Praktisch alle europäischen Länder haben gesetzliche Einschränkungen der Sonntagsarbeit. Diese werden heute nicht mehr religiös sondern sozial oder humanitär begründet.
Entwicklung des Sonntags
Frühes Christentum
Die ersten Christen verstanden sich als Juden und hielten den in der Torah vorgeschriebenen Sabbat als Ruhetag.
Parallel zum Sabbat trafen sie (Judenchristen und Heidenchristen) sich aber auch wöchentlich am Tag des Herrn, dem Sonntag, zu Schriftlesung, Gebet und Abendmahl.
Es gibt keine Anzeichen, dass den ersten Christen der Sonntag ein Ruhetag war oder dass sie den Sabbat als Ruhetag abgelegt hätten.
An diesem Tag des Herrn wurde die Auferstehung gefeiert, die nach den Evangelien am dritten Tage nach der Kreuzigung, d.h. am Ostersonntag, erfolgte.
Die Bezeichnung Tag des Herrn lebt heute noch in vielen romanischen Sprachen als Bezeichnung des Sonntags fort: Dimanche, Domenica, Domingo leiten sich von dies domini, der lateinischen Übersetzung des griechischen Kyriake heméra, ab.
Eine erste Erwähnung des Sonntags gibt es bereits in der Mitte des 1. Jahrhunderts bei Paulus im 1. Korintherbrief, wobei diese Stelle nicht aussagt, dass der Sonntag geheiligt wurde am Platze des Sabbats:
Was aber die Sammlung für die Heiligen angeht: wie ich in den Gemeinden in Galatien angeordnet habe, so sollt auch ihr tun! An jedem ersten Tag der Woche lege ein jeder von euch bei sich etwas zurück und sammle an, soviel ihm möglich ist, damit die Sammlung nicht erst dann geschieht, wenn ich komme. (1 Kor 16,1)
Didache (ca. 90): Wenn ihr aber am Herrentag zusammenkommt, dann brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Übertretungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.
Barnabasbrief, Alexandria (um 100): Deshalb begehen wir auch den achten Tag (= den Sonntag, den ersten Tag der neuen Woche) in Freude, an dem auch Jesus von den Toten auferstanden und, nachdem er sich geoffenbart hatte, in den Himmel aufgestiegen ist.
Plinius, Kleinasien (um 110): Sie pflegten sich an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufgang zu versammeln, Christus als ihrem Gott einen Wechselgesang zu singen... Hernach seien sie auseinandergegangen und dann wieder zusammengekommen, um Speise zu sich zu nehmen...
Justin der Märtyrer, Rom, 1. Apologie (um 150): An dem nach der Sonne benannten Tage findet die Zusammenkunft von allen, die in Städten oder auf dem Lande herum weilen, an einem gemeinsamen Ort statt. Es werden die Aufzeichnungen der Apostel und die Schriften der Propheten vorgelesen, soweit es die Zeit erlaubt. Wenn dann der Vorleser aufgehört hat, hält der Vorsteher eine Ansprache, in der er ermahnt und auffordert, diesen schönen Lehren und Beispielen nachzufolgen. Sodann stehen wir alle zusammen auf und schicken Gebete zum Himmel * für uns selbst..._ und für alle anderen auf der ganzen Welt, auf daß wir würdig werden,..._ auch in Werken als gute..._ Menschen und als Beobachter der Gebote befunden zu werden, um so das ewige Heil zu erlangen. Nachdem wir die Gebete beendet haben, grüßen wir einander mit einem Kusse. Dann wird dem Vorsteher der Brüder Brot gebracht und ein Becher mit einer Mischung von Wasser und Wein. Dieser nimmt es, sendet durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes Lob und Preis zum Vater aller Dinge empor und verrichtet eine lange Danksagung dafür, daß wir dieser Gaben von ihm gewürdigt wurden. Ist er mit den Gebeten und der Danksagung zu Ende, stimmt das ganze anwesende Volk ein, indem es spricht: Amen. Nachdem der Vorsteher die Dankhandlung vollbracht und das ganze Volk eingestimmt hat, reichen die Diakone, wie sie bei uns heißen, jedem Anwesenden vom dankgesegneten Brot und vom mit Wasser vermischten Wein zum Genuß dar und bringen davon auch den Abwesenden.
Während die Einzelheiten bezüglich des Sonntags (Tag des Herrn) in christlichen Gruppen im 2. Jahrhundert variierten (parallel zum Sabbat, ohne Sabbat, als sabbatähnlicher Ruhetag, als Arbeitstag mit Gottesdienst am Abend), gab es keine christliche Gruppe, die den Tag des Herrn nicht feierte.
Auch gab es bereits im zweiten Jahrhundert keinen Hinweis darauf, dass der Tag des Herrn als solcher je irgendwie umstritten gewesen war oder neu eingeführt wurde.
