Kyrill, auch Cyril, (* ca. 826/827; † 14. Februar869), der jüngere und anfangs bedeutendere der beiden wichtigsten Missionare im slawischen Raum - Kyrill und Method -, hieß eigentlich Konstantin bzw. Konstantinos und nahm den Namen Kyrill erst an, als er kurz vor seinem Tod in Rom in ein griechisches Kloster eintrat.
Kyrill und Method wurden im 9. Jahrhundert in als Konstantin und Michael in Saloniki geboren. Ihr Vater war ein byzantinischer Beamter, ihre Mutter gehörte zu der slawischen Bevölkerungsgruppe, die damals in der Umgebung von Saloniki sowie in ganz Makedonien die Mehrheit der Bevölkerung stellten. Konstantin, dessen Begabung dem byzantinischen Staatskanzler Photius auffiel, schlug die ihm angebotene Beamtenkarriere aus und widmete sich der Gelehrsamkeit. Er war Dichter und Schriftsteller, lehrte an der Hochschule in Konstantinopel Philosophie und beteiligte sich an verschiedenen theologischen Disputen.
Nachdem sich der großmährische Fürst Rastislav zuerst erfolglos an den Papst in Rom gewandt hatte, bat er den byzantinischen Kaiser 862 um einen "Bischof und Lehrer", der die Leute in der Sprache des Volkes im christlichen Glauben unterweisen konnte.
Konstantin, der zuvor schon bei den Chasaren auf der Krim als Missionar tätig gewesen war, erklärte sich auf Zureden von Kaiser Michael III. und Patriarch Photius I. dazu bereit.
863 oder 864 (laut Tradition am 5. Juli863) kamen Konstantin und Method in Großmähren an. Sie brachten ihre ersten Übersetzungen mit, das Symbol des byzantinischen Doppelkreuzes (das heute im slowakischen Staatswappen steht) sowie die Reliquien eines der ersten Päpste, des Heiligen Klemens, die Konstantin seinerzeit 860 in Cherson aufgefunden hatte.
863 hat Konstantin die so genannte "Großmährische Akademie" gegründet, in der künftige slawische Priester und Verwaltungskräfte ausgebildet wurden, und die zum Zentrum der slawischen Literatur wurde. 885 hatte sie etwa 200 Absolventen. Ihre Lage ist leider unbekannt, aber archäologischen Funden zufolge gab es eine kirchliche Schule an der Burg Devín im heutigen Bratislava.
Begleitet von seinem Bruder Method missionierte Konstantin mehrere Jahre lang in Großmähren. Von Anfang an hatten sie - als Vertreter des östlichen, griechisch-byzantinischen Christentums - gegen die Kritik der bayerischen Priester in Großmähren zu kämpfen, die - als Vertreter des westlichen, lateinischen Christentums - ihren Einfluss schrumpfen sahen und behaupteten, dass der Gottesdienst nur in den drei Sprachen abgehalten werden dürfe, die die Pilatus-Inschrift auf dem Kreuz von Jesus enthält (Latein, Griechisch, Hebräisch),
Da Großmähren in den Einflussbereich Roms gehörte, gingen die beiden Brüder 867 mit der Zustimmung der großmährischen Herrscher Rastislav (heutiges Mähren) und Sventopluk (Neutraer Fürstentum (heutige Slowakei) nach Rom, um die Zustimmung des Papstes zur Liturgiesprache Altkirchenslawisch zu erhalten. Sie nahmen dabei auch einige Schüler mit, die zu Priestern geweiht werden sollten.
Auf dem Weg nach Rom machten sie im Sommer einen kurzen Halt im Plattensee-Fürstentum des Fürsten Kocel und unterrichteten auch dort einige Schüler. Im Herbst 867 kamen die Brüder und ihre Schüler in Venedig an, wo sie vor einer Versammlung von Priestern die Verwendung des Altkirchenslawischen als Liturgiesprache zu verteidigen hatten. In Venedig erhielt Konstantin die offizielle Einladung des Papstes Nikolaus I. nach Rom. Dies geschah wohl, weil er die oben erwähnten Reliquien von Klemens I. mit sich trug und weil er Freunde in Rom hatte (Bischof Arsenius).
Im Winter 867 wurden sie vom (neuen) Papst Hadrian II. feierlich empfangen und ihre gesamte Mission in Großmähren wurde gebilligt. Zu Weihnachten wurden sogar die Bibelübersetzungen auf den Altar der St. Peter Basilika in Rom und die Übersetzungen der liturgischen Texte auf den Hauptaltar der Maria Maggiore Basilika feierlich gelegt, um so symbolisch deren Akzeptanz seitens Roms zu zeigen. Im Februar 868 wurde Method und drei Schüler (der aus der heutigen Slowakei stammende Gorazd und die Südslawen Kliment und Nahum) in Rom zu Priestern geweiht und zwei von ihnen wurden zu Diakonen gemacht.
Im März 868 wurde schließlich die slawische Liturgiesprache (Altkirchenslawisch) zugelassen, als vierte Sprache in der Westkirche. Dies war ein überaus bedeutendes Ereignis, da erst im 20. Jahrhundert (d.h. mehr als 1000 Jahre später) wieder eine Liturgiesprache außer Latein, Griechisch und Hebräisch von Rom zugelassen wurden. Kurz nach dem Tod von Method wurde die slawische Kirchensprache jedoch von Papst Stephan II. wieder verboten.
Ende 868 erkrankte Konstantin in Rom, wurde Mönch in einem Kloster, wo er auch wahrscheinlich den Namen Kyrill (Kyrillos) annahm, und starb im Februar 869. Er wurde in der St. Klemens Basilika in Rom begraben. Umstritten bleibt die Behauptung des Dokumentes Translatio, dass Konstantin noch zum Bischof geweiht wurde.
Werke
Konstantin entwickelte eigens für die Mission das erste slawische Alphabet, die Glagolitische Schrift (Hlaholica, Glagolica), den Vorläufer der heute nach ihm benannten kyrillischen Schrift.
Noch im Byzantinischen Reich übersetzten Konstantin und Method einige liturgische und biblische Texte ins Altkirchenslawische.
Für seine Mission übersetzte Konstantin das Neue Testament in eine Sprache, die er - vermutlich aus dem ihm am nächsten stehenden slawischen Dialekt - auch erst konstruieren musste und die heute als Altkirchenslawisch bekannt ist. Ursprünglich war es ein in der Saloniki-Region verwendete slawische (makedonischer) Dialekt, aber während der großmährischen Mission hat er viele Elemente der in diesem Gebiet gesprochenen westslawischen Dialekte angenommen. So enthält auch die damalige Version der Glagolica einen Buchstaben (Laut dz), der damals nur in den Dialekten auf dem Gebiet der heutigen Slowakei verwendet wurde. Da die slawischen Sprachen damals noch sehr ähnlich waren, wählte Konstantin das so genannte Altkirchenslawische als die während seiner großmährischen Mission zu verwendende Sprache aus.
Während der Mission in Großmähren übertrugen sie dann die ganze Bibel ins Altkirchenslawische, aber auch eine Gesetzessammlung und liturgische Texte. Sie gelten damit als Begründer der slawischen Literatur.
Konstantins Übersetzungen zeigen vom sprachlichen her ein ähnliches schöpferisches Genie wie die Bibelübersetzung Luthers und haben für das Slawische eine vergleichbare Bedeutung wie Luthers Bibelübersetzung für das Deutsche.
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