine vorgegebene positive reelle Zahl ist.
Hierüber lassen sich dann die Eigenschaften allgemeinerer Abbildungen zwischen topologischen Räumen motivieren (das wird weiter unten definiert).
Beispiele
Sind f und g stetig mit einem gemeinsamen Definitionsbereich, so sind auch f + g, f - g, f * g stetig. Ist g(x)≠ 0 für alle x im Definitionsbereich, dann ist auch f/g stetig.
Die Komposition zweier stetiger Funktionen f o g ist ebenfalls stetig.
f(x) = cos(x) + sin(x) ist für alle x aus R stetig.
f(x) = ecos(x) ist für alle x aus R stetig.
Im folgenden bezeichne f:D->R eine Funktion von einer Teilmenge D von R nach R
f(x) = 1/x ist für x=0 nicht definiert. In der Schulmathematik sagt man dann, f wäre in der 0 unstetig, nach der exakten Definition ist der Begriff der Stetigkeit auf diese Stelle jedoch gar nicht anwendbar - f ist also weder stetig noch unstetig in der 0. f ist in seinem Definitionsbereich (R/{0}) stetig.
f(x) = sin(x)/cos(x) ist stetig in seinem Definitionsbereich, d.h. in allen x aus R, für die cos(x) ungleich 0 ist. Man bezeichnet f auch als tan.
Verallgemeinerung: Stetige Funktionen zwischen metrischen Räumen
Ein Funktion heißt stetig, wenn sich ihr Funktionswert genügend wenig ändert, solange man nur das Funktionsargument genügend wenig ändert. Auch dies ist nur eine Beschreibung, eine mögliche exakte Definitionen sind folgende:
f: X → Y ist stetig in x0 ⇔ Zu jeder Umgebung V von f(x0) gibt es eine Umgebung U von x0, sodass für alle x ∈ U ∩ X gilt: f(x) ∈ V.
Weitere Verallgemeinerung: Stetige Funktionen zwischen topologischen Räumen
Noch allgemeiner lässt sich Stetigkeit zwischen topologischen Räumen wie folgt definieren (die Stetigkeit in metrischen Räumen ist eine Folgerung dieser Definition):
Sei f eine Abbildung von dem topologischen Raum X in den topologischen Raum Y. Dann heißt f stetig, wenn das Urbild von f von jeder in Yoffenen MengeU wieder offen in X ist, oder etwas formaler:
Spezialfälle von Stetigkeit
Spezialfälle der Stetigkeit sind z.b. Gleichmäßige Stetigkeit und (lokale) Lipschitz-Stetigkeit. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ihre jeweiligen Definitionen die Menge der infrage kommenden Funktionen noch weiter einschränken. Anwendungen finden z.b. in Existenz- (z.b. lokaler Existenzsatz von Peano) und Eindeutigkeitssätzen (z.b. Picard-Lindelöf) für Anfangswertprobleme.
Nimmt die auf einem abgeschlossenen Intervall stetige Funktion
f(x) an zwei Stellen a und b dieses Intervalls Funktionswerte mit unterschiedlichem Vorzeichen an, so gibt es zwischen a und b mindestens eine Stelle c für die die Funktion f(x) verschwindet(f(c)=0).
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