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Schrift

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Schrift ist eine erlernte sprachspezifische Technik, die mithilfe eines Systems von festgelegten Zeichen (siehe Alphabet) oder Symbolen Informationen auf einem Träger oder Medium festhält. Die Schrift wird durch Schreiben erzeugt und durch Lesen - üblicherweise mit den Augen - wahrgenommen, und auf die gleiche Art und Weise geistig verarbeitet, wie andere (bildhafte) visuelle Reize. Schrift ist jedes System zur Lesbarmachung der gesprochenen Sprache. Für Sehbehinderte und Blinde gibt es die Brailleschrift, die es ihnen ermöglicht, Informationen mit den Fingern abzutasten und zu »lesen«.


Im Spezialfall wird mit "die Schrift" auch ein spezielles Werk bezeichnet, zum Beispiel ein Schreiben oder die Bibel (Heilige Schrift). Vergleiche: Inschrift


Schrift steht in der Typografie verkürzt für Schriftart und bezeichnet die grafische Gestaltung eines Zeichensatzes.


Inhaltsverzeichnis


1 Definition

2 Entwicklung

3 Schriftklassifikation

4 Verweise

5 Literatur

6 Weblinks


Definition

Man unterscheidet:




Alphabet- und Silbenschriften sind mehr oder weniger phonologisch, also lautbasiert. Logogramm- oder Ideogramm-Schriften sind hingegen eher bedeutungsbasiert: das Schriftzeichen entspricht eher einer bestimmten Bedeutung als einem bestimmten Laut. Beispiele für eine solche Schrift sind die arabischen Ziffern (1,2,3._..), mathematische Symbole, Verkehrszeichen, Piktogramme, Gefahrensymbole. Diese sind international verständlich.


Bei den Alphabetschriften unterscheidet man zwischen Alphabetschriften im engeren Sinne und Konsonantenschriften, bei denen nur die Konsonanten bezeichnet werden. Bei ersteren kann man noch zwischen solchen unterscheiden, in denen jeder Laut ein gleichberechtigtes Zeichen erhält, wie in der lateinischen Schrift, und solchen, in denen Vokale als obligatorische Hilfszeichen von Konsonanten auftauchen, wie in indischen Schriften. Diese sind also in gewisser Weise das Bindeglied zwischen Alphabetschriften im engeren Sinne und Konsonantenschriften, in gewisser Weise auch zu den Silbenschriften.


Manche Sprachen nutzen gemischte Schriften, die Züge von zwei oder allen drei Schriftsystemen haben, oder mehrere Schriften nebeneinander.


Eine Besonderheit bilden die Geheimschriften, die zur verschlüsselten Informationsübertragung verwendet werden.


Entwicklung

Vor der Entwicklung der Schrift war Jahrtausende lang die mündliche Überlieferung von wesentlichen Inhalten üblich. Sie barg schon immer gewisse Risiken in sich. Eine mögliche Sinnentstellung des ursprünglichen Quelleninhaltes und das Weglassen oder Hinzufügen von Inhalten sind in der mündlichen Vermittlung des jeweils einzelnen Erzählers immanent enthalten. Psychologische, soziale und kulturelle Faktoren spielen bei der mündlichen Überlieferung eine wesentliche Rolle. Weltweit wurden seit jeher überlebenswichtige Informationen, aber auch geheimes Wissen, Rituale, Mythen, Legenden und Sagen mündlich weitergegeben (wie u.a. die Geschichte von der großen Sintflut), die einen ähnlichen Kern aufweisen, in ihren Details aber beträchtlich voneinander abweichen können.


Auch heute noch existieren Kulturen, in denen die mündliche Überlieferung von Traditionen und Wissen üblich ist. Bei den Aborigines in Australien steht das mündliche Zeugnis sogar im Vordergrund, obwohl sie in engem Kontakt mit einer schreibenden Kultur stehen. Die wortwörtliche Wiedergabe an nachfolgende Generationen, trägt dazu bei, eigene Kultur und Werte zu bewahren, und charakterisiert zugleich eine Besonderheit dieser Kultur.


Gemeinsam mit der Fähigkeit des Lesens bilden Schreiben, Schrift und Rechnen die Grundlage von Tradition, Kultur und Bildung durch die mittelbare Weitergabe von Wissen.


Die Erfindung der Schrift gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation, da sie die Überlieferung von Wissen und kulturellen Traditionen über Generationen hinweg erlaubt, und deren Erhaltung (je nach Qualität des beschrifteten Materials) über einen langen Zeitraum garantiert.


