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Ruhr (Fluss)

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[Bild extern:] Die Ruhr bei Bochum


Die Ruhr (nicht zu verwechseln mit der Rur) ist ein Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen, Deutschland.


Sie entspringt rund drei Kilometer nordöstlich von Winterberg und rund eineinhalb Kilometer nordwestlich von Elkeringhausen im Hochsauerland. Ihr Quellgebiet liegt etwa auf der Rhein-Weser-Wasserscheide, denn die Orke, die etwas weiter östlich entspringt, fließt über die Eder und die Fulda in die Weser.


Nach der Gesamtlänge von 217 Kilometer und einem auf weiter Strecke Ost-West-Verlauf mündet sie bei Duisburg-Ruhrort in den Rhein. Sie durchfließt dabei die Gemeinden beziehungsweise Städte Winterberg, Olsberg, Bestwig, Meschede, Arnsberg, Ense, Wickede (Ruhr), Fröndenberg, Menden (Sauerland), Holzwickede, Iserlohn, Schwerte, Dortmund, Hagen, Herdecke, Wetter (Ruhr), Witten, Bochum, Hattingen, Essen, Mülheim an der Ruhr und Duisburg.


Inhaltsverzeichnis


1 Geologie und Wasserwirtschaft

2 Bedeutung

  2.1 Transportweg

  2.2 Energielieferant

  2.3 Wasserversorgung

  2.4 Erholungsraum

  2.5 Natürliche Grenze

3 Literatur

4 Weblinks


Geologie und Wasserwirtschaft

Die Ruhr entspringt in 674 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Die Mündung in den Rhein liegt auf 17 Metern. Die Ruhr ist ein windungsreicher Fluss, der im gebirgigen Hochsauerland eher als Bach erkennbar ist. Das Verhältnis von Hoch- zu Niedrigwasser liegt bei 1:500, was sich aus der Lage im Rheinischen Schiefergebirge erklärt. Dessen Böden können nur sehr wenig Wasser aufnehmen. Mehrere Talsperren im Sauerland dienen der Trinkwassergewinnung, sowie in geringen Maßen der Abflussregulierung. Fünf Flussstauseen zwischen Dortmund und Essen haben für die Regulierung nur eine geringe Bedeutung.


Nebenflüsse der Ruhr sind unter anderem die Hille, die Neger, der Gierskoppbach, die Elpe, die Valme, der Nierbach, die Henne, die Gebke, die Wenne, die Röhr, die Möhne, die Hönne, der Baarbach, der Elsebach, die Lenne und die Volme.


Das Flusstal wird bis kurz vor seiner Mündung beidseitig von Gebirgszügen des Rheinischen Schiefergebirges begrenzt. Nach Norden hin schließen sich jedoch keine weit ausgedehnten Gebirge an, sondern lediglich schmale Höhenzüge, wie der Haarstrang und das Ardeygebirge, die nach Norden hin in die Westfälische Bucht abfallen, so dass das Einzugsgebiet der Ruhr fast nur südlich von ihr liegt und sich die Wasserscheide unter anderem zum Emschersystem in geringer Entfernung vom Ruhrtal direkt nördlich anschließt.


Bedeutung

Transportweg

Die Ruhr ist von der Mündung bis hinauf nach Mülheim an der Ruhr über den Ruhrschiffahrtskanal zur Bundeswasserstraße ausgebaut. Weiter flussaufwärts bis Essen-Rellinghausen ist sie als Landeswasserstraße für Fahrzeuge mit einem maximalen Tiefgang von 1,70 m, einer Länge von höchstens 38 m und einer Breite von bis zu 5,20 m befahrbar.


Bedeutung für den Transport erlangte die Ruhr im 18. Jahrhundert für die Kohle. 1770 veranlasste die preußische Regierung daher eine Studie über einen möglichen Ruhrausbau, der ab 1774 umgesetzt wurde. Zwischen 1780 und 1801 fuhren Schiffe die Ruhr hinauf bis Langschede. In dem kleinen Langscheder Hafen wurden Getreide aus dem Umland und Salz aus Unna-Königsborn verladen. Der nun deutlich vereinfachte Kohlentransport ins Rheinland führte wiederum zu einer höheren Nachfrage. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich jedoch der Transport auf die Eisenbahn, so dass die Ruhr für den Güterverkehr praktisch bedeutungslos geworden ist.


An der Mündung der Ruhr in den Rhein in Duisburg-Ruhrort liegt dennoch der größte Binnenhafen der Welt.


