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Soziale Randgruppe

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Unter sozialen Randgruppen versteht man gesellschaftliche Gruppierungen, die aus verschiedenen Gründen nicht oder teilweise nicht in die Gemeinschaft integriert sind oder am Rande der Gesellschaft (marginalisiert) leben. Zu sozialen Randgruppen gehören im weiteren Sinne Menschen mit besonderen Belastungen, die nicht in der Lage sind, für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen wie z.B. Behinderte, weiterhin ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheiten, sowie im engeren Sinne Personen, die nicht in das soziale Gefüge eingegliedert und oft ohne festen Wohnsitz sind, wie z.B. entlassene Strafgefangene, Obdachlose, Drogenabhängige. Mitglieder sozialer Randgruppen werden häufig Opfer von Diskiminierung, die von Benachteiligungen in vielen Bereichen der Gesellschaft, über Beschimpfungen und Meidung bis zum Reißen von Witzen über die Betroffenen reichen.


Zu sozialen Randgruppen sind z.B. zu zählen:


  • Stadtstreicher im allgemeinen: Sie sind meist unverschuldet durch die Maschen des sozialen Netzes gefallen bzw. wurden bei entstehenden Problemen nicht früh genug aufgefangen. Als Eintritt dieses Zustandes könnte man die Obdachlosigkeit ansehen, die zustandekommt, nachdem die Wohnungsmiete nicht mehr bezahlt werden konnten. Ursachen für Obdachlosigkeit können beispielsweise sein: Konkurs, Überschuldung und fehlende Arbeitslosenunterstützung bei Selbständigen oder Freiberuflern, die in Konkurs gegangen sind. Hinzu kommen meistens Belastungen, mit denen die Betroffenen nicht aus eigener Kraft fertig werden. Als weitere Ursachen, aber oft auch als Folgen, kommen beispielsweise in Frage: langandauernde Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Trennung vom Partner, Alkohol- und Drogenabhänigkeit, nicht vollzogene Resozialisation nach Gefängnisaufenthalt, psychische Probleme. Obdachlose, die ein gewisses Bedürfnis nach ihrer eigenen Subkultur und Zusammengehörigkeit aufbringen, finden hierzulande bisweilen zu inoffiziellen Wohnformen. Zu nennen ist die vor Jahren polizeilich geräumte East Side City in Berlin, zwischen Spree und East Side Gallery, wo in teilweise schrottreifen Fahrzeugen gewohnt wurde, oder die Bambulisten in Hamburg. In anderen Ländern kommt es systematisch zu Slum-Bildung. Prominentestes Beispiel sind die Favelas von Rio de Janeiro. In den USA hat sich eine Szene von Obdachlosen entwickelt, die als blinde Passagiere in Güterzügen leben und damit kreuz und quer durchs Land reisen (Hobos).
  • Trebegänger sind Jugendliche, die aus ihrem Elternhaus geflohen sind, weil sie es dort nicht mehr ausgehalten haben. Sie fühlen sich von Großstädten angezogen, weil dort etwas los ist, und haben häufig an oder bei Bahnhöfen ihre Szene und ihre Treffpunkte. Viele von ihnen haben als seelischen Trost immer einen Hund bei sich, den sie sehr lieben. Für Mädchen besteht eine erhöhte Gefahr in die Prostitution zu geraten, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, ihren Unterhalt zu finanzieren.
  • Heroinabhängige sind meist in sehr jugendlichem Alter, sind bevor sie die nötige charakterliche Stärke aufgebaut hatten, durch Gruppenzwang und Unkenntnis in die Sucht geraten und sehen sich mit dem Problem konfrontiert, Hunderte von Euro pro Tag aufbringen zu müssen. Weibliche Heroinabhängige realisieren dies im allgemeinen mit Prostitution. Männliche Heroinabhängige finanzieren ihre Sucht mit Kriminalität. Die Kriminalität ist durch große Eile gekennzeichnet - gestohlene Fahrräder werden nicht erst repariert oder unkenntlich gemacht, sondern sofort in nachts geöffneten Kneipen zum Kauf angeboten, um an dringend benötigtes Geld für Heroin zu gelangen. Der Verkauf gestohlener PCs (Notebooks) kann sich deshalb für Heroinabhängige als nicht realisierbar herausstellen. Teilweise versucht man, Heroinabhängigen mit Methadon-Programmen zu helfen. Deshalb sind beliebte Treffpunkte der Heroin-Szene nicht nur Bahnhöfe, sondern auch Arztpraxen oder Krankenhäuser, in denen Methadon ausgegeben wird.
  • Psychisch Kranke finden je nach Krankheitsbild keinen Zugang zu Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit, weil sie für unzuverlässig gelten und gemieden werden. Diese Personengruppe ist häufig auf die Sozialhilfe angewiesen. Zusätzlich erschweren Probleme im sozialen Umgang mit anderen Menschen, Isolation und Orientierungsschwierigkeiten ihre Integration in die Gesellschaft. In Deutschland werden sie z.B. durch die Selbsthilfe-Organisation Irren-Offensive e.V. vertreten.
  • Sinti und Roma, stoßen vor allem in der Slowakei auf erhebliche Diskriminierung. Die dortigen sesshaften Sinti und Roma leben abgeschnitten von Bildung und Einkommen in Ghettos, deren berüchtigstes Beispiel die Siedlung Lunik IX ist. Aber auch in Deutschland begegnet man ihnen mit Misstrauen und macht die "Zigeuner", wie sie umgangssprachlich genannt werden, noch immer schnell zum Beispiel für Diebstähle in der Nachbarschaft verantwortlich. Schwierigkeiten gibt es bei noch in Wagen lebenden Sinti und Roma auch mit den Behörden bei der Wahl ihrer Lagerplätze.
  • Ehemalige Strafgefangene werden von der Gesellschaft ebenfalls mit Misstrauen und Ablehnung betrachtet. Eine Planung der Resozialisation nach Haftentlassung findet meistens nicht oder nur unzureichend statt. Sie haben kaum eine Chance, einen Arbeitsplatz oder eine Wohnung zu bekommen, wenn sie einen Gefängnisaufenthalt nicht verschweigen. Vor allem über eine längere Zeit Inhaftierte besitzen keinen sozialen Kontakte mehr und sind häufig unfähig, ihr Leben außerhalb einer Institution allein zu gestalten. Die Zahl der Rückfälle ist enorm hoch, der Rückgriff auf alte Bekanntschaften und Überlebensstrategien im kriminellen Umfeld liegt angesichts der vielen Unwegsamkeiten und Hindernisse nahe.
  • Bedingt zu den Randgruppen zählen Minderheiten oder Unterprivilegierte wie Ausländer, religiöse Minderheiten, etc.


