Im Alter von nur 15 Jahren schrieb er sich nach dem Besuch der Elementar- und Lateinschulen des Pforzheimer Dominikanerklosters St. Stephan anno 1470 an der Universität zu Freiburg ein, wo er zunächst Grammatik, Philosophie und Rhetorik studierte.
1484 erfolgte die Promotion zum "Doktor des kaiserlichen Rechts" (Dr. legum). Mehrfach musste Reuchlin Württemberg wegen Kriegswirrungen verlassen, so lehrte er an der Universität Ingolstadt Grieschisch und Hebräisch; ein Jahr vor seinem Tod kehrte er an die Universität Tübingen zurück.
Bezüglich des Studiums des Hebräischen ist darauf hinzuweisen, dass Reuchlin dann der erste deutsche Hebraist war. Sein Lehrer des Hebräischen war Jacob Ben Jehiel Loans, der jüdische Leibarzt Kaiser Friedrich III. Möglicherweise hat Reuchlin diesem in seinem Werk "De arte cabbalistica" ein literarisches Denkmal gesetzt: Zwei christliche Schüler des gelehrten Juden Simon bedauern, dass dieser wegen des Sabbats ihr erstmaliges Zusammentreffen beenden musste. Nachdem er gegangen war, preisen sie seine Weisheit in vielfältigen Worten und einer ruft schließlich aus "Gute Götter, ein Jude, von Juden geboren, ernährt, erzogen und unterwiesen, ein Volk, das überall von den Völkern als barbarisch, abergläubisch, gemein, verworfen und dem Glanz aller guten Wissenschaften abgeneigt angesehen wird - glaube mir, ich hätte ihn in meiner Sehnsucht diesem Mann gerne die ganze lange Nacht ins Antlitz gesehen und seinen Worten gelauscht, wenn nicht dieser unglückselige Sabbatabend dazischen gekommen wäre". Ein schönes Beispiel für Reuchlins ungewöhnliche Toleranz in einer Zeit, in der sich sich auch gelehrte Geister kritiklos zu einer religiös bedingten totalen Verachtung der Juden bekannt haben.
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