Die Berliner S-Bahn ist die älteste S-BahnDeutschlands. Sie basiert auf einem System von Vorortzügen, die seit 1882 auf der Berliner Stadt- und Ringbahn, sowie weiteren Vorortstrecken zunächst mit Dampfbetrieb auf überwiegend eigenen, vom Fernverkehr getrennten Gleisen fuhren. Nach mehrjährigen Vorarbeiten ging am 8. August1924 die erste elektrifizierte Strecke, Stettiner Bahnhof (heute Berlin Nordbahnhof) nach Bernau, in den Regelbetrieb. Ab dem 1. Dezember1930 erhielten die auf den verschiedenen Strecken verkehrenden Berliner Vorortbahnen die aus dem Wort Stadtbahn abgeleitete Kurzbezeichnung S-Bahn. Eigentlich handelt es sich aber terminologisch korrekt um eine Stadtschnellbahn und nicht um eine Stadtbahn.
Die Berliner S-Bahn wurde von der Deutschen Reichsbahn betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg behielt die Deutsche Reichsbahn (DR) der DDR das Gesamt-Berliner Streckennetz. So wurde die S-Bahn zur Zielscheibe des Unmuts vieler West-Berliner, als die DDR-Führung 1961 die Mauer baute. Politiker und Gewerkschaften riefen zum S-Bahn-Boykott auf mit Parolen wie »Der S-Bahn-Fahrer zahlt den Stacheldraht« oder »Keinen Pfennig mehr für Ulbricht«. Im Laufe der folgenden Jahre gingen die Fahrgastzahlen deutlich zurück. Ungeachtet dessen fuhr die S-Bahn weiter in West-Berlin, teilweise auf ihren Westlinien auch unter Ost-Berliner Gebiet durch Geisterbahnhöfe.
In Ost-Berlin blieb die S-Bahn dagegen das wichtigste Verkehrsmittel. Dort wurde auch eine neue Baureihe konstruiert, die heute unter der Baureihen-Bezeichnung 485 im Einsatz ist. Im Ostteil der Stadt wurde das Streckennetz weiter ausgebaut, unter anderem mit den Streckenabschnitten:
Im September 1980 plante die DR deutliche Einschnitte im West-Berliner Netz. Dies führte zu einem Streik der dortigen Beschäftigten, der jedoch erfolglos beendet wurde. Auf der Hälfte der Strecken wurde der Betrieb eingestellt. Am 9. Januar1984 übernahm die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) im Auftrag des West-Berliner Senates das inzwischen stark heruntergekommene Streckennetz West-Berlins. Die Fahrgastzahlen stiegen wieder stark an. Im Auftrag der BVG wurden neue S-Bahn-Züge konstruiert, die heute unter der Baureihen-Bezeichnung 480 auf dem Berliner S-Bahn-Netz unterwegs sind.
Nach dem Mauerfall wurden viele Anstrengungen unternommen, das Streckennetz in Westberlin wieder vollständig in Gang zu bringen. Seit 1994 betreibt die Deutsche Bahn-Tochter S-Bahn Berlin GmbH das Gesamtnetz. Heute verkehren in und um Berlin auf 14 Linien moderne Stromschienen-Gleichstromtriebwagen, die vor kurzem noch fahrende Triebzüge aus den 1920er und 1930er Jahren ablösten. Die Streckenlänge beträgt 325 km.
Bei der Berliner S-Bahn wird, auch wenn schon ein Großteil des Netzes in Betrieb ist, weiterhin viel gebaut, saniert und auch eröffnet. Ziel ist es letztendlich nach einem Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses das S-Bahnnetz vom Jahr 1961 wiederherzustellen. Dies ist jedoch nur symbolisch gemeint, da schon viele Bauvorhaben über dies hinausgehen bzw. abweichen. Bauvorhaben für die nächsten Jahre sind vorrausichtlich diese:
Baureihe ET 168 (Bauart »Oranienburger«, im Einsatz 1928 bis 1962)
Baureihe ET 169 (Bauart »Bernau«, im Einsatz 1924 bis 1962)
Baureihe ET 170 (2 Bauartmuster, im Einsatz 1959 bis 1974)
Unfälle
24. September1989: Im Bahnhof Bernau fährt morgens um 5 Uhr ein Zug über den Prellbock. Das Fahrgestell des ersten Wagens stürzt in das Bahnhofsgebäude.
10. August2004: Im Anhalter Bahnhof gerät ein S-Bahnwaggon der Baureihe 480 in Brand und brennt vollständig aus. Nur durch Eingreifen der S-Bahnangestellten kann eine Katastrophe verhindert werden.
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