Die Rettungsleitstelle entsendet einen Rettungshubschrauber immer dann, wenn ein schneller Notarzteinsatz notwendig ist und kein bodengebundener Notarzt zur Verfügung steht oder wenn die speziellen Vorteile eines Rettungshubschraubers gefragt sind:
Einsatzfähigkeit in schwer zugänglichen Gegenden
Unabhängigkeit von Staus und Fahrbahnzustand (z.B. Eisglätte)
zügiger und schonender Transport mit medizinischer Betreuung und umfassender Überwachungsmöglichkeit auch in weit entferntere Krankenhäuser
Nachteil eines Rettungshubschraubers ist die Abhängigkeit von Witterungs- und Sichtbedingungen. Obwohl Rettungshubschrauber auch Nachts eingesetzt werden können, ist das Risiko für Landungen in unbekanntem Gelände dabei so hoch, dass sich die Dienstzeit meist nur auf die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang beschränkt. Nachteinsätze sind dementsprechend selten.
Die Vor- und Nachteile müssen gegeneinander abgewogen werden. In Zweifelsfällen trifft der Pilot die Entscheidung, er hat die Verantwortung für die Sicherheit seines Hubschraubers und der Besatzung.
Ausrüstung
Ein Rettungshubschrauber ist hinsichtlich der medizinischen Geräte, Medikamente und Materalien wie ein Notarztwagen ausgestattet. Damit kann eine Versorgung vor Ort und während des Transportes auf notfallmedizinischem Niveau erfolgen.
Für spezielle Anforderungen kann die Ausrüstung auch erweitert werden. Zum Beispiel ist am Meer oder im Gebirge (zum Einsatz bei Bergunfällen) am Rettungshubschrauber oft auch eine seitliche Winde angebracht, womit der Patient auf einer Trage im Flug hochgehoben und verladen werden kann. Ohne dieser Winde wird der Patient zwar auch mit dem Hubschrauber hochgezogen, danach muss aber der Hubschrauber später landen um den Patienten auch verladen zu können.
Großraum-Rettungshubschrauber (GRTH): primär für militärische Einsätze gedacht, aber auch bei zivilen Katastrophen und Großunfällen einsetzbar
Notarzt-Einsatz-Hubschrauber (NEH): kleinerer Hubschraubertyp, der nur der schnellen Zubringung eines Notarztes dient, vergleichbar einem Notarzteinsatzfahrzeug. Durch die eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten (kein Transport) und die Nachteile eines Hubschraubers (Flug nur unter bestimmten Bedingungen) sind hierfür die Kosten im Vergleich zum Nutzen sehr hoch, so dass dieses Konzept in Deutschland mit einer Ausnahme (NEH im Landkreis Bad Doberan bei Rostock, privater Betreiber Heli-Flight GmbH&Co.KG Reichelsheim) nie über den Stand eines Pilotversuchs hinausgekommen ist.
Die Besatzung eines deutschen RTH besteht in der Regel aus dem Piloten, einem Notarzt und einem Rettungsassistenten. Bei bestimmten RTH-Typen gehört zur fliegerischen Besatzung zusätzlich ein Bordwart. Fallweise werden auch Praktikanten mitgenommen.
Pilot und Bordwart sind Angestellte des Betreibers. Der Rettungsassistent ist oft Angestellter der Hilfsorganisation, mit der der Betreiber eine Partnerschaft eingegangen ist, selten beim Betreiber selbst angestellt (Ausnahme z.B. die Hubschrauber der Bundeswehr). Der Notarzt ist ein Arzt des Krankenhauses, an dem der RTH stationiert ist, er leistet in der einsatzfreien Zeit normalen Stationsdienst.
Betreiber
In Deutschland ist der Rettungsdienst Ländersache und wird daher durch Ländergesetze geregelt. Zur Durchführung der Luftrettung greifen die Länder dabei auf unterschiedliche Organisationen zurück.
Die Finanzierung wird in Verträgen mit dem Bundesland und den Kostenträgern (Krankenkassen) geregelt. Die Investition und die laufenden Kosten trägt idR. der Betreiber und/oder das Land, die Kosten für medizinische Versorgung und den Transport werden von der Krankenversicherung des Patienten erstattet.
In Österreich werden RTH als Notarzthubschrauber (NAH) bezeichnet und vom ÖAMTC und vom Roten Kreuz betrieben. Sie werden sowohl bei Verkehrsunfällen als auch bei Akuterkrankungen und bei Alpinunfällen eingesetzt. Alarmiert werden sie jeweils über die Alarmzentralen des Roten Kreuzes.
Standorte der als Christophorus bezeichneten Notarzthubschrauber sind:
In der Schweiz werden Rettungshubschrauber von der Schweizerischen Rettungsflugwacht (kurz "Rega") betrieben, einer gemeinnützigen privaten Stiftung für Luftrettung.
Die Rega und ihre Partner können in der Schweiz über die Alarmnummer1414 angefordert werden.
Es gibt Projekte, an denen Organisationen mehrerer Staaten beteiligt sind. Zu nennen sind in diesem Kontext besonders:
Christophorus Europa 3 fliegt seit 2002 als europaweit erster Notarzthubschrauber, der von zwei Ländern gemeinsam organisiert wird, nämlich von Bayern und Oberösterreich.
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