Speichel (lat. Saliva) ist das Sekret der Speicheldrüsen. Dieses Sekret wird von Tieren und auch vom menschlichen Organismus produziert. Die Produktionsstätten des Speichels können sich im Bereich der Mundhöhle befinden, aber auch in bestimmten inneren Organen wie der Bauchspeicheldrüse. Demzufolge unterscheidet man z.B. Mundspeichel und Bauchspeichel. Am häufigsten ist mit dem Begriff "Speichel" der menschliche Mundspeichel gemeint; im Volksmund oft Spucke genannt.
Der Speichel reagiert alkalisch und enthält durchschnittlich 0,5 Prozent feste Bestandteile. Unter den letzteren sind hervorzuheben: Mucin, Proteine und ein Enzym (diastatisches Ferment), das Ptyalin (Speichelstoff). Ptyalin ist eine Amylase, die in der Nahrung enthaltene StärkeAmylose in einfachere Zucker (in diesem Fall in Maltose) spaltet.
Absonderung
Der Speichel ist in den Speicheldrüsen oder deren Ausführungsgängen nicht frei enthalten, sondern entsteht erst aus einer von den Speicheldrüsen gelieferten Muttersubstanz bei Zutritt der Luft. Die Speichelabsonderung erfolgt nur, wenn die an die Speicheldrüsen tretenden Fasern des sympathischen
Nervs direkt oder reflektorisch gereizt werden.
Arten
Je nach den Drüsen, welche den Mundspeichel liefern, unterscheidet man Parotidenspeichel, Submaxillarspeichel und Sublingualspeichel. In der Mundhöhle findet sich ein Gemisch dieser verschiedenen Speichelarten mit Mundschleim vor; es wird als gemischter Speichel bezeichnet. Mit der Speichelbildung gehen morphologische Veränderungen der Drüsenzellen Hand in Hand; weiter ist mit ihr eine so bedeutende Wärmebildung verknüpft, dass das mit großer Heftigkeit der Drüse entströmende venöse Blut nicht selten um 1-1,5°C wärmer ist als das Karotidenblut. Die in 24 Stunden abgesonderte Menge des Speichels bei erwachsenen Menschen wird auf 1,5 kg geschätzt.
Vermehrte Speichelabsonderung
Eine zeitweise verstärkte Sekretion wird meist auf reflektorischem Weg durch besondere Einflüsse hervorgerufen, zunächst als Folge von Reizungen der Geschmacksnerven durch in die Mundhöhle eingeführte Geschmacksstoffe, ferner als Folge von Reizungen der Tastnerven der Mundhöhle, der Geruchsnerven und Magennerven. Auch beim Kauen und Sprechen sowie durch die dem Brechakt vorausgehenden heftigen Bewegungen der Mund- und Schlundmuskeln wird die Speichelabsonderung vermehrt. Schließlich geschieht dies auch durch die Vorstellung von Speisen, besonders bei Hungernden, sowie krankhafterweise durch gewisse Arzneimittel etc. (siehe Speichelfluss).
Funktion
Der Mundspeichel löst die löslichen Substanzen der Nahrungsmittel auf, mischt sich mit den trockenen Speisen zu einem feuchten Brei (Chymus) und macht diese zum Abschlucken wie für die Magenverdauung geeignet; schließlich wirkt er durch seinen Gehalt an Ptyalin verdauend auf die Kohlenhydrate (sieheVerdauung).
Speichel ist aber auch zur Gesunderhaltung der Zähne wichtig. Bei verminderter Speichelproduktion (z.B. durch Bestrahlung) läßt sich eine erhebliche Steigerung des Kariesrisikos beobachten. Gleiches gilt bei permanenter Verdünnung des Speichels. Bekanntestes Beispiel ist das Baby-Bottle-Syndrom bei Kleinkindern (Fläschchen-Karies), das auch auftritt, wenn die Nuckelflasche nur mit klarem Wasser befüllt wird.
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