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Rhetorik

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Gegenstand der Rhetorik (griechisch: rhetorikè (téchne) Redekunst), ist es, "die Möglichkeiten zu erforschen und die Mittel bereitzustellen, die nötig sind, die subjektive Überzeugung von einer Sache allgemein zu machen" (Ueding / Steinbrink). Auch: "Die Kunst der (freien, öffentlichen) Rede."


Es handelt sich um eine in der Antike entwickelte Lehre von der wirkungsvollen Gestaltung einer Rede; die Rhetorik regelte die Schritte von der gedanklichen Verarbeitung des Stoffes bis zum Vortrag. Früheste Ansätze zur Rhetorik findet man bereits im 5. Jahrhundert vor der Zeitrechnung mit der Entwicklung solcher Begriffe wie Beweismittel, Beweisverfahren, Indiz und Schlussfolgerung, Überredung und richtiger Zeitpunkt eines bestimmten Argumentes. Die Wahrscheinlichkeitsargumentation wurde, wie Aristoteles anmerkt, bereits von Korax entwickelt.


Aristoteles, der in seinem Werk "Rhetorik" als erster eine systematische Darstellung der Rhetorik gegeben hat, versteht diese als das "Vermögen, für jeden einzelnen Gegenstand und Fall das in ihm liegende Glaubenserweckende zu erkennen". Er unterscheidet drei Gattungen rednerischer Vorträge: die beratende, die gerichtliche und die virtuose Rede und spricht einer jeden Bezogenheit auf Zeit und Zweck zu.


Bei den Überzeugungsmitteln unterscheidet er drei Arten: "Entweder liegen sie nämlich in der sittlichen Verfassung des jedesmaligen Redners oder in der Art und Weise, wie derselbe den Hörer stimmt, oder endlich die Rede selbst, welche dieselben dadurch hervorbringt, dass sie beweist oder zu beweisen scheint". Aristoteles beschreibt die Überzeugungsmittel (wirkliches und scheinbares Beweisen, Induktion, Syllogismus, Beispiel, Enthymen u.a.), verweist auf die Analytik und die Topik als wesentliche Elemente der Rhetorik, auf die Glaubwürdigkeit des Redners, die Affekte des Hörers, den rednerischen Stil, die Anordnung der Rede, den sprachlichen Ausdruck u.a., wobei er die Aufgabe der Rede darin sieht, ein Urteil hervorzubringen. Die Rhetorik nutzt die Ergebnisse der Logik und wirkte ihrerseits befruchtend auf deren Entwicklung.


Die vermutlich auf Sizilien entwickelte Kunst wurde durch die Sophisten systematisiert. Auch die Stoiker beschäftigten sich mit ihr. Bis ins 19. Jahrhundert war die Rhetorik festes Lehrfach an den Universitäten und zählte zu den Sieben freien Künsten (Artes liberales).


Inhaltsverzeichnis


1 Hauptelemente der Rhetorik

2 Die Grundformen

3 Ethik und Rhetorik

4 Übersicht der Grundelemente verbal / nonverbal

5 Zitate

6 Weitere Rhetoriker

7 Siehe auch

8 Literatur

9 Weblinks


Hauptelemente der Rhetorik



Die Rhetorik ist auch literaturwissenschaftliche Hilfslehre für die zentrale Aufgabe der Hermeneutik. Hier fragt sie nach den Strategien der Darstellung, der Leserführung und der internen Wirkungsabsicht von Texten.


Die Vorbereitungsstufen der Rede werden bezeichnet als rhetorices partes (Teile der Reden, Quintilian) oder als officia oratoris (Aufgaben des Redners). Officia oratoris heißen aber bei Quintilian auch die Wirkungsweisen der Rede: docere (belehren), movere (bewegen), delectare (erfreuen).


Von der Idee bis hin zum Vortrag sind fünf Schritte zu durchlaufen:


  • inventio (Erfindung)
  • dispositio (Gliederung)
  • elocutio (Einkleidung der Gedanken in Worte)
  • memoria (Einprägen der Rede)
  • pronuntiatio / actio (Vortrag, stimmliche, mimische und gestische Mittel)


In der klassischen Rhetorik gilt für die Entwicklung einer Rede die Differenz zwischen Gegenständen und Gedanken einerseits und ihrer sprachlichen Formulierung andererseits.


Die Grundformen

Für den freien Vortrag (Monolog) nutzt der Redner verschiedene rhetorische Figuren, Thesen, Prämissen und Argumente. Das Argument steigert hier die Prämisse oder These durch eine gezielte Konklusion, mit der der Redner sein Gegenüber zu überzeugen sucht.


Im Dialog eines Gespräches gewinnt nun die Interaktion besondere Bedeutung. Weit mehr als beim Vortrag, der durchaus auch gewisse Interaktionen bilden kann, hat der Redner nun auf die verbalen und nonverbalen Reaktionen seines Gegenüber zu reagieren. Hierbei spielen gem. Eisbergtheorie von Sigmund Freud gerade die körpersprachlichen Signale als Gradmesser der emotionalen Verfassung eines Gesprächspartners eine besonders große Rolle (und zwar im Verhältnis 1/5 zu 4/5 gegenüber den verbalen Aussage, die mitunter ja widersprüchlich sein kann). Der Körper lügt nicht.


