Ritalin reduziert bei ADHS die Ablenkbarkeit, schwächt die Impulsivität ab, reduziert die Hyperaktivität und verbessert die Fähigkeit, Aufgaben abzuschliessen. Dadurch können ADHS-Betroffene auch besser an Gesprächen teilnehmen. Agression wird gemildert, und auch die Handschrift verbessert sich.
Die Wirkung von Methylphenidat wird dadurch erklärt, dass bei ADHS gewisse Gehirnzonen, die z.B. Impulse kontrollieren, weniger aktiv sind, und durch Stimulanzien angeregt werden, wodurch das Gehirn seine Kontrollfunktionen besser wahrnimmt.
Dosierung
Ritalin sollte nur nach einer sorgfältigen Diagnose verabreicht werden.
Die Dosierungseinstellung muss unbedingt individuell vorgenommen werden, da die optimale Wirkung bei sehr unterschiedlichen Dosen erreicht wird. Die individuell optimale Wirkung lässt sich weder auf das Körpergewicht noch auf die Plasmakonzentration zurückführen.
Erwachsene brauchen im Durchschnitt 20-30 mg pro Tag, in manchen Fällen genügen jedoch auch 5-10 mg während in andern Fällen bis 60 mg erforderlich sind. Gewöhnlich wird die Tagesdosis auf zwei bis drei Einzeldosen verteilt. Bei Erwachsenen wird anfangs gewöhnlich mit eine Einzeldosis von 10 mg gegeben, bei Kindern ab sechs Jahren eine Einzeldosis von 5 mg (eine halbe Tablette).
Gewöhnlich wird die Dosis wöchentlich um 5-10 mg gesteigert, bis die optimale Dosis erreicht ist. In vielen Fällen ist nach einigen Monaten eine neue Einstellung mit eventuell nochmals erhöhter Dosis erforderlich.
Die Wirkung von Ritalin Tabletten tritt innerhalb von 15-30 Minuten ein und hält drei bis vier Stunden an, in einzelnen Fällen auch länger. Nach Ende der Wirkungsdauer können sich die Symptome von ADHS verstärkt zeigen (der sogenannte Rebound).
Neben den normalen Tabletten ist Ritalin auch in Form von Retard-Tabletten (Ritalin SR) erhältlich. Bei diesen tritt die Wirkung langsamer ein und hält dafür etwa vier bis sechs Stunden an. Ritalin LA entspricht in der Wirkung einer zweimaligen Dosis von Ritalin im Abstand von vier Stunden.
In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, normale Tabletten und Retard-Tabletten zu kombinieren, um starke Wirkungsschwankungen zu vermeiden.
Früher wurde empfohlen, Ritalin nur an Schultagen zu verwenden. Heute wird das Medikament in der Regel ununterbrochen abgegeben, da gerade an schulfreien Tagen oft wichtige soziale Kompetenzen eingeübt werden, wobei das Ritalin ebenso unterstützend wirkt wie beim Unterricht.
Nebenwirkungen
Appetit
Rückgang des Appetits ist eine sehr häufige Nebenwirkung. Dies kann dadurch gemildert werden, dass das Ritalin nach dem Essen verabreicht wird oder dass die Hauptmahlzeit auf den Abend verlegt wird, wenn die Ritalinwirkung abgeklungen ist. Gewöhnlich verliert sich diese Nebenwirkung innerhalb einiger Monate.
Schlafstörungen
Eine zu hohe Dosis von Ritalin oder eine zu schnelle Steigerung der Dosis kann zu Nervosität und Schlafstörungen führen. Diese Nebenwirkung klingt oft im Verlauf einiger Wochen ab. Auch wenn die Einnahme der letzten Dosis zu spät erfolgt, können Einschlafstörungen auftreten.
Es gibt jedoch auch Fälle, wo durch ADHS oder durch den Rebound bedingte Einschlafstörungen durch eine kleine Dosis Ritalin oder durch eine letzte Tagesdosis 3-4 Stunden vor dem Einschlafen behoben werden können.
