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Religionswissenschaft

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Inhaltsverzeichnis


1 Definition und Gegenstand

2 Geschichte des Faches

3 Religionswissenschaft und Theologie

4 Begriffserörterung Religionswissenschaft

5 Verwendete Wissenschaften/ Teilwissenschaften / Hilfswissenschaften

6 Studium der Religionswissenschaft

7 Religionswissenschaftler

8 Literatur

9 Weblinks


Definition und Gegenstand

Die Religionswissenschaft ist eine Wissenschaft, die sich mit allen konkreten Religionen bzw. religiösen Ordnungssystemen der Vergangenheit und Gegenwart befasst. Das Fach wird manchmal auch Religionsgeschichte genannt und durch Attribute wie "allgemeine" oder "vergleichende" näher bestimmt. Als eine vergleichende und beschreibende Kulturwissenschaft klammert die Religionswissenschaft Glaubenszustimmung aus und untersucht alle Religionen "von außen". Sie sucht nicht nach transzendenter Wahrheit, sondern ordnet, klassifiziert und vergleicht die Erscheinungsformen und Elemente verschiedener Religionen im geschichtlichen Kontext. Dabei sollen eigene religiöse Vorstellungen - sofern vorhanden - das wissenschaftliche Arbeiten weder hinsichtlich der Motivation noch in Hinsicht auf das Ergebnis beeinflussen.


Was genau eine Religion ist, wurde zwar bisher oft, aber nie zufriedenstellend definiert. Der genaue Gegenstand der Religionswissenschaft ist daher bis heute nicht geklärt und wird somit nicht nur von den verschiedenen Schulen des Faches (Substantialismus, Funktionalismus) diskutiert.


Geschichte des Faches

Es handelt sich um eine junge Wissenschaft mit "Vorläufern" in aufklärerischen Krisenzeiten (Antike, Humanismus). Im strengen Sinne entstand sie während der neuzeitlichen Aufklärung, insbesondere in England, den Niederlanden, Deutschland und Skandinavien. Erst ab dem Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte sie sich als eigenständiges Fach an den Universitäten, wobei sie zunächst an theologischen Fakultäten gelehrt und betrieben wurde. In den letzten Jahrzehnten aber entwickelte sich die Religionswissenschaft an den meisten Universitäten zu einer von den Theologien unabhängigen Wissenschaft, was einen Einzug in die philosophischen und kulturwissenschaftlichen Fakultäten zur Folge hatte. Hierbei ist und war vor allem die Diskussion der Methodik des Faches als eigentlicher Grund der Entwicklung zu einer eigenständigen Disziplin verantwortlich. Heute ist die Religionswissenschaft sehr interdisziplinär angelegt und bedient sich auch vieler Methoden aus anderen Wissenschaften (siehe auch Abschnitt Hilfwissenschaften).


Religionswissenschaft und Theologie

Oftmals ist nicht bekannt, dass ein Unterschied zwischen der Religionswissenschaft und den (christlichen) Theologien besteht. Grundsätzlich ist daher zu sagen, dass sich die Fächer nicht nur hinsichtlich ihrer Methodik unterscheiden, sondern Theologien religiöse Spezialisten (z. B. Priester, Pastoren) ausbilden, welche wiederum Gegenstand der Religionswissenschaft sind. So nimmt z. B. das Christentum für Religionswissenschaftler die Rolle "einer Religion unter vielen" ein, während Theologen von der Warte aus "wir und die anderen" sprechen.


Begriffserörterung Religionswissenschaft

Innerhalb des Faches gibt es Diskussionen, wie die Disziplin genau zu bezeichnen ist, obgleich der Begriff Religionswissenschaft noch vor dem Entstehen des Faches benutzt wurde. Hierbei gibt es im deutschsprachigen Raum zum einen die Debatte Religionswissenschaft (bzw. Religionenwissenschaft) oder Religionswissenschaften, zum anderen den Disput Religionswissenschaft oder Religionsgeschichte. Im englischsprachigen Raum gibt und gab es eine ähnliche Auseinandersetzung um die Begriffe "study of religions" bzw. "study of religion".


Religionenwissenschaft:


Während der Anfänge des Faches gab es vergebliche, theologisch motivierte Versuche, mittels der Religionswissenschaft die eine (Ur-)Religion zu finden bzw. zu konstruieren, welche in unwissenschaftlichen Spekulationen endeten. Daher wird heute die Funktion einer bestimmten Religion auf bestimmte Menschen untersucht. Der Name Religionenwissenschaft wäre demnach der logischste Begriff. Er konnte sich allerdings bislang nicht durchsetzen, da im Deutschen der Singular in der Konstruktion [...]swissenschaft vorherrschend ist (vgl. Sprachwissenschaft und nicht Sprachenwissenschaft).