Soziale Randgruppen bringen bisweilen Prominente hervor, über die in den Medien berichtet wird, beispielsweise


  • der inzwischen verstorbene Stadtstreicher Mäuse-Paule vom Bahnhof Zoo in Berlin,
  • der Kleinst-Fuhrunternehmer Trecker-Becker aus Berlin-Kreuzberg. Er befuhr (oder befährt) Berlins Straßen mit einem Traktor mit Anhänger und verursacht wegen seiner extrem geringen Geschwindigkeit Staus. Seine unverwechselbare Silouhette ist durch einen schwarzen Hut gekennzeichnet sowie durch zwei Hunde, die ihn einrahmen. Er transportiert(e) nicht nur Sperrmüll aus Wohnungsauflösungen, sondern manchmal auch heiratende Punker-Pärchen zum Standesamt.


Weil soziale Randgruppen sich oft in absoluter Mittellosigkeit befinden, haben sie teilweise phantasievolle Methoden entwickelt, um sich dennoch zu ernähren. Die Kunst, ohne Geld zu überleben, basiert hierzulande in nicht unwesentlichem Maße auf dem Lebensmittelrecht: Supermärkte sind verpflichtet, Lebensmittel nach Ablauf des Verfallsdatums zu entsorgen, jedoch sind diese Lebensmittel unmittelbar danach in der Regel noch genießbar.


Hilfen für soziale Randgruppen

In Deutschland gibt es ein Netz von professionell oder ehrenamtlich organisierten Hilfen für soziale Randgruppen. Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, die mit Randgruppen arbeiten, sind überwiegend bei den Wohlfahrtsverbänden und sozialen Einrichtungen beschäftigt, oder arbeiten als Streetworker bei den Komunen. Darüber hinaus gibt es ehrenamtlich organisierte Selbsthilfegruppen, Freundschafts- und Hilfevereine für bestimmte Zielgruppen und carikative Initiativen von allem im kirchlichen Umfeld. Im Zuge der Einsparungen in den öffentlichen Haushalten, werden vor allem auch Mittel für die Randgruppenarbeit gestrichen. Die Folgen vor allem in der Jugendarbeit, werden sich erst in den nächsten Jahren deutlich zeigen.


Weblinks



siehe auch: (Minderheiten-Witz), Marginalisierung


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