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Soziale Frage im Deutschland des 19. Jahrhunderts

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Soziale Frage »Ausbeutung«


Um 1840 beginnt in Deutschland die industrielle Revolution.


Die Lage der Landbevölkerung wird durch Bevölkerungsanstieg so sehr verschlechtert, dass es in mangelnden Erntejahren zu schweren Hungersnöten kommt.


Millionen kamen aus den ländlichen, teils polnisch besiedelten Gebieten Ostdeutschlands in die westlich gelegenen Industrieorte, nach Berlin, nach Sachsen und ins Ruhrgebiet. Das darauf folgende Überangebot an Arbeitskräften erlaubte es den Unternehmern ihre Arbeiter elenden Arbeitsbedingungen auszusetzen und zwang die Industriearbeiter ihre Arbeitskraft zu einem frei zu vereinbarenden Preis zu verkaufen. Es führte zur Bildung von neuen sozialen Schichten: dem wohlhabenden Bürgertum, das Fabriken besaß (die Bourgeoisie) und die Arbeitskraft (das Proletariat), welche von Eigentumslosigkeit, das heißt durch Mangel an einem existenzsichernden Vermögen, geprägt war. Die Hungerlöhne erzwangen die Arbeit von Frauen und Kindern bei menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten von 16 bis 18 Stunden. Dabei verdienten die Frauen in der Regel 1/3 weniger als die Männer und der Lohn der Kinder lag weit darunter. So kam es oft, dass Frauen und Kinder den Männern vorgezogen wurden. Sie wurden vor allem in den Textilbranchen für billige Löhne eingestellt. Darüber hinaus gab es keinen Kündigungsschutz. Besonders betroffen davon waren die schwangeren Frauen und junge Mütter. Kinder von vier und fünf Jahren mussten in vielen Betrieben Arbeit verrichten, für die Erwachsene zu groß waren, zum Beispiel den Schornstein reinigen sowie in Bergwerksschächten zehn bis zwölf Stunden im Dunkeln die Kohlenwagen schieben. Viele Kinder erkrankten und selbstverständlich blieb die Schulbildung schlecht.


Die Arbeiter aßen meistens am Arbeitsplatz, um keine Arbeitszeit zu verlieren. Die Arbeitsplätze boten in der Regel keinen Schutz gegen Unfälle. Viele Arbeiter verletzten sich daher oft und wurden arbeitsunfähig. Zudem bestand die Aura der Fabriken aus Kohlendampf und Staub anstatt Sauerstoff, was für die Arbeiter zu zusätzlicher Gesundheitsgefährdung führte. Durch die harte Arbeit bekamen die Arbeiter Syphilitische und Brustkrankheiten. Viele starben an Schwindsucht (Endstadium der Lungenkrankheit hervorgerufen durch Bakterien in der Lunge bei geschwächter Abwehrkraft). Die Weber saßen den ganzen Tag auf ihrem Stuhl und ließen sich dadurch vom heißen Ofen das Rückenmark ausdorren.


Da die Städte auf solchen Ansturm von Emigranten nicht vorbereitet waren, fehlte überall dringend benötigter Wohnraum. Schnell wurden »Mietkasernen« aus dem Boden gestampft, in denen die Arbeiterfamilien in oftmals qualvoller Enge und unter schlechten hygienischen Bedingungen lebten. Großunternehmen ließen werkseigene Arbeitersiedlungen errichten, in denen die Lebensbedingungen oft besser waren als in den Mietkasernen. Aber selbst für diese Wohnungen hatten viele nicht das Geld, vor allem nicht junge Arbeiter und Arbeiterinnen. Da die Familien des Vermieters den meistens voll genutzten Wohnraum beim Morgengrau verließen und erst am Abend zurückkehrten, waren sie in erster Linie an einer Schlafmöglichkeit interessiert. Daraus entwickelte sich das »Schlafburschentum«. Die genannten unerträglichen Lebensbedingungen hielten die Lebenserwartung der Arbeiter bei 40 Jahren.


Spezielle Definition der Ausbeutung in der DDR


  • 1. Gesetze der ehemaligen DDR verboten in den 1950er Jahren die Führung eines Betriebes mit mehr als sechs Angestellten (gegen "Ausbeuter"). Dies hatte die faktische Schließung vieler Kleinbetriebe (zum Beispiel Bäckereien) in den Bezirken zur Folge. Die Arbeitsplätze verschwanden und die Betriebsbesitzer wanderten in die BRD ab, die Wirtschaftsstruktur verarmte zusehends, was weitere Abwanderung erzeugte.


Literatur

Kursbuch Geschichte, Verlag Cornelsen

Unsere Geschichte, Band 3, Verlag Diesterweg


Schule 2001, Grundstock des Wissens, Verlag Serges Medien


Weblinks



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