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Stereotyp

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Der Begriff Stereotyp tritt in verschiedenen Zusammenhängen mit unterschiedlicher Bedeutung auf. Allen Bedeutungen ist gemeinsam, dass ein bestimmtes gleichbleibendes oder häufig vorkommendes Schema bezeichnet werden soll. Ein Stereotyp kann als eine griffige Zusammenfassung von Eigenschaften oder Verhaltensweisen aufgefasst werden, die häufig einen hohen Wiedererkennungswert hat, dabei aber in aller Regel für sich genommen den gemeinten Sachverhalt sehr vereinfacht.


  • Am geläufigsten ist die Verwendung des Begriffes in einem sozialwissenschaftlichen Kontext. Hier sind Stereotype Komplexe von Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die Personen aufgrund ihrer Zuordnung zu bestimmten Gruppen zugeschrieben werden. Stereotype sind dabei (im Gegensatz zu Soziotypen) vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie bestimmte Eigenschaften karikierend hervorheben und falsch verallgemeinern.
  • In der Psychiatrie bezeichnet man Verhaltensweisen oder Bewegungen als Stereotype, die unabhängig von der konkreten Umweltsituation häufig und meist scheinbar sinnlos wiederholt werden.
  • In der Informatik hat sich der Begriff insbesondere in der objektorientierten Modellierung mittels der UML etabliert. Mit Stereotypen bezeichnet man hier Modellierungselemente (wie Klassen, Assoziationen usw.), die besonders häufig vorkommen und daher immer mit ganz bestimmten Eigenschaften versehen sind.


Der Rest dieses Artikel geht insbesondere auf die sozialwissenschaftliche Bedeutung des Stereotyp-Begriffes ein.


In die Literatur eingeführt wurde der Begriff 1922 von Walter Lippmann.


Seine Arbeit "Public Opinion - die öffentliche Meinung" war bahnbrechend für die Stereotypenforschung.


[Bild extern:] Karikatur 1870. Uncle Sam (als Symbol für die amerikanischen Werte): Was soll er mit Ihnen Anfangen?. Stereotype Darstellung von Kanadiern und Amerikanern.


Der Begriff ist nur schwer vom Begriff des Vorurteils zu unterscheiden.


Das Stereotyp ist ein interdisziplinäres Problem verschiedener Fachrichtungen (Psychologie, Soziologie, Linguistik).


In der Literatur kann man sich nicht darauf einigen, zu was Stereotypen gehören sollen: Sind es besondere Haltungen, Überzeugungen oder verbale Ausdrücke von Überzeugungen?


Einig ist man sich dagegen, was die Merkmale von Stereotypen anbelangt:


  • der Gegenstand von Stereotypen sind bestimmte Gruppen von Menschen, zweitrangig auch die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen
  • ein Individuum lernt Stereotype als Ausdruck der öffentlichen Meinung durch die Erziehung der Familie oder des Milieus, unabhängig von seiner persönlichen Erfahrung
  • in Bezug auf die wertende Funktion des Stereotyps ist es immer emotional geladen (positiv oder negativ)
  • ein Stereotyp ist entweder völlig tatsachenwidrig oder enthält nur partiell Tatsachen, wodurch es den Anschein erweckt, völlig wahr zu sein
  • Stereotype sind dauerhaft und resistent gegen Veränderungen, weil sie unabhängig von der Erfahrung und emotional geladen sind, vernünftige Argumente zeigen kaum Wirkung
  • die soziale Funktion besteht darin, die von einer Gruppe/Gesellschaft akzeptierten Werte und Urteile zu verteidigen (ein Individuum, dass dieser Gruppe angehören möchte, sollte diese Werte als soziale Norm verinnerlichen)
  • der Stereotypeninhalt kann durch ein Wort aktiviert werden
  • Stereotype sind immer verbal, sie sind linguistisch immer ein Satz (oder mehrere Sätze)


In der Psychologie übernimmt das Stereotyp verschiedene Aufgaben, als:


  • Orientierungsystem (vereinfachte Entscheidung für eine kognitive Ökonomie
  • Anpassungssystem (in einer Gruppe werden Konflikte verringert)
  • System zur Aufrechterhaltung des Selbst (zur Selbstdefinition und Selbstverankerung)


Außerdem gibt es in Bezug auf Gruppen verschiedene Theorien:


  • 1. Komplexitäts-Extremitäts-Theorie: Je mehr Dimensionen ein Urteilsgegenstand hat, desto weniger extrem ist das Gesamturteil. Stereotype haben wenige Dimensionen und fallen deshalb eher extrem aus (positiv oder negativ).
  • 2. Reizklassifikationstheorie: Beim Zuordnen von Gegenständen in vorgegebene Kategorien wird der Unterschied in der Kategorie verkleinert, während er zwischen den Kategorien größer wird. Da Stereotype auf einer Urteilsverzerrung beruhen, tritt eben dieser Effekt auf.
  • 3. Theorie der vermuteten Merkmale: Den Mitgliedern der eigenen Gruppe werden eher positive, den Mitgliedern anderer Gruppen eher negative Merkmale zugeordnet. Stereotype heben die positiven Eigenschaften einer Gruppe noch hervor (oder auch die negativen).
  • 4. theoretischer Ansatz der Erwartungsabweichung: Es gibt bestimmte Merkmale, die man Gruppenmitgliedern zuschreibt - bei einer Abweichung ändert man seine Einstellung in die erfahrene Richtung. Stellt ein Beobachter fest, dass eine andere Person positiv von seiner Erwartung abweicht, wird er sie noch positiver beurteilen.


Beispiele: Computerfreaks sehen genauso aus wie die Pizza, die sie jeden Abend essen. Japaner würden sich eher eine Hand abhacken lassen, als ein schlechtes Wort über ihre Firma zu verlieren.


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