Russland (russisch Россия), offiziell Russische Föderation (russisch Российская Федерация ), ist der flächenmäßig größte Staat der Erde. Sein Gebiet umfasst große Teile von Osteuropa und Nordasien. Der alte ostslawische Name für das Gebiet des europäischen Russlands war Rus (siehe Kiewer Rus), der davon abgeleitete mittelalterliche lateinische Name war Ruthenia, in latinisierter slawischer Version Russia (ab dem frühen 18. Jahrhundert Rossija).
Wörtlich übersetzt bedeutet Rossijskaja Federazija ‚Russländische Föderation‘ (von Rossija ‚Russland‘). Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija (‚Russische Föderation‘) als Staatsbezeichnung gewählt, um auch die nicht-russischen Ethnien einzubeziehen. Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede, spricht man daher im Russischen von russkij (m)/russkaja (f)/russkoje (n) ( ‚russisch‘). Ist dagegen von den Staat Russland betreffenden Sachverhalten die Rede, verwendet man das Adjektiv rossijskij (m)/rossijskaja (f)/rossijskoje (n).
Ab dem 8. Jahrhundert befuhren schwedischeWikinger die osteuropäischen Flüsse, gründeten Städte und Siedlungen und vermischten sich mit der slawischen Vorbevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates, der "Kiewer Rus" mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im südlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingeströmten Turkvölker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden, mit denen die Rus Handel trieben, aber auch mehrfach Kriege führten. Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich führten schließlich 988 zur orthodoxenChristianisierung der Kiewer Rus.
An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter der Große das archaische russische Reich westeuropäischen Einflüssen und förderte Wissenschaft und Kultur. Zarin Katharina die Große ging Peters Weg weiter und betrieb konsequent Expansionspolitik, im Laufe derer sie die Schwarzmeerküste von den Türken eroberte (siehe Türkenkriege) und sich an den Polnischen Teilungen beteiligte. 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau, wurden schließlich jedoch vernichtend geschlagen. Bald darauf zog Zar Alexander I. als "Retter Europas" in Paris ein. Russland war nun die führende Macht in Europa und erlebte ein goldenes Zeitalter.
Ab 1825 gab es im unzufriedenen Volk und bei der Intelligenzija immer wieder Unruhen und Attentate (siehe Dekabristen), und in den 1860er Jahren kam es endlich zur Aufhebung der Leibeigenschaft. Trotz erheblicher Industrieproduktion (Stahl, Kohle, Öl, Militärbedarf) geriet Russland immer mehr ins Hintertreffen gegenüber den westeuropäischen Großmächten. Die Industrialisierung drang nicht in die ländlichen Provinzen des Riesenreichs vor, und mangelnde Infrastruktur, die Armut der Arbeiter und Bauern und die fehlende Demokratisierung bereiteten große Probleme, wie das Zarenreich erstmals im Krimkrieg und schließlich 1905 bei der Niederlage gegen Japan schmerzlichst erfahren musste. Allerdings war Zar Nikolaus II. anscheinend unfähig aus diesen Fehlern zu lernen, wirkliche Reformen blieben aus. Ein weitgehend funktionsloses Parlament, die Duma, das er notgedrungen genehmigt hatte, ließ er kurze Zeit später wieder auflösen.
Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfasste das Land neuerlich eine patriotische Welle. Die anfänglichen Erfolge, vor allem gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich, wurden jedoch bald abgelöst von einem zermürbenden Stellungskrieg, bis schließlich 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung und die desolate Versorgungslage waren die Ursachen, und der Zar wurde zum Abdanken gezwungen. Eine bürgerliche Regierung unter Kerenski kam an die Macht, der bald darauf die von Lenin und den Bolschewiki initiierte Oktoberrevolution ein Ende machte. Im darauf folgenden Bürgerkrieg zwischen roten und weißen Kräften, der Millionen Menschen das Leben kostete, gingen die Kommunisten als Sieger hervor. Im Laufe des Bürgerkriegs verlor Russland 1920 Teile Weißrusslands und der Ukraine (="Ostpolen") an Polen. Aus Russland wurde unter Einbeziehung der vorherigen russischen Kolonie Sibirien die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR), die den wichtigsten Teil der Sowjetunion darstellte.
