Unter Säkularisation versteht man im Allgemeinen die Überführung kirchlicher Besitztümer in weltliche Hände. Als Begriff für die Enteignung von Kirchengut fiel das Wort Säkularisation wahrscheinlich zum ersten Mal am 8. Mai1646, und zwar bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster durch den französischen Gesandten Henri de Longueville. Dieser bezeichnete mit secularisatio die Einziehung geistlicher Güter durch eine weltliche Obrigkeit und deren Verwendung zu weltlichen Zwecken.
Meist wird von Säkularisation aber im Zusammenhang mit der Auflösung von Kirchengütern in Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 gesprochen, der auf die militärischen Erfolge Napoléon Bonaparte zurückgeht. Diese Säkularisation ist die umfassendste, die bislang stattfand. Beinahe alle geistlichen Reichsstände wurden aufgelöst, und annähernd 95.000 km2, auf denen mehr als 3 Millionen Menschen lebten, wechselten ihren Besitzer.
Durch die Verschiebung der französischen Ostgrenze mussten deutsche Staaten ihre linksrheinischen Gebiete abgeben. Als Entschädigung dafür wurden ihnen im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 die kirchlichen Reichsstände und die Reichsstädte zugeschlagen.
Artikel 35 des Reichsdeputationshauptschlusses ging über die reine Entschädigung sogar hinaus und räumte allen deutschen Fürsten ein Dispositionsrecht an Klöstern und Stiften auf ihrem Herrschaftsgebiet ein. Das erlaubte es auch Herrschern, die keinen Territorialverlust erlitten hatten, kirchliche Güter zu ihren Gunsten einzuziehen.
Dementsprechend muss man unterscheiden zwischen der Säkularisation, bei der geistliche Staaten annektiert wurden, und der Säkularisation als Aufhebung und Einziehung von Kirchengütern.
Politische Folgen
Insbesondere profitierten der König von Preußen, der Kurfürst von Bayern, der Herzog von Württemberg, der Markgraf von Baden und der Landgraf von Hessen-Darmstadt von der Säkularisation. Allein in Baden vervierfachte sich die Fläche des Landes, die Zahl der Einwohner verfünffachte sich. Württemberg konnte seine Fläche und Einwohnerzahl immerhin verdoppeln.
Die enteigneten Klöster wurden teils als Staatsgebäude (z.B. Gefängnisse) übernommen, teils meistbietend an Unternehmer versteigert. Vor allem das weltliche Dienstpersonal im Kloster sowie die unmittelbar vom Kloster abhängigen Handwerker und Gewerbetreibenden verloren ihre Arbeitsplätze und gerieten in eine bedrohliche Armut. Wertvolle Kunstbestände und Archivalien wurden verstreut oder durch unsachgemäße Behandlung zerstört.
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