Sind nonverbale und verbale Aussage unstimming, spricht man von Inkongruenz.


Die Dialektik bildet eine noch höher entwickelte Form der Rhetorik. Sie wurde auch durch das griechische Altertum hervorgebracht und geht von einem Dreisatz innerhalb einer Argumentation aus: These, Antithese und Synthese werden zu einem Vortrag zusammengebunden, um (ursprünglich) die Anklage bzw. die Verteidigung vor dem hohen Gericht zu führen.


Ethik und Rhetorik

Die klassische Rhetorik lehrt darüber hinaus auch ethische und moralische Werte. So war es den Studenten im universitären Disput bei Strafe verboten, ihren Standpunkt darzustellen, ohne zuvor den des Gegners sinngemäß und von der Intention her richtig mit eigenen Worten wiederzugeben (die sog. Paraphrasierung).


In der weiteren Betrachtung einer Rede wird der Unterschied zwischen Überzeugen und Überreden deutlich. Während die Überzeugung den kognitiven Bereich des Menschen anspricht und somit i.d.R. länger Bestand hat, gilt als Überreden der apellative affektive Aspekt, also die hauptsächliche Ansprache der Gefühlsebene und der Emotionen bzw. die Nutzung einer Beziehungsebene zur Meinungsbildung. Diese Form hat zwar mitunter eine starke Wirkung, kann jedoch sehr schnell wieder aufgelöst oder gar ins Gegenteil verkehrt werden (Kaufreue).


Wichtig hierbei ist, dass in einer Argumentation grundsätzlich beide Bereiche vorkommen können. Es gibt sowohl sachliche als auch emotionale Argumentationsformen und Mischformen. Diesem Bereich der Rhetorik wird im Verkauf, insbesondere in der Verkaufsethik eine wichtige Rolle zugesprochen.


Die Eristische Dialektik Arthur Schopenhauers befasst sich dem gegenüber mit 38 Formeln der Redekunst, die es dem Redner erlauben, mit Hilfe von komplizierten Schlüssen und Umkehrschlüssen, gezielten Übertreibungen oder Taktiken der »Brunnenvergiftung«, den »Gegner« der Unwahrheit dem Worte nach und mit Hilfe der reinen Logik zu überführen, bzw. Recht zu konstruieren.


Dass dabei die zwischenmenschliche Komponente gezielt ausgeklammert wird und die im Stammhirn verankerten Urinstinkte nach »Rache« bei dem derart bloßgestellten Menschen geradezu geschärft werden, mag erklären, warum die Eristik von Schopenhauer selbst nicht veröffentlicht wurde, sondern im Nachlassband von Julius Frauenstädt 1864 an die Öffentlichkeit gelangte.


Geübte Redner, vor allem in der Kommunikation vor Gruppen, oder vor Gericht, greifen mitunter zur Eristik und werden ebensohäufig im gleichen Kommunikationsprozess noch sozial geächtet, weil die, dem Wesen nach "falsche", weil nicht ganzheitliche Kommunikation, instinktiv Aggressionen schürt. Obwohl sie die Wahrheitsfindung als Ziel vorgibt, erkennt der Zuhörer schnell, dass es um das Recht behalten an sich geht und nicht um ganzheitliche Kommunikation.


Übersicht der Grundelemente verbal / nonverbal

In der rhetorischen Anwendung der Elemente menschlicher Kommunikation hilft die folgende Sekundärübersicht eines Kommunikationsdozenten aus Berlin, der erstmals 1997 sämtliche (außer paranormalen) Formen eines möglichen Ausdrucks im Gesamtzusammenhang zueinander dargestellt hat und im Bezug auf die Einflussnahme auf das Gegenüber (»Kommunikative Direktion«) sowie die Arbeit von Paul Watzlawick in seriell hierarchischer Form grafisch anordnet: [1]


Zitate

  • Rhetorik ist der Ausgang des Menschen aus gesellschaftlicher Sprachlosigkeit

    Joachim Knape

  • Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende - und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen.
    Mark Twain
  • Die Redekunst ist die allerumfassendste Kunst.
    Aurelius Augustinus
  • Daher ist es erforderlich, Kunstfertigkeit anzuwenden, ohne dass man es merkt, und die Rede nicht als verfertigt, sondern als natürlich erscheinen zu lassen - dies nämlich macht sie glaubwürdig.
    Aristoteles


Weitere Rhetoriker



Siehe auch



Literatur

  • Göttert, Karl-Heinz. Einführung in die Rhetorik. München 1998. ISBN_3825215997
  • Gert Ueding, Bernd Steinbrink: Grundriß der Rhetorik, Metzler, 1994, ISBN_3476012360
  • Paul Herrmann: Reden wie ein Profi. Rhetorik für den Alltag. München, Orbis 1991 ISBN_3-572-00543-4


Weblinks



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