Soziologie ist eine relativ junge Wissenschaft, die sich auf Grund der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft im Europa des 19. Jahrhunderts herausbildete. Das Wort ist eine von Auguste Comte geprägte Zusammensetzung aus dem lateinischensocius (gemeinsam) und dem griechischenlógos (Wort, Wahrheit, Wissenschaft). Doch haben auch ältere Autoren Werke stark soziologischen Charakters geschrieben ( z.B. Xenophón, Polýbios, Ibn Khaldun, Giambattista Vico und mehr). Karl Marx wird heute ebenfalls als soziologischer Klassiker verstanden, was stärker noch auf Friedrich Engels zutrifft, der mit "Die Lage der arbeitenden Klassen in England" schon um 1844 eine wichtige, wenngleich wertende soziologische Studie vorlegte.
Heute (2004) lassen sich mehrere große Ansätze in der deutschsprachigen Soziologie unterscheiden. Einflussreich sind zum einen Vertreter/innen eines Rational Choice-Ansatzes, ein bekannter Vertreter dieser Richtung ist Hartmut Esser; zwei weitere einflussreiche Denkrichtungen sind zum einen die Kritische Theorie und zum anderen die Systemtheorie, fußend auf Parsons und insbesondere im deutschsprachigen Raum auf Luhmann; ein vierter wichtiger Ansatz zeitgenössischer deutschsprachiger Soziologie sind - grob umrissen - interpretativ und qualitativ-rekonstruktiv ausgerichtete Arbeiten. Aber das sind beileibe nicht die einzigen.
Das Vorwalten (der institutionelle Erfolg) einer soziologischen Theorierichtung ist nicht nur von ihrer intellektuellen Tüchtigkeit und geistigen Bedeutung abhängig, sondern (wissenschaftssoziologisch gesehen) durchaus auch vom Markt für soziologische Forschungsergebnisse. Hier wird am meisten in den Bereichen der Wahl- und Marktforschung umgesetzt, was die Entwicklung der quantitativen Methoden und der an die Naturwissenschaften angelehnten Theorieansätze relativ begünstigt.
Lehrstühle der Soziologie an deutschen Universitäten waren bis in die 1960er Jahre selten, erfuhren in der Bundesrepublik dann dank der 1967er Umbruchzeit einen relativ starken (und nicht immer segensreichen) Zuwachs, der erst wieder in den neuen Ländern (wo die DDR die Soziologie bis dahin massiv angefeindet hatte) noch eine Nachblüte hatte. Seit den 1990er Jahren werden sie von den budgetmäßig notleidenden deutschen Ländern wieder stark verringert, meist unangebracht ad hoc, wenn nur irgendein/e Lehrstuhlinhaber/in in den Ruhestand geht.
Die Themenbereiche der Soziologie lassen sich auch danach unterscheiden, ob sie der allgemeinen Soziologie oder speziellen Soziologien zuzurechnen sind:
Allgemeine Soziologie
Der allgemeinen Soziologie werden die für das Fach wichtigen theoretischen Ansätze und auch Sachgebiete wie das Verhältnis von Akteur und Gesellschaft bzw. Person und sozialem System, sowie die Struktur und der Wandel von Gesellschaften/sozialen Systemen zugerechnet.
Spezielle Soziologien - auch Bindestrichsoziologien genannt - befassen sich mit den Strukturen und Prozessen gesellschaftlicher Teilsysteme oder institutioneller Bereiche.
Zu den speziellen Soziologien zählen (s. a. die Sektionen der DGS) unter anderem folgende Gebiete:
Universität Marburg, FB Soziologie: Erläuterte Systematik der Forschungsschwerpunkte
Bücher
Abels, Heinz - Einführung in die Soziologie; Wiesbaden 2001
In zwei Bänden wird in kleinen Textauszügen in soziologisches Denken, mit deren Problemen und Begriffen für jeden Interessierten und Erstsemestler eingeführt. Jedes Kapitel dreht sich um einen soziologischen Begriff und baut auf den vorgehenden auf. Auch werden verschiedene Gedankegebäude immer wiederholt. Es ist daher gerade für Erstsemestler ein passendes Grundlagenbuch.
Eine kundige und zur Zeit (2004) auch die neueste Übersicht im Handbuch-Charakter mit zahlreichen Mitarbeiter/inne/n. Doch bleiben auch die anderen erhältlichen soziologischen Wörterbücher empfehlenswert.
Kaesler, Dirk (Hg.) - Klassiker der Soziologie; München 2000; C.H. Beck Verlag
Wiederum in zwei Bänden zeigt eine jüngere Generation von Soziologen, im Rahmen von jeweils 20 Seiten, wer die Klassiker sind. Einunddreißig von ihnen werden erstens in ihrem Leben und dem zeitgenössischen Kontext, zweitens in ihrem Werk und deren wichtigsten Begriffen und drittens in ihrer Wirkung auf das zeitgenössisches soziologisches Denken und auf die gegenwärtige internationale Soziologie dargestellt. Diese beiden Bände helfen, die Klassiker kurz zu rekapitulieren und in eine Geschichte zu verorten.
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