Die Rhätische Bahn (RhB, italienischFerrovia retica, rätoromanischViafier retica) ist eine Schmalspurbahn im KantonGraubünden in der Schweiz. Von der Rechtsform her ist die RhB seit jeher eine Aktiengesellschaft mit folgender Aufteilung des Aktienkapitals:
52% Kanton Graubünden
43% Bund
5% Private
Sie verfügt über ein ausgedehntes Schmalspurnetz mit einer Länge von ca. 400 km und einer Spurweite von 1.000 mm.
Aufgrund der weiteren Pläne für eine Expansion der Schmalspurstrecke änderte die LD 1895 ihren Namen in Rhätische Bahn (RhB), die 1897 nach einem Volksentscheid zur Staatsbahn wurde.
Als letzte Strecke des Stammnetzes folgte 1913 die Eröffnung der Engadin-Linie Samedan - S-chanf - Zernez - Sagliains - Scuol, die von Anfang an elektrifiziert war. Pläne für eine Weiterführung der Linie nach Landeck im Tirol wurden nicht mehr verwirklicht.
Zwischen 1913 und 1922 wurde dann auch das gesamte Stammnetz mit 11 kV 16 2/3 Hz Wechselstom elektrifiziert.
Nach der Fertigstellung der Albulaline wurde 1905 die Bernina-Bahngesellschaft (BB) gegründet, mit dem Ziel St. Moritz über den Berninapass mit Tirano zu verbinden. Nach Erteilung der Konzession1906 erfolgte die Eröffnung von 1908 an in mehreren Teilabschnitten. Erst 1910 war die komplette Strecke St. Moritz - Pontresina - Morteratsch - Ospizio Bernina - Alp Grüm - Poschiavo - Campocologno - Tirano fertiggestellt. Ursprünglich war sie nur für den Sommerbetrieb vorgesehen und in den ersten Jahren ihres Bestehens stets am Rande des Existenzminimums.
Die Einführung des Speisewagens (1928) und Pauschalangebote für Touristen konnten die kleine Bahn nicht vor dem Ruin bewahren. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage wurde die BB 1944 von der RhB übernommen. Diese modernisierte die Strecke grundlegend und baute sie aus. Mittlerweile hat sich die nach wie vor mit Gleichstrom betriebene Bahn zu einem bedeutenden Faktor im Tourismus von Graubünden entwickelt.
Die Chur-Arosa-Bahn
[Bild:] ABDe 4/4 483 bei der engen Ortsdurchfahrt in Chur
1912 begannen die Bauarbeiten für die kunstbautenreiche Chur-Arosa-Bahn (ChA) von Chur nach Arosa. Diese verwendete im Gegensatz zur RhB ein anderes Stromsystem, nämlich 2400 Volt Gleichstrom. Im Gegensatz zur BB konnte die ChA in den Anfangsjahren Erfolge erzielen. Die Krisenjahre und die zunehmende Automobilkonkurrenz sorgten jedoch dafür, dass auch die ChA in Schwierigkeiten kam und 1942 in die RhB eingegliedert wurde.
1997 wurde das Stromsystem an das des Stammnetzes der RhB angeglichen. Eine unterirdische Strecke unter die Stadt Chur konnte nicht realisiert werden.
Bellinzona-Mesocco
Unabhängig von restlichen Schienennetz Graubündens wurde 1903 im Tessin die "Societa Ferrovia elettrica Bellinzona - Mesocco" (BM) gegründet, die 1907 die Strecke von Bellinzona über Castione, Cama und Lostallo nach Mesocco eröffnete.
Wegen der abgeschiedenen Lage kam auch diese Strecke bald in finanzielle Schwierigkeiten, sodass sie 1942 mit der RhB fusionieren musste.
Aber auch später besserte sich die Situation nicht. So wurde 1972 der Personenverkehr eingestellt, und das Teilstück zwischen Bellinzona und Castione abgebrochen. Als 1978 die Strecke bei schweren Unwettern stark beschädigt wurde und sich Reparaturen nicht mehr rentierten, wurde ein weiteres Teilstück, Cama - Mesocco, stillgelegt und abgebrochen.
Auf dem letzten verbliebenen Teilstück Castione - Cama herrscht inzwischen jedoch praktisch kein Verkehr mehr. Die Zukunft dieser Linie ist ungewiss.
Um eine wintersichere Verbindung zwischen dem Prättigau und dem Engadin herzustellen, begann man in den 1970ern mit den Planungsarbeiten. Man entschied sich für einen Eisenbahntunnel mit Bahnverladung für Kraftfahrzeuge.
Im Jahr 1991 begannen die Bauarbeiten für den mit 19,1 km längsten Meterspur-Tunnel der Welt, dem Vereinatunnel. 1999 wurde die Strecke zwischen Klosters und Sagliains bzw. Susch eröffnet.
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