Alle bekannten Hochkulturen (Sumer, Ägypten, Indus-Kultur, Reich der Mitte, Amerika) werden mit der Verwendung der Schrift in Verbindung gebracht.


Traditionell wird Sumer als die Kultur genannt, in der die Schrift erstmals verwendet wurde. Kontrovers diskutiert werden dazu die spärlichen Schriftzeugnisse der (auch alteuropäische bzw. Donau-Kultur), die auf das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert werden.


Die ägyptischen Hieroglyphen werden oft als importierte Idee angesehen; neuere Funde von Günter Dreyer in Ägypten stellen diese Lehrmeinung allerdings in Frage, und vermuten eine eigenständige Erfindung. In China und Mittelamerika (Maya) wurde die Schrift ebenfalls unabhängig entwickelt.


Andere Ausprägungen der Schrift sind meistens direkte Übertragungen von einer Kultur zu einer anderen (etwa die Entwicklung des lateinischen aus dem griechischen Alphabet).


In einigen Fällen hat die Beobachtung, dass eine fremde Kultur eine Schrift besitzt, die Entwicklung einer eigenen Schrift bewirkt (die Silbenschrift der Cherokee).


Der uns heute bekannten Schrift gehen Felszeichnungen, z. B. in der Höhle von Lascaux, vor ca. 20 000 Jahren voraus. Seit Zehntausenden von Jahren benutzen Menschen Zeichen oder Bilder, um Botschaften zu hinterlassen. Von Schrift kann aber erst gesprochen werden, als ein festgelegtes Zeichensystem zum Ausdruck für verschiedene Informationen zur Verfügung steht. Bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum), wurden Steine mit geometrischen Linien hergestellt, von denen die Forschung mit einiger Gewissheit sagt, dass sie zum Zählen dienten. Diese Steine wurden entsprechend lateinisch calculi" genannt, woraus sich das französische calcul" (Rechnen, Rechnung) und das deutsche kalkulieren ableiten.


Schriftklassifikation

Die Schriftklassifikation ist in DIN 16518 beschrieben. Danach gibt es folgende Einteilung der Schriftarten:


  • Venezianische Renaissance-Antiqua
  • Französische Renaissance-Antiqua
  • Barock-Antiqua
  • Klassizistische Antiqua
  • Serifenbetonte Linear-Antiqua
  • Serifenlose Linear-Antiqua
  • Antiqua-Varianten
  • Schreibschriften
  • Handschriftliche Antiqua
  • Gebrochene Schriften
  • Fremde Schriften


Die Schriftklassifikation entspricht dabei der historischen Entwicklung und berücksichtigt besonders detailliert die im deutschen und westeuropäischen Sprachbereich üblichen lateinischen Schriften. In anderen Ländern gibt es vergleichbare Einteilungen.


Verweise

  • Portal Schrift



Literatur

Eine besondere Herausforderung stellt die Entzifferung alter Schriften dar. Oft gelingt sie, wenn ein Text mit Übersetzungen gefunden wird, oder wenn man die Sprache oder einen Dialekt der Sprache kennt. Viele Schriften konnte man entziffern, eine Reihe geben aber noch Rätsel auf.


  • Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1983, ISBN_3-520-45201-4
  • Florian Coulmas: The Blackwell Encyclopedia of Writing Systems, Blackwell, New York, 1996, ISBN_0-631-21481-X
  • Werner Ekschmitt: Das Gedächtnis der Völker. Hieroglyphen, Schriften und Schriftfunde, Heyne, München 1980, ISBN_3-453-01058-2
  • Ernst Doblhofer: Die Entzifferung alter Schriften und Sprachen, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1993, ISBN_3-15-008854-2
  • Carl Faulmann: Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und Völker, Weltbild, Freiburg 2003 (Reprint von 1898), ISBN_3-8289-0799-7
  • Karoly Földes-Papp, Vom Felsbild zum Alphabet - die Geschichte der Schrift von ihren frühesten Vorstufen bis zur modernen lateinischen Schreibschrift, Chr. Belser Verlag, Stuttgart, 1966, ISBN_3-811-20007-0
  • Harald Haarmann: Geschichte der Schrift, C. H. Beck, München 2002, ISBN_3-406-47998-7
  • Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift, Campus Verlag, Frankfurt/Main; New York 1990, ISBN_3-593-34346-0
  • Hans Jensen: Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart. 1987(Reprint). ISBN_3326002327
  • Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache. Tafeln und Texte, München 1985, ISBN_3-423-03025-9
  • Andrew Robinson: Die Geschichte der Schrift. 2004. ISBN: 3491961297


Weblinks



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