Religionswissenschaft - Religionswissenschaften:


Sichtweise A: Die Verwendung des Plurals Religionswissenschaften kann irreführend sein, da es nicht mehrere Einzelwissenschaften gibt, die konkret Religionen miteinander vergleichen und dabei religionswissenschaftliche Methoden verwenden. Würde man von einzelnen Religionswissenschaften sprechen, müsste erst ein Begriff für die eigentliche Religionswissenschaft geschaffen werden, da ansonsten sprachlich nicht mehr unterschieden werden könnte. Folglich wird das Fach auch im wissenschaftlichen Austausch Religionswissenschaft genannt.


Beispiel: So ist die Religionswissenschaft keine Islamwissenschaft, da beide Fächer unterschiedliche Gegenstände und Methoden haben. Aber ein Religionswissenschaftler kann sich auf den Islam spezialisieren, wobei er dann natürlich vom Islamwissenschaftler zu unterscheiden ist. (Vgl. auch Sprachwissenschaft: Die Sprachwissenschaft untersucht ihren Gegenstand anders als die Anglistik, obgleich beide Disziplinen Methoden gemeinsam haben.)


Beispiel englischsprachiger Raum: study of religions - study of religion


Auf den ersten Blick erscheint der Unterschied gering, obwohl hinter beiden Begriffen, die die Religionswissenschaft im englischsprachigen Raum bezeichnen, eine konkrete Ideologie steht.


"Study of religions" hat sich hierbei als wissenschaftlicher Terminus durchgesetzt, da es die Religion als solche nicht gibt und somit nicht untersucht werden kann. Allein Religionen können konkret beobachtet und untersucht werden (vgl. Religionenwissenschaft). Dennoch gibt es z. B. theologische Einrichtungen, die weiterhin den Begriff "study of religion" verwenden.


Verwendete Wissenschaften/ Teilwissenschaften / Hilfswissenschaften

Religionsphänomenologie, Religionspsychologie, Religionssoziologie und Religionsphilosophie bezeichnen bestimmte Ansätze, den Gegenstand der Religionswissenschaft zu fassen und zu behandeln.


Dagegen sind viele der Teil- oder Hilfswissenschaften der Religionswissenschaft eigenständige Fächer. Eine große Rolle spielen die Philologien von Sprachen, in denen Heilige Schriften abgefasst sind oder in denen religiöses Leben stattfindet; beispielsweise Arabistik, Sinologie, Keilschriftforschung, Indologie.


Außerdem sind natürlich Fächer von Bedeutung, die sich auf eine einzelne Religion oder einen bestimmten Kulturkreis spezialisieren (oft identisch mit den entsprechenden Philologien): Keltologie, Judaistik, Buddhismuskunde, Islamwissenschaft, Afrikanistik, Orientalistik, Tibetologie. Wichtig sind ebenfalls die Theologien der einzelnen Religionen - also die Überlegungen zu religiösen Themen, die innerhalb der Traditionen angestellt wurden und werden (z. B. katholische, protestantische, islamische, buddhistische "Theologie") - und ihre Teilwissenschaften (wie z. B. Textkritik, Kirchengeschichte, Liturgik, Exegese).


Weiterhin wichtige Fächer für die Religionswissenschaft sind Geschichte, Archäologie, Volkskunde, Ethnologie/ Völkerkunde, Anthropologie und andere Kulturwissenschaften.


Studium der Religionswissenschaft

Ein deutschsprachiges Studium der Religionswissenschaft kann in Österreich, der Schweiz und Deutschland aufgenommen werden. In Deutschland gibt es folgende Abschlüsse des Faches:


  • Magister/Magistra Artium (derzeitig üblichster Abschluss)
  • Diplom (nur in Bremen)
  • B.A. "Religionswissenschaft", B.A. "Kultur- und Religionswissenschaft" oder auch B.A "Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Religion"
  • M.A. "Religionswissenschaft" (setzt einen B.A.-Abschluss voraus)
  • Dr. phil. (setzt einen Magister- bzw. M.A.-Abschluss oder ein Diplom voraus)


Religionswissenschaftler



Literatur

  • H.J. Greschat: Was ist Religionswissenschaft?, Stuttgart 1988.
  • K. Hock: Einführung in die Religionswissenschaften, Darmstadt 2002.
  • H.G. Kippenberg: Die Entdeckung der Religionsgeschichