Die Septuaginta leitet ihren Namen (lateinisch für 70) von der Legende ab, nach der im ägyptischenAlexandria im 4. vorchristlichen Jahrhundert 72 jüdische Gelehrte diesen Text aus dem Hebräischen übersetzt hätten. Die abkürzende Bezeichnung (LXX) deutet ebenfalls auf diesen Ursprung hin.
Aristeasbrief
Diese Legende wird geht auf den so genannten Aristeasbrief zurück, der als Entstehungszeit einer Übersetzung des hebräischen Pentateuchs ins (Koine)-Griechisch die Regierungszeit Ptolemaios II. angibt (der angebliche Verfasser darf nicht mit dem gleichnamigen Dichter Aristeas verwechselt werden). Nachdem der Demetrius von Phaleron, der angebliche Vorsteher der Bibliothek von Alexandria die jüdische Tora in seine griechische Bibliothek aufnehmen wollte, habe der jüdische Hohepriester Eleazar auf Bitten des Ptolemäerkönigs die besagten 72 jüdischen Gelehrten (je 6 aus den 12 Stämmen Israels) nach Alexandria entsandt. Diese hätten kostbare Schriftrollen mit sich geführt und die Übersetzung auf der Insel Pharos innerhalb von 72 Tagen vollendet. Demetrius habe den Text aufgezeichnet. Der Verfasser des Briefes gibt an, an den Vorgängen teilgehabt zu haben. Bevor die Übersetzung dem König präsentiert wurde, sei sie der jüdischen Gemeinde vorgestellt und von dieser akzeptiert worden.
Die Geschichte des Aristeasbriefes wird bereits von Josephus Flavius aufgegriffen und Philo von Alexandria weitet die Legende dahingehend aus, dass alle 72 Gelehrten in unabhängiger Arbeit zum identischen Ergebnis gekommen seien. Die Kirchenväter folgen der Legende und erweitern die Übersetzungstätigkeit auf das gesamte Alte Testament.
Heute wird allgemein angenommen, dass die im Aristeasbrief dargebotene Geschichte als Legende anzusehen ist.
Textgeschichte
Der Text der Septuaginta geht keinesfalls auf eine einheitliche Übersetzergruppe zurück. Vielmehr weichen Stil und Genauigkeit der Übersetzung in den einzelnen Büchern soweit voneinander ab, dass eine unabhängige Entstehung zumindest einzelner Teile der Übersetzung angenommen werden muß.
Heute nimmt man an, dass die ursprüngliche Übersetzung im 4. Jahrhundert v. Chr. nur die Tora (d.h. die 5 Bücher Mose) umfasste und dass der restliche Teil des Tanach in den folgenden Jahrhunderten übersetzt wurde. Diese Auffassung wird durch die erst später erfolgte Kanonisierung der übrigen Teile des Tanach unterstützt.
Eine der ältesten mehr oder weniger vollständigen Handschriften, die die Septuaginta enthält, ist der Codex Sinaiticus. Jedoch sind einzelne Seiten und Seitenfragmente bis zurück ins 2. vorchristliche Jahrhundert zu datieren.
Einigen Büchern der LXX liegt ein hebräischer Text zugrunde, der weder mit dem mit dem Masoretischen Text noch mit dem Samaritischen Text oder den durch die Schriftrollen vom Toten Meer bezeugten Varianten übereinstimmt.
Weitere Entwicklung
Im Judentum, das die Septuaginta ursprünglich erstellt hatte, verlor sie seit der Zeitwende immer mehr an Einfluss. Zum einen folgten die Schreiber nicht den rigorosen Vorschriften, die beim Kopieren der hebräischen Texte verlangt wurden. Dadurch divergierten hebräische Texte und die Septuaginta, so dass theologische Differenzen auftraten. Weiterhin verschwand der Gebrauch des Griechischen im Judentum. Ein weiterer Grund war wahrscheinlich, dass das konkurrierende Christentum die Septuaginta benutzte.
Außerdem warfen jüdische Theologen christlichen Schreibern vor, die Septuaginta bewusst zu verändern, um einen Text zu haben, der der christlichen Lehre näher sei. Christlicherseits wurde dies mit dem Vorwurf beantwortet, die Septuaginta-Lesarten entsprächen der älteren jüdischen Tradition, der man sich nun im Judentum entledige, um das Christentum als nichtjüdisch darstellen zu können.
Wahrscheinlich ist, dass an vielen Stellen der Septuaginta der hebräische Ursprungstext zugunsten einem besseren Verständnis durch die hellenistische Welt verändert wurde. Manche Wissenschaftler sehen in der Septuaginta einen den aramäischenTargumen in der Intention analogen Vulgärtext.
Das Christentum der Alten Kirche zog die Septuaginta vor, da nur wenige Kirchenväter des Hebräischen mächtig waren, und weil die Lesarten der Septuaginta-Übersetzer oft dem christlichen Denken nahe kamen. Zudem wurde so die christlicherseits postulierte Einheit des Alten Testaments mit dem auf Griechisch abgefassten Neuen Testament stärker deutlich.
Heutiger Gebrauch
Die Septuaginta ist in der Orthodoxen Kirche auch heute noch die wichtigste Version des Alten Testaments. In Griechenland und Zypern wird sie bis heute im Gottesdienst gebraucht. Die meisten anderen Orthodoxen Kirchen benutzen ein Altes Testament, dass aus der Septuaginta in die jeweilige Landessprache übersetzt ist.
Die Römisch-Katholische Kirche benutzte dagegen über mehr als ein Jahrtausend die Vulgata, eine Übersetzung der Bibel durch Hieronymus ins Lateinische. Hieronymus, einer der wenigen guten Hebräischkenner der alten Kirche, hatte gegenüber der Septuaginta hebräische Texte als Übersetzungsgrundlage bevorzugt, soweit sie ihm noch zugänglich waren. Allerdings war ihm nicht möglich, den bis dahin dahin quasi kanonisierten Text der Septuaginta in allen Lesarten zu verwerfen. Viele Übereinstimmungen zwischen Vulgata und Septuaginta gegenüber dem Masoretischen Text dürften auf diese Beeinflussung zurückzuführen sein und nicht auf einem gemeinsamen (unbekannten) Ursprungstext beruhen.
Neuere katholische Bibelübersetzungen, wie z.B. die deutsche Einheitsübersetzung, greifen oft wieder auf einzelne Lesarten der Septuaginta zurück, wenn diese einem lokal entstellten oder unklaren hebräischen Text überlegen scheinen.
Für die Textkritik ist festzuhalten, dass in vielen Fällen dem Masoretischen Text Vorzug vor der Lesart der Septuaginta zu geben ist.
Inhalt der Septuaginta
Die Septuaginta enthält neben den traditionell dem Tanach zugeordneten Büchern auch einige Texte, die im Christentum als Apokryphen oder deuterokanonische Bücher bekannt sind und die im Judentum als uninspiriert abgelehnt werden. (Diese Bücher sind mit (*) markiert, wobei (*) = bei Protestanten abgelehnt, bei Katholiken und Orthodoxen anerkannt, (**) = bei Protestanten und Katholiken abgelehnt, bei Orthodoxen anerkannt, (***) = nicht anerkannt.)
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