Daraus lässt sich schließen, dass der Brauch bereits zur Zeit der ältesten Schriftquellen verbreitet war.
Im 3. Jahrhundert gibt es außer den Ebioniten keine Gruppe mehr, die parallel zum Tag des Herrn auch den Sabbat feiert. Jedoch hält die orthodoxe Kirche bis heute an besonderen biblischen Lesungen und während der Fastenzeiten erleichtertem Fasten sowohl für den Samstag wie auch für den Sonntag fest.
Spätes Römisches Reich
Im Jahre 321 erklärte Konstantin I. den dies solis zum Feiertag. Dieser von den Christen als Tag des Herrn gefeiert Tag war auch bei den Anhängern des Mithraskults der heilige Tag. Konstantin konnte mit diesem Edikt also gleich zwei wichtigen Religionen einen Gefallen tun (und offen lassen, welche er besonders meinte).
Alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste, sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen.
Dringende landwirtschaftliche Arbeit ist bei Konstantin ausgenommen.
Mittelalter
Während im Frühmittelalter Sonntagsruhe kein Thema war, entwickelten sich im Mittelalter kirchliche Gebote: Christen hatten am Gottesdienst teilzunehmen, der Sonntagsfrevel (Sonntagsarbeit)
gefährde das Seelenheil.
Reformation
In der Reformation war der absolut arbeitsfreie Sonntag nicht wesentlich, es ging bei der Sonntagsheiligung in erster Linie um den Gottesdienstbesuch.
Luther, Großer Katechismus: Darum geht nun dies Gebot nach dem groben Verstand uns Christen nichts an, denn es ein ganz äußerliches Ding ist, wie andere Satzungen des Alten Testaments, an sonderliche Weise, Person, Zeit und Stätte gebunden, welche nun durch Christum alle frei gelassen sind. Aber einen christlichen Verstand zu fassen für die Einfältigen, was Gott in diesem Gebot von uns fordert, so merke, dass wir Feiertage halten nicht um der verständigen und gelehrten Christen willen, denn diese bedürfen nirgends zu, sondern erstlich auch um leiblicher Ursache und Notdurft willen, welche die Natur lehrt und fordert für den Gemeinden Haufen, Knechte und Mägde, so die ganze Woche ihrer Arbeit und Gewerbe gewartet, daß sie sich auch einen Tag einziehen, zu ruhen und erquicken. Darnach allermeist darum, daß man an solchem Ruhetage (weil man sonst nicht dazu kommen kann) Raum und Zeit nehme, Gottesdienstes zu warten; also daß man zu Haufe komme, Gottes Wort zu hören und handeln, darnach Gott loben, singen und beten.
Heidelberger Katechismus: 103. Was will Gott im vierten Gebot? - Zum Ersten will Gott, daß das Predigtamt und die Schulen erhalten werden und ich besonders am Feiertage regelmäßig zur Gemeinde Gottes komme, um das Wort Gottes zu lernen, die heiligen Sakramente zu gebrauchen, den Herrn öffentlich anzurufen und das christliche Almosen zu geben. Zum Zweiten will er, daß ich alle Tage meines Lebens von meinen bösen Werken feiere, den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lasse und so den ewigen Sabbat in diesem Leben anfange.
Neuzeit
Im 17. Jahrhundert kommt durch die von den Puritanern beeinflussten Pietisten wieder eine sabbatähnliche Sonntagsheiligung auf, die in den folgenden Jahrhunderten durch die Industrialisierung immer weniger eingehalten wird.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts kommen wieder erste Arbeitsgesetze, die die Arbeit am Sonntag einschränken (z. B. Schweizer Fabrikgesetz von 1877).
Weimarer Republik, 1919: Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erbauung gesetzlich geschützt.
Gegenwart
Der wirtschaftliche Druck durch Maschinen, deren Auslastungszeit möglichst 24 Stunden am Tag betragen soll, setzt sich sowohl gegen die traditionell-religiösen als auch gegen die sozialen und humanitären Gründe durch.
Neuere Arbeitsgesetze lassen für den Sonntag wieder mehr und mehr Ausnahmen zu:
Neben dem Christentum kennen auch das Judentum und der Islam den siebentägigen Feiertagsrhythmus. Im Islam nimmt der Freitag die Rolle des Sonntags ein, wobei der Tag jedoch frühre nicht komplett arbeitsfrei war, sondern nur aus religiösen Gründen jedermann der mittägliche Besuch der Moschee ermöglicht werden sollte. Der Wochenbeginn ist jedoch auch im Islam am Sonntag. Arbeitsfreier Tag wurde der Freitag in einigen islamischen Ländern im 20. Jahrhundert - analog zum Sonntag in westlichen Ländern.
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