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Revolutionäre Zellen

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Die Revolutionären Zellen (RZ) sind eine militante linksgerichtete und gleichzeitig autonom operierende Organisation in Deutschland von den 1970er Jahren bis in die 1990er Jahre.


Ihre dezentrale Organisationsform bezeichnet man als guerilla diffusa. Hauptsächlich waren ihre Anschläge mit Sachschaden verbunden, aber es gab auch Tote im Zusammenhang mit den RZ.


Krieg dem System - das gilt in den siebziger und achtziger Jahren für die Revolutionären Zellen (RZ) genauso wie für die Rote Armee Fraktion. Doch nicht aus dem Untergrund wollen die RZ kämpfen, legal leben und arbeiten ist ihr Ziel. Im Gegensatz zur RAF sind die RZ nicht straff organisiert und ohne Führung. Bei ihren Anschlägen bleiben sie anonym. Die Mitglieder wollen das, um gleichzeitig politisch aktiv sein zu können und an der linken Diskussion in der Gesellschaft teilnehmen zu können.


Als Feierabendterroristen werden sie dafür verlacht. Aber ihr System schützte sie lange vor dem Zugriff durch den Staat: Bis 1999 gab es kaum verwertbare Erkenntnisse über die RZ und nur wenige Verurteilungen.


Erst durch Verhaftung des OPEC-Attentäters und RZ-Mitglieds Hans-Joachim Klein erfahren die Ermittler 1999 etwas über die internen Strukturen. Mitangeklagt ist Rudolf Schindler, der bei dem Attentat geholfen haben soll.


Schindler wird zwar im Opec-Prozess freigesprochen, stand aber ab 2002 in Berlin vor Gericht und wurde gemeinsam mit seiner Frau Sabine Eckle zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.


Weitere Informationen zu dem Berliner Prozess und dem Urteil gegen insgesamt fünf Personen unter:


www.freilassung.de


Erste Anschläge

Die RZ kommen aus dem militanten autonomen Spektrum, sie handeln als lose organisierte und unabhängig voneinander agierende Zellen. Seit 1976 fungieren sie unter dem Namen Revolutionäre Zellen. Es gibt Kontakte zur RAF, zur Bewegung 2. Juni und auch zu palästinensischen Gruppen und dem weltweit gesuchten Terroristen Carlos.


Die ersten Anschläge verüben die neuen Gruppen im November 1973 gegen den Konzern ITT in Berlin und Nürnberg. Ab 1975 gibt es eine Zeitschrift, den Revolutionären Zorn. Im Jahr 1975 verüben die Frauen der Revolutionären Zellen einen Bombenanschlag auf das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Die Rote Zora, wie sie sich kurz danach nennt, tritt als eigenständige Gruppe neben den RZ auf. Bis in die achtziger Jahre gibt es gemeinsame Aktionen der beiden.


An zwei internationalen Anschlägen sind Mitglieder der RZ beteiligt: Dem Überfall auf die Opec-Konferenz 1975 und der Entführung einer Air-France-Maschine von Tel Aviv nach Entebbe (Uganda) im Jahr 1976. Mit dabei sind Kader der palästinensischen Terrorgruppe Waddi Hadad, einem Ableger der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP). Bei der Erstürmung der Maschine sterben zwei Gründer der RZ, Wilfried Boese und Brigitte Kuhlmann. Dies führt zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der RZ, Auslandseinsätze gibt es danach nicht mehr.


Laut Generalbundesanwalt bekennen sich die Revolutionären Zellen/Rote Zora zu insgesamt 186 Anschlägen, 40 davon in Berlin. Sie wollen gegen staatlichen Rassismus, Sexismus und das Patriarchat kämpfen. Mitte der achtziger Jahre richten sich die Anschläge vorrangig gegen die Ausländer- und Asylpolitik der Bundesrepublik.


Rückhalt verloren

Obwohl sie gezielte Angriffe auf Menschen eigentlich ablehnen, gibt es in den achtziger Jahren mehrere so genannte Knieschuss-Aktionen: Der hessische Wirtschaftsminister Herbert Karry wird 1981 bei einer solchen Aktion ermordet - aus Versehen, so die RZ. Dem Leiter der Berliner Ausländerbehörde, Harald Hollenberg, wird 1986 in die Beine geschossen, ein Jahr später dem Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht, Günter Korbmacher.


Nach der Wende verloren die RZ an Bedeutung und Rückhalt in der Szene. Ihr starres Feindbild und ihre Aktionen werden kritisiert, vor allem auch von den Mitgliedern. Im Dezember 1991 veröffentlichen die RZ ein Papier, das die Auseinandersetzungen nach der Entebbe-Entführung beschreibt und von der zunehmenden Spaltung der Gruppen spricht.


Im Oktober 1993 gibt es einen letzten Anschlag der RZ: Ein Trafohäuschen des Bundesgrenzschutzes in Frankfurt am Main fliegt in die Luft, als Protest gegen das neue Asylrecht. Die Rote Zora zündet im Juli 1995 eine Bombe in der Lüssen-Werft in Lernwerder.


Weblinks

www.freilassung.de
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