Energielieferant

Die Ruhr wird seit Beginn der Elektrifizierung als Energielieferant genutzt. So gibt es entlang der Ruhr zahlreiche, teils private Wasserkraftwerke, zumeist Laufwasserkraftwerke: zum Beipiel in Wiemeringhausen, Olsberg, Nuttlar, Alfert, Velmede, Eversberg, Heinrichsthal, Stockhausen, Freienohl, Wildshausen, Arnsberg und Westhofen. In Herdecke steht das große Pumpspeicherkraftwerk


Koepchenwerk. Desweiteren wird das Ruhrwasser auch als Kühlwasser für thermische (Kohle-)Kraftwerke genutzt.


Wasserversorgung

Über fünf Millionen Menschen beziehen Trinkwasser aus der Ruhr. Das Wasser wird im Kies und Sand des Flussbetts filtriert und in den Wassergewinnungsanlagen von 20 Wasserwerken gefördert. An einigen Stellen wird das Wasser an den Stauwehren zurückgepumpt, um einen ausreichenden Wasserstand für die Wassergewinnung zu gewährleisten.


Insgesamt werden jährlich etwa 510 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gefördert.


Das Einzugsgebiet der Ruhr, einschließlich ihrer Nebenflüsse, liegt fast vollständig im Bundesland Nordrhein-Westfalen (4.481 von 4.485 km²), ferner auch in Hessen und Rheinland-Pfalz.


Erholungsraum

Auf der Ruhr in ihrer Rolle als Erholungsgebiet findet jedoch nach wie vor Ausflugsverkehr statt. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die Ruhrstauseen Hengsteysee, Harkortsee, Kemnader See, Baldeneysee und Kettwiger See, sowie die Stadt Mülheim an der Ruhr, deren Wasserbahnhof Ausgangspunkt der Weißen Flotte, einer Reihe von Ausflugsschiffen, ist. Die Stauseen sind insbesondere im Sommer ein beliebtes Ziel für die Inline-Skater des Ruhrgebietes.


Entlang der Ruhr führt der Ruhrhöhenweg Wanderer von der Quelle bis zur Mündung.


Die Ruhr hat dem Ruhrgebiet den Namen gegeben. Der größere Teil des Ruhrgebiets liegt allerdings nördlich der Ruhr: Die Kohleflöze der Region treten zwar auch südlich der Ruhr an die Oberfläche und fallen dann nach Norden hin immer tiefer ein, so dass auch die ersten Zechenbauten in der Nähe des Flusses angelegt wurden. Die Ruhr war auch früher schon eher Naherholungsgebiet und Wohngebiet der Reichen. Auch Alfred Krupp baute seine Villa Hügel auf den Anhöhen über der Ruhr. So verwundert es nicht, dass die Emscher und nicht die Ruhr 1912 zur Kloake des Ruhrgebiets auserkoren und kanalisiert wurde, um die Abwässer der Region in den Rhein zu leiten. Die Emscher war erstens topografisch günstig gelegen, denn die großen Städte werden vom hohen Ruhrabhang von der Ruhr getrennt, der sonst bei der Wasserableitung zu überwinden gewesen wäre. Zweitens ist sie zentraler gelegen, nämlich in der Mitte der Nord-Süd-Ausdehnung des Ruhrgebietes, nicht im Süden und drittens lebte die einflussnehmende reiche Gesellschaftsschicht nicht dort, sondern eben an der Ruhr.


Natürliche Grenze

Aufgrund der landschaftlich günstigen Situation und um die Flussübergänge der Nord-Süd-Verbindungen zu sichern, entstanden an den Hängen des Ruhrtales zahlreiche Burgen und Adelssitze. Einige davon gehörten im 13. Jahrhundert zum Erzbistum Köln, zur Grafschaft Mark oder zur Grafschaft Limburg.


Heute noch genutzt oder als Ruinen erhalten sind zum Beispiel in Arnsberg das Schloss Arnsberg, in Dortmund die Hohensyburg, in Hagen das Wasserschloss Werdringen, in Wetter die Burg Wetter und die Burg Volmarstein, in Herdecke das Gut Schede und Haus Mallinckrodt, in Witten das Schloss Steinhausen, die Burg Hardenstein, Haus Witten und Haus Herbede, in Hattingen das Haus Kemnade, die Burg Blankenstein und die Isenburg, in Essen die Burg Altendorf, die Neue Isenburg, Haus Horst und die Vryburg.


  • siehe auch Liste der Burgen und Herrensitze im Ruhrgebiet


Literatur

  • Naturschutzzentrum Märkischer Kreis e. V. (Hrsg.): Die Ruhr - Elf flußbiologische Exkursionen. Martina-Galunder-Verlag, Wiehl 1998, ISBN_3931251357
  • Gustav Adolf Wüstenfeld: Die Ruhrschiffahrt von 1780 bis 1890. G. A. Wüstenfeld, Wetter (Ruhr) 1978. ISBN_392201402X
  • Harald Polenz: Von Grafen, Bischöfen und feigen Morden. Klartext-Verlag, Essen 2004. ISBN_3898612600


Weblinks



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