Als Sprachspiel (engl. language game) bezeichnet Ludwig Wittgenstein (1889-1951) "in sich geschlossene Systeme der Verständigung", also die "unzähligen Arten" des Zeichen-, Wort- und Satzgebrauchs wie Behauptungen, Fragen und Befehle, die nicht aufeinander zurückführbar sind; Wittgenstein betont mit dem Begriff, dass "das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform" ist (in: Philosophische Untersuchungen, Nr. 23).
In einem Sprachspiel stellt ein Satz einen Spielzug dar, der ausserhalb des Spiels unsinnig wäre; die jeweilige Spielsituation bestimmt, welche Züge gerade möglich oder notwendig sind. Die Funktion im Sprachspiel stellt den Sinn des Satzes dar; der Sinn entsteht demnach erst innerhalb eines praktischen Zusammenhanges; Beispiel: "Nur im Fluß des Lebens haben die Worte ihre Bedeutung". Das Sprachspiel folgt bestimmten Regeln, die jedoch veränderbar und kontextabhängig sind. Ausserdem bedeuten "die Grenzen meiner Sprache [...] die Grenzen meiner Welt".
Das Konzept des Sprachspiels gilt als konstituierendes Merkmal der Moderne; spätere Philosophen der Sprachtheorie wie Jean-François Lyotard (Condition Postmoderne) setzen Wittgensteins Ansatz fort.
Wilhelm Beermann: Negative Dialektik und Sprachspiel. Zum Verhältnis der Philosophie Adornos zur Philosophie Wittgensteins (Wittgenstein Studies 1-96; 1996). Wien, New York
Jürgen Habermas: Sprachspiel, Intention und Bedeutung. Zu Motiven bei Sellars und Wittgenstein. In: Rolf Wiggershaus (Hrsg.): Sprachanalyse und Soziologie. Die sozialwissenschaftliche Relevanz von Wittgensteins Sprachphilosophie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1975, S. 337-338
Jean-François Lyotard: Das postmoderne Wissen. Wien u.a.: Böhlau 1986
Norbert Meder: Der Sprachspieler. Der postmoderne Mensch oder das Bildungsideal im Zeitalter der neuen Technologien. Köln: Janus 1987
Kurt Wuchtel: Struktur und Sprachspiel bei Wittgenstein, Frankfurt am Main 1969
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