Am 30. Dezember1922 wurde der Zusammenschluss aller sowjetischen sozialistischen Republiken zur UdSSR beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als Eigentümer von Boden und Produktionsmitteln erklärt. Lenins Tod am 21. Januar1924 führte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, im dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Stalin festigte seine Macht durch gezielten Terror gegen seine Widersacher. Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft 5-Jahresplänen unterworfen, die Industrialisierung und Infrastruktur, speziell im asiatischen Teil des Landes, vorangetrieben und die Landwirtschaft kollektiviert.
Russland hat im Jahre 1991 als größte ehemalige Sowjetrepublik das Erbe der Sowjetunion angetreten. Siehe hierzu auch Auflösung der UdSSR.
Unter Boris Jelzin befand sich Russland in einer sehr unstabilen Phase des wirtschaftlichen Niedergangs. Nach dem Amtsantritt Wladimir Putins 2000 stabilisierte sich die politische und wirtschaftliche Lage jedoch. Ein international beachteter Konfliktherd blieb jedoch die Situation in der abtrünnigen Republik Tschetschenien.
Große Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern geprägt. Die vier Klimastationen Moskau, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Bomnak liegen alle etwa auf 55° nördlicher Breite von West nach Ost. An ihnen lässt sich die zunehmende Kontinentalität mit immer ausgeprägteren Differenzen zwischen dem wärmsten und kältesten Monat des Jahres gut erkennen. Im Nordosten Sibiriens liegt der Kältepol der Nordhalbkugel.
Die Klima- und Vegetationszonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel, so dass stark schematisiert folgende Nord-Süd-Abfolge entsteht:
Die höchste Ebene der Verwaltung sind sieben Föderationskreise. Diese teilen sich wiederum auf in 89 Subjekte der Verwaltung mit unterschiedlicher Autonomie: 21 autonome Republiken, 6 Regionen (Krajs), 49 Oblaste, 2 Städte mit Subjektstatus, 1 Autonomes Gebiet und 10 autonome Kreise.
Russland bildete früher die mit Abstand größte und in jeder Hinsicht dominierende Teilrepublik der Sowjetunion und ist seit deren Auflösung im Dezember 1991 unabhängig. Mit Zustimmung der restlichen ehemaligen Sowjetrepubliken ist Russland Rechtsnachfolger der ehemaligen Sowjetunion. Nach einer Ära der Unsicherheit gewann Wladimir Putin im März 2000 die Präsidentschaftswahlen mit 52,94 Prozent der Stimmen. Ausgestattet mit einer großen Machtfülle stabilisierte er das Land, allerdings oft auf Kosten der Meinungs- und Pressefreiheit. Russland ist mit Weißrussland in der Russisch-Weißrussischen Union verbunden. Mit Weißrussland, Armenien, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan bildet Russland ein militärisches Verteidigungsbündnis, der so genannte Rat für kollektive Sicherheit.
Im März 2004 kam es kurz vor den Präsidentschaftswahlen zu einer Neubildung der russischen Regierung. Präsident Wladimir Putin ernannte den bisherigen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Sergej Lawrow, zum neuen Außenminister. Der frühere Außenminister Igor Iwanow wurde zum Sekretär des russischen Sicherheitsrates bestellt.
So leben neben den Russen, die mit 81,5% die Mehrheit der Bevölkerung stellen, noch fast 100 andere Völker auf dem Gebiet des Landes. Größere Minderheiten sind die Tataren, die Tschuwaschen, die Baschkiren und andere. Zu den kleineren Minderheiten zählen z.B. die Mescheten.