Gastrointestinale Störungen
Da das Methylphenidat in Ritalin als Hydrochlorid enthalten ist, entsteht bei der Auflösung in Wasser etwas Salzsäure. Da diese im Magensaft ohnehin in viel grösserer Menge enthalten ist, spielt das normalerweise keine Rolle, aber wenn Ritalintabletten ohne Flüssigkeit eingenommen werden, kann das zu Übelkeit oder unangenehmem Brennen in der Speiseröhre führen.
Zu Beginn der Behandlung treten gelegentlich Bauchschmerzen oder Erbrechen auf, die im Normalfall gemildert werden, wenn Ritalin zu oder einer Mahlzeit genommen wird.
Seltenere Nebenwirkungen sind Schwindel, Schweissausbrüche, Fieber, Kopfschmerzen, Störungen des Herzrhythmus' und Trockenheit der Schleimhäute.
Suchtgefahr
Ritalin wird seit Jahrzehnten in der Therapie von ADHS verwendet. Während Ritalin in wesentlich höherer Dosis als Strassendroge geschnupft oder intravenös injiziert zur Sucht führen kann, wurde bisher bei fachgerechten Therapie von ADHS kein Fall von Sucht festgestellt. Auch die Gewöhnungseffekte betreffen im Normalfall nur Appetitstörungen und Nervosität, nicht die Wirkung gegen ADHS.
Das bei ADHS durch die Störung selbst erhöhte Risiko von Drogen-, Zigaretten- oder Alkoholsucht kann, wie Langzeitstudien gezeigt haben, durch die Behandlung mit Ritalin auf das allgemeine Suchtrisiko reduziert werden.
Lange andauernder Missbrauch von Ritalin kann zu Psychosen oder Depressionen führen. Bei ADHS-Patienten wurde bislang jedoch keine Häufung von Psychosen und affektiven Störungen (Depressionen) durch die Medikation beobachtet.
Das plötzliche Absetzen von Ritalin nach längerem Gebrauch kann in manchen Fällen während einigen Tagen zu einer verstärkten Hyperaktivität, Gereiztheit oder depressiven Verstimmung (nicht Depression) führen, in anderen Fällen tritt einfach das ADHS wie vorher wieder auf. Sicherheitshalber sollte die Dosis deshalb innerhalb von einer Woche schrittweise reduziert werden.
Wechselwirkungen
Ritalin sollte nicht zusammen mit Zitrussäften eingenommen werden, da die Wirkung dadurch reduziert wird.
Ritalin SR wirkt am besten zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit.
Alkohol sollte während der Behandlung mit Ritalin nicht genommen werden.
Überdosierung
Eine leichte Überdosierung von Ritalin kann zu Schwindel, Herzklopfen oder erhöhter Vigilanz führen, in einigen Fällen auch zu einer übermäßigen Beruhigung.
Eine versehentlich doppelt eingenommene Dosis kann zu Schwindel, Herzklopfen, erhöhtem Blutdruck und Schlafproblemen führen. Durch die kurze Halbwertszeit von wenigen Stunden ist normalerweise keine Behandlung erforderlich.
Eine starke Überdosierung kann zu Übererregtheit des zentralen Nervensystems, Krämpfen, und Delirum bis zum Koma führen, zu Bluthochdruck und Herzrythmusstörungen. Ärztliche Behandlung ist in solchen Fällen dringend.
Ritalin als Droge
Bei hochdosiertem Gebrauch (ein Vielfaches der therapeutisch verwendeten Dosen), insbesondere wenn es geschnupft oder intravenös injiziert wird, wirkt Ritalin stark antriebssteigernd und kann zu Halluzinationen und überschwenglicher Euphorie führen.
In der Drogenszene ist die Substanz auch unter den Kosenamen "Vitamin R" oder "Ritas" bekannt.
Wegen der Suchtgefahr und der Gefährlichkeit der Nebenwirkungen dieses Medikaments bei Missbrauch zählt die amerikanische Drogenbehörde Ritalin an dritter Stelle gleich hinter Heroin und Kokain auf.
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