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Rizin

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Ricin oder Rizin, ein äußerst toxisches Lektin aus den Samen von Ricinus communis, ist ein starker Inhibitor der eukaryotischen Proteinsynthese. Rizin ist einer der giftigsten Eiweißstoffe, der in der Natur vorkommt. Gelangt das Gift in den Körper, bringt es die kontaminierten Zellen zum Absterben. Für eine tödliche Vergiftung eines Erwachsenen genügt eine Menge von weniger als einem Milligramm isoliertem Rizins oder 10 bis 20 der schön ornamentierten Samenkörner, bei Kindern entsprechend weniger. Hier können je nach Alter und Konstitution schon 5 bis 6 Samenkörner tödlich wirken!


Inhaltsverzeichnis


1 Vergiftungserscheinungen

  1.1 Erste Symptome

  1.2 Erste Hilfe

2 Wirkungsweise

3 Gebrauch als Kampfstoff

4 Weblinks

5 Literatur


Vergiftungserscheinungen

Da Rizin meist versehentlich durch den Verzehr von Rizinus-Samen aufgenommen wird, werden vor allem Zellen des Verdauungstraktes in Mitleidenschaft gezogen (Magen, Darm, Leber, Nieren). Letztlich führt eine Vergiftung mit Rizin auch zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen. Nach der Aufnahme einer tödlichen Dosis tritt der Tod nach 36 bis 72 Stunden ein.


Das Gift kann auch inhaliert (als Aerosol eingeatmet) oder injiziert werden. Die Symptome ändern sich dementsprechend: Lungenödem und Atemstillstand bzw. schwere Lähmungen sind die Folge.


Erste Symptome

Etwa 4 bis 8 Stunden nach dem Verzehr der Samen:




Erste Hilfe



Gegen eine Vergiftung mit Rizin gibt es kein Gegenmittel!


Wirkungsweise

Rizin besteht aus zwei verschiedenen Polypeptiden - die A-und die B-Kette - die durch Sulfidbrücken miteinander verbunden sind. Dabei dient die B-Kette zur Bindung an die Zelloberfläche und unterstützt das Eindringen der A-Kette in das Cytoplasma.


Die A-Kette, oder Ricin A, wirkt wie ein Enzym - genauer: wie eine RNA-N-Glycosidase - welches Ribosomen inaktiviert.


Ricin A modifiziert die betroffenen Ribosomen derart, dass zum Einen die Bildung des Initiationskomplexes während der Initiation beeinträchtigt (es erfolgt eine starke Verlangsamung dieses Vorgangs der Transkription auf ein Sechstel der sonst üblichen Geschwindigkeit) und zum Anderen der Translokationsschritt während der Elongation unterbunden wird.


Wegen ihrer zytostatischen Wirkung (einer Wachstum hemmenden Wirkung auf Krebszellen) werden Toxine wie Rizin inzwischen vermehrt als Therapeutika bei Tumor untersucht.


Gebrauch als Kampfstoff

Rizin wurde von der britischen Armee auf seine Verwendbarkeit als Kampfgift geprüft, sein Einsatz jedoch verworfen und die entsprechenden Vorräte vernichtet, insbesondere, da er sich nur schwer als Aerosol verteilen läßt und eher für Anschläge auf Einzelpersonen geeignet ist. Ob das Gift trotzdem auch von Saddam Hussein wie verlautet im Rahmen der im Irak zeitweise betriebenen Produktion von Massenvernichtungsmitteln hergestellt wurde, lässt sich wegen der durch die Regierungen der USA und Großbritannien nachhaltig gestörten Quellenlage nicht eindeutig beurteilen.


Aufgrund der extremen Giftigkeit des Rizins wurde seine mögliche Verwendung als Kampfstoff schon 1962 patentiert. Es fällt sowohl unter die Biowaffenkonvention als auch unter die Chemiewaffenkonvention.


Traurige Berühmtheit erlangte der Giftanschlag mit Rizin als "Regenschirmattentat" auf den bulgarischen Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markov in London 1978. Der Täter, ein mutmaßlicher Agent des damaligen bulgarischen Geheimdienstes, verletzte das Opfer scheinbar zufällig mit einer präparierten Regenschirmspitze. Dabei wurde eine winzige Metallkugel in den Körper des Opfers injiziert, die daraufhin kontinuierlich Rizin freisetzte. Zunächst als harmloser Zwischenfall abgetan, wurde die Ursache der spät einsetzenden Symptome der Vergiftung viel zu spät erkannt. Markov starb einige Tage nach dem Attentat.


1991 wurden in Minnesota mehrere Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppe Patriot's Council festgenommen, weil sie für einen Anschlag auf Bundespolizisten eine Menge an Rizin hergestellt hatten, die für über 100 Tote ausreichend gewesen wäre. Vier von ihnen wurden gemäß dem "Biological Weapons Anti-Terrorism Act" von 1989 für schuldig befunden, sie waren die ersten nach diesem Gesetz Verurteilten überhaupt.


1995 wurde an der kanadisch-amerikanischen Grenze ein ebenfalls dem rechtsextremistischen Lager zugerechneter Mann beim versuchten Schmuggel von 130 Gramm pulverisiertem Rizin festgenommen.


Die Londoner Times berichtete am 16. November 2001, daß in verlassenen al-Qaida-Häusern in Kabul Herstellungsanleitungen für Rizin gefunden wurden, allerdings kein Rizin selbst.


Im August 2002 gaben US-Behörden bekannt, dass die islamistische Terrororganisation Ansar al-Islam Versuche mit Rizin und mit anderen chemischen und biologischen Kampfstoffen im Nord-Irak angestellt habe.


Am 9. Januar 2003 meldete dpa, daß in London kleinere Mengen Rizin sowie Geräte zu seiner Herstellung gefunden wurden. In diesem Zusammenhang wurden sechs Algerier festgenommen.


Weblinks



Literatur

  • Roth, Daunderer, Kormann: Giftpflanzen, Pflanzengifte. ecomed, Landsberg/Lech, 1994. ISBN_3-933203-31-7


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