Für die nicht-russischen Völker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet. Ohne eigene autonome Republik leben 400.000 Polen zerstreut über ganz Russland. In den letzten Jahren erlebt Russland einen Bevölkerungsrückgang. Dennoch ist Russland eines der wichtigsten Einwanderungsländer der Welt. Herkunftsländer sind hierbei v.a. die ärmeren, südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus. Eine bedeutende Rolle unter den Einwanderern spielen Russen, die während der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und nun mit ihren Familien nach Russland zurückkehren.
Mit Abstand wichtigster Verkehrsträger in Russland ist die Eisenbahn, wichtigste Verkehrsachse ist die Transsibirische Eisenbahn. Durch sie und die abzweigenden Strecken wird das Land in West-Östlicher Richtung erschlossen. Zwischen den größten Städten Moskau und Sankt Petersburg pendelt seit wenigen Jahren ein Hochgeschwindigkeitszug.
Der Straßenverkehr hat vor allem im europäischen Teil Russlands Bedeutung für den Regionalverkehr innerhalb der Föderationssubjekte, der Luftverkehr ist in den nördlichen Gebieten wichtig, in denen verkehrsfeindliches Klima und ebensolche Gegebenheiten herrschen. Erst seit kurzem (2003) existiert eine durchgehende Straßenverbindung von der Ostsee zum Pazifik.
Für den Verkehr zwischen dem russischen Kernland und der ExklaveKaliningrad ist der Fährverkehr sowie die Korridor-Eisenbahnverbindung durch Litauen und Weißrussland von Bedeutung.
In einem so großen Land kommt der Luftfahrt eine besondere Bedeutung zu. Mehrere internationale Fluggesellschaften fliegen außer Moskau auch andere russische Städte an, innerrussische Verbindungen werden allerdings immer noch häufig von der Aeroflot angeboten. Es gibt heute auch noch andere russische Fluggesellschaften, so zum Beispiel Pulkovo oder KMV.
Seit einigen Jahren geht es aber mit diesem Industriezweig wieder bergauf, nachdem sich die russischen Erzeugnisse als einfacher und preiswerter als westliche Konkurrenzprodukte profilieren konnten und so Märkte v.a. in der GUS wiedererschlossen wurden und neue Märkte in Asien gefunden wurden. Einer der wichtigsten Handelspartner ist Deutschland, das unter anderem den Großteil seines Erdölbedarfs aus Russland bezieht.
Wirtschaftliche Rahmendaten
Seit dem Machtantritt Präsident Putins erlebt Russland eine wirtschaftliche Erholung mit einem Wachstum, das seit dem Jahr 2000 weit über dem der EU-Länder liegt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Halbjahr 2004 gegenüber der gleichen Zeitspanne 2003 um 7,4 Prozent. Die Investitionen hatten sich um 12,6 Prozent und das Realeinkommen der Bevölkerung um 9,8 Prozent vergrößert. Die Verbraucherpreise stiegen um 6,1 Prozent.
Der "Fall Jukos"
Für weltweites Aufsehen sorgte im Jahr 2004 der "Fall Jukos". Der Geschäftsführer des mächtigen privaten Ölkonzerns wurde wegen Steuervergehen inhaftiert. Die russische Regierung fordert Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe. Während Kritiker von Russland dem Land vorwerfen, man wolle den neuen Machtfaktor Privatwirtschaft brechen und daran ein Exempel statuieren, wenden Befürworter ein, es könne nicht angehen, dass Jukos dem Staat die Steuern nicht zahlt, außerdem sei der Konzern mit mafiösen Strukturen entstanden.
Russland ist wie Deutschland ein Land der Dichter, Denker und Komponisten. In Russland werden die großen Schriftsteller und Komponisten verehrt wie Ikonen und Propheten.
Teetrinken hat in Russland Tradition, was wie bei den Engländern auf die alten Handelsbeziehungen mit dem Orient und Asien zurückgeht. Wahrscheinlich lernten die Russen den Tee schon durch die Chasaren kennen. Daher auch das turksprachige Wort für "Tee" in der russischen Sprache: Tschai.
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