Er entwickelte über viele Jahre hinweg die Theorie, das in den platonischen Dialogen Timaios und Kritias erwähnte Inselreich Atlantis habe in der Nordsee in der Gegend der heutigen Insel Helgoland gelegen. Der Untergang dieser alten Hochkultur ist nach Spanuth durch den Einschlag eines Kometen zustande gekommen, wie es in bildhafter Weise in dem griechischen Phaeton-Mythos ebenso zum Ausdruck kommt wie bei den Ägyptern als Sekhmet, in Syrien als Anat, in der Awesta als Tistrya, bei den Germanen als Ragnarök. Aufgrund dieser Katastrophe seien die Überlebenden Atlanter nach Süden gezogen und hätten unter anderem den Sturm der Seevölker auf Ägypten ausgelöst. Die bronzezeitliche Hochkultur der Atlanter wäre nach Spanuths Theorie identisch mit einer angeblich "protogermanischen" Kultur, welche Stonehenge und die Himmelsscheibe von Nebra hervorbrachte (vgl. hierzu Germanen).
Weitere Personen die eine ähnliche These zu Atlantis vertreten, sind Otto Muck und der Gründer der Sternwarte Bochum Heinz Kaminski in seinem Buch Sternenstrassen der Vorzeit.
Auch Immanuel Velikowski ging von einem Kometeneinschlag aus, der Atlantis versenkte.
Von der Wissenschaft wurden seine Theorie nicht zuletzt auch wegen nachweislicher Verbindungen Spanuths zu rechten und rechtsextremen Verlagen, Vereinigungen und Verbänden abgelehnt. Er verklagte daraufhin seine Kritiker vor dem Landgericht Flensburg.
Bereits 1955 schrieb Spanuth über seine Helgoland-Theorie in der damals noch von dem ehemaligen SS-Sturmbannführer Artur Erhardt geleiteten Zeitschrift "Nation und Europa". Für einen Nachdruck des 1934 von dem NS-Rasseforscher Hans Friedrich Karl Günther herausgegebenen Buches "Die nordische Rasse bei den Indogermanen Asiens" verfasste er das Eingangskapitel über das "Schicksal der Philister und anderer Nordmeervölker". Ausserdem war Spanuth aktives Mitglied in der 1968 von Bolko Freiherr von Richthofen wiedergegründeten Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte. Ab den 1960er Jahren veröffentlichte Spanuth mehrere Bücher über Atlantis - mit dem bezeichnenden Untertitel "Heimat, Reich und Schicksal der Germanen" - , die Philister und die Phönizier in dem rechtsextremistischen Grabert-Verlag von Wigbert Grabert sowie zahlreiche Aufsätze in der hier erscheinenden revisionistischen Zeitschrift "Deutschland in Geschichte und Gegenwart". Seite Ende der 1970er Jahre referierte Spanuth ausserdem auf Veranstaltungen der rechtsextremen Vereinigung "Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes" (DKEG), die ihm 1991 den jährlich von ihnen gestifteten "Schillerpreis" verlieh.
Die geistige Herkunft seiner Theorien wird aber auch in seinen Werken selbst deutlich, wenn dies auch von Spanuths Anhängern vehement bestritten wird. Er gehört zu einer ganzen Reihe von Autoren, fast ausschliesslich keine Fachwissenschaftler, sondern Autodidakten und "Privatgelehrte", die die Theorie "Ex septentrione lux" (Das Licht aus dem Norden) weiterhin verbreiten. Sowohl Nachdrucke entsprechender älterer Arbeiten, besonders aus der Zeit des "Dritten Reiches", als auch neuere Arbeiten erscheinen in erster Linie in Verlagen aus dem rechtsextremen Spektrum. In ihnen wird die angeblich kulturbringende Sendung "nordischer" bzw. "germanischer" Völker bereits in der Ur- und Frühgeschichte gegenüber den antiken Hochkulturen beispielsweise der Griechen, Philister, Phönizier und Ägypter betont und damit deren Überlegenheit bzw. die Abstammung von ersteren. "Hauptansatzpunkt für diese Behauptung ist nach wie vor die spekulative Zusammenstellung von Indizien, die den bestimmenden Einfluss von Menschen nordeuropäischer Herkunft nahelegen sollen. Unverändert reichen hierzu vage Andeutungen für den »Nachweis« z.B. von blonden Haaren oder blauen Augen aus. Erkenntnisse der prähistorischen Archäologie werden in der Regel nur herangezogen, sofern sie für das rassenideologisch bestimmte Argumentationsschema von Nutzen sind. Nicht selten ist die Ablehnung des Schlagwortes »Ex oriente lux« mit einer antichristlichen oder antisemitischen Polemik untersetzt, die in verschwörungstheoretischen Unterstellungen mündet" (Ingo Wiwjorra 2002).
Auswahl der Werke Spanuths
Das enträtselte Atlantis (Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1953).
Englische Übersetzung: Atlantis: The Mystery Unravelled (London: Arco Publishers, 1956).
...und doch: Atlantis enträtselt! Eine Entgegnung von Jürgen Spanuth (Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1955).
Atlantis: Heimat, Reich und Schicksal der Germanen (Tübingen: Grabert-Verlag, 1965).
Die Atlanter: Volk aus dem Bernsteinland (Tübingen: Grabert-Verlag, 1976).
Englische Übersetzung: Atlantis of the North (London: Sidgwick and Jackson, 1979).
Die Philister: Das unbekannte Volk - Lehrmeister und Widersacher der Israeliten (Osnabrück: Otto Zeller Verlag, 1980).
Die Phönizier: Ein Nordmeervolk im Libanon (Osnabrück: Otto Zeller Verlag, 1985).
Die Rückkehr der Herakliden: Das Erbe der Atlanter - Der Norden als Ursprung der griechischen Kultur (Tübingen: Grabert-Verlag, 1989).
Kritische Literatur zu Spanuths Thesen
Richard Weyl (Hrsg.): Atlantis enträtselt? : Wissenschaftler nehmen Stellung zu Jürgen Spanuths Atlantis-Hypothese. Kiel : Mühlau, 1953.
Carl Gripp: Spanuth's Atlantis-Forschungen hielten der Kritik nicht stand. Aus der Heimat 62 Heft 3, 1954, 50-53.
Arn Strohmeyer: Roter Fels und brauner Mythos. Eine deutsche Reise nach Atlantis ( Frankfurt (Main) : R. G. Fischer, 1990). ISBN_3894061928.
Ingo Wiwjorra: »Ex oriente lux« - »Ex septentrione lux«. Über den Widerstreit zweier Identitätsmythen. In: Achim Leube / Morton Hegewisch (Hrsg.): Prähistorie und Nationalsozialismus. Die mittel- und osteuropäische Ur- und Frühgeschichtsforschung in den Jahren 1933-1945. Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte 2 (Heidelberg 2002) 73-106. ISBN_3935025084.
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