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Schöpfungsglaube

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Der Schöpfungsglaube bezeichnet den Glauben an die Erschaffung der Welt, der Naturobjekte und -prozesse, des Lebens und des Menschen durch übernatürliche Kräfte, Wesen oder Götter.


Dabei muss unterschieden werden zwischen verschiedenen Schöpfungsakten:


Handelt es sich nur um den Urknall oder ähnliche Konzepte, an denen ein Schöpfungsakt stattgefunden haben soll?


Oder werden darunter weitere Schöpfungsakte verstanden, z. B.




Inhaltsverzeichnis


1 Ursprüngliche Stufen der Vorstellungen

2 Christlicher Schöpfungsglaube

3 Kritik des Schöpfungsglaubens

4 Literatur

5 Weblinks


Ursprüngliche Stufen der Vorstellungen

In vorwissenschaftlicher Zeit bildet sich meistens zunächst ein Schöpfungsmythos, also eine meist mythische Beschreibung der Erschaffung des Universums, der Sonne, des Mondes, des Lebens, des Menschen, bestimmter Gegenstände usw.


Der Schöpfungsglaube existiert in außerordentlich vielfältigen Formen in fast allen Religionen, welche überhaupt einen Schöpfungsakt kennen. So wird die Schöpfung des Menschen häufig als Betätigung eines Töpfers (Chnum in Ägypten), eines Schmiedes (Tvashtar in Indien), einer Weberin (Neith in Ägypten) u. a. dargestellt.


Christlicher Schöpfungsglaube

Im Christentum wird meist die Erschaffung des Universums aus dem Nichts durch Gott ("creatio ex nihilo") vertreten. Gott soll ferner das erste Leben und den ersten Menschen in gesonderten Schöpfungsakten erschaffen haben.


Ferner wird im Christentum bisweilen die Auffassung vertreten, dass Gott ständig schöpferisch am Werke sei und die Welt nach seinem Willen lenke ("creatio continua"). Der englische Erzbischof James Usher (1581 bis 1656) (1) errechnete anhand biblischer Angaben den Zeitpunkt der Erschaffung der Welt durch Gott, nämlich Sonntag, den 23. Oktober des Jahres 4004 vor der Geburt von Christus.


Papst Pius XII. ging 1951 davon aus, der Schöpfungsakt habe vor fünf Milliarden Jahren stattgefunden. Neuere Theologen datieren den Schöpfungsakt, entsprechend der Urknall-Theorie, schon 10 bis 13 Milliarden Jahre zurück.


Die Schöpfungslehren beruhen in vielen Fällen auf dem reinen Glauben, aber inzwischen bemühen sich auch etliche kreationistische Wissenschaftler um wissenschaftliche Argumentationen, obgleich Anhänger der Evolutionstheorie meist pauschal behaupten, die Schöpfungslehre sei durch wissenschaftliche Aussagen nicht gestützt, sofern sich die Glaubensbekenntnisse nicht an sie anlehnen. (Siehe auch das Buch von J.F. Ashton unter Literatur)


Kritik des Schöpfungsglaubens

Um einen bestimmten Schöpfungsglauben kritisieren zu können, muss zunächst geklärt sein, welche Schöpfungsakte in ihm enthalten sind, also nur ein einzelner Schöpfungsakt (etwas der Urknall), oder auch Schöpfungsakte wie die Erschaffung der erlebten Umwelt (Sonne, Erde, Mond), des Lebens, und/oder des Menschen.


Sowohl aus naturwissenschaftlicher Sicht wie auch nach den meisten Schöpfungsmythen haben diese Ereignisse alle zu einem anderen Zeitpunkt stattgefunden, allerdings differieren die angegebenen Zeiträume beträchtlich. (z. B. sieben Tage vs. 13 Milliarden Jahre)


Alle Ereignisse nach dem Urknall sind aus naturwissenschaftlicher Sicht ohne Einwirkung einer höheren Macht erklärbar.


Vertreter einer wissenschaftlichen Weltauffassung kritisieren ferner, dass der Schöpfungsglaube auch im Widerspruch zu den Erhaltungssätzen der Naturwissenschaften und zu den Prinzipien der Kausalität der materiellen Prozesse, d. h. Ursache und Wirkung stünden.


Vertreter eines neuzeitlichen Schöpfungsglaubens entgegnen hier jedoch, dass der Schöpfungsakt ja auch die Schaffung all jener Naturgesetze gewesen sein könne, auf denen die momentan akzeptierte Theorie der Entstehung des Universums beruht; auch sei die Ursache der heute vorherrschenden kosmologischen Theorie, des Urknalls, noch keineswegs naturwissenschaftlich erklärt. Weiterhin gehen sie häufig von (wissenschaftlich nicht-nachweisbaren) Eingriffen in die bekannten oder angenommenen Ereignisse aus; denn schließlich wäre es ja durchaus auch denkbar, dass Ereignisse anders verlaufen wären. Die Entwicklung der Säugetiere zum Menschen wäre beispielsweise mit Sicherheit anders verlaufen, beziehungsweise wäre es dazu eventuell gar nicht gekommen, wären die Dinosaurier nicht oder wesentlich später ausgestorben.


Eine andere theologische Erklärung dafür, dass die Entwicklung so verlief, wie sie verlief, ist der Determinismus, bei dem sämtliche Ereignisse bereits vor dem Entstehen der wissenschaftlich erkennbaren Ereignisse genau vorherbestimmt waren; somit ist nur ein einzelner Schöpfungsakt notwendig.


Jene Vertreter der heutigen Religionen, welche die allgemein anerkannten wissenschaftlichen Theorien anerkennen, betrachten deshalb heute die Schöpfungsmythen als eine Glaubensdarstellung, die sich nicht in grundlegendem Widerspruch zu wissenschaftlichen Theorien befinden muss, sondern lediglich eine vorwissenschaftliche Sicht auf wissenschaftlich belegbare Vorgänge ist. Seltener werden sie als in der religiösen Substanz als eher nicht sehr bedeutend oder als unwesentlich bewertet. Von einem Schöpfungsakt als solchem gehen jedoch nahezu alle Religionen weiterhin aus, welche überhaupt einen Schöpfungsakt kennen.


Im Gegensatz dazu gehen fundamentalistische Glaubensrichtungen davon aus, dass sich die Wissenschaft im Irrtum befinde und der jeweilige Schöpfungsmythos faktisch korrekt sei.


Siehe auch: Emergenz, Hominisation, Evolutionstheorie, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube, chemische Evolution, Urknall, Gott, Geologische Zeitskala, Kreationismus


Literatur

  • John F. Ashton (Hrsg.): Die Akte Genesis. Warum es 50 Wissenschaftler vorziehen, an die Schöpfung in 6 Tagen zu glauben, Schwengeler Verlag, 2001, ISBN_3-85666-452-1


Weblinks



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