Stangl wurde als Sohn eines Nachtwächters in Altmünster (Österreich) am 26. März1908 geboren. Nach einer Ausbildung zum Webmeister trat er 1931 der Polizei bei. 1935 versetzte man Stangl zur politischen Abteilung der Kripo in Wels.
Er trat der NSDAP im März 1938 (Rückdatierung auf 1936) bei und wurde 1940 Aufsichtsbeamter in der berüchtigten Euthanasie-Anstalt Schloss Hartheim, wo man geistig und körperlich Behinderte, aber auch politisch unliebsame Gefangene im Rahmen der Aktion T4 tötete.
1942 kommandierte man Stangl nach Lublin, wo er die Leitung des seit 1942 bestehenden Vernichtungslagers Sobibor übernahm. Bis zu seiner Versetzung zum KZ Treblinka im September 1942 ließ Stangl dort ca. 100.000 Juden töten. Nach seinem Eintreffen in Treblinka, dem zu diesem Zeitpunkt größten Vernichtungslager in Polen, erwies sich Stangl als perfekter Organisator des Massenmordes und erhielt eine öffentliche Belobigung. Stangl hatte den ersten Kommandanten Irmfried Eberl, wie er ein Österreicher, abgelöst, da dieser von den gewaltigen Leichenmengen überfordert war.
Franz Stangl war stets makellos gekleidet, höflich, freundlich und sprach mit sanfter Stimme. Ohne jedes Mitgefühl nannte er seine Opfer "Ladung" oder "Fracht", die "abgefertigt" werden müsse.
Kurz nach dem Lageraufstand 1943 in Treblinka wurde Stangl (inzwischen SS-Hauptsturmführer) nach Triest zur Partisanenbekämpfung versetzt. 1945 wurde er von den Amerikanern als SS-Mitglied interniert, die von seiner Laufbahn in Polen jedoch nichts wussten.
1947 übergab man Stangl den Österreichern, die ihn wegen seiner Euthanasie-Beteiligung in den offenen Vollzug in einem Linzer Gefängnis setzten. Hier marschierte er mit seinem ebenfalls einsitzenden Kollegen Gustav Wagner einfach zur Tür hinaus, und es gelang ihm, mit Hilfe des Bischofs Hudal aus Rom und der sogenannten Stillen Hilfe (fraglich) nach Syrien zu entkommen, wo er 1948 eintraf. Er war in Damaskus drei Jahre als Ingenieur tätig und hatte seine Familie nachkommen lassen.
1951 emigrierten die Stangls nach Brasilien, wo er unter anderem bei VW arbeitete. Erst 1961 erschien sein Name auf der Fahndungsliste der österreichischen Kriminalpolizei, obwohl man wusste, dass er für den Tod von nahezu einer Million Menschen verantwortlich war. Stangl wurde von Simon Wiesenthal aufgespürt, von den brasilianischen Behörden am 28. Februar 1967 verhaftet und an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Er wurde 1970 in Düsseldorf wegen der Mitverantwortung am Massenmord an 900.000 Juden zu lebenslanger Haft verurteilt. Stangl verstarb im Juni 1971 in der Haftanstalt an Herzversagen.
Literatur
Gitta Sereny: Into that Darkness. An Examination of Conscience, London 1974, ISBN_0330250167
Ernst Klee, Willi Dreßen, Volker Rieß (Hrsg.): "Schöne Zeiten". Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN_3-10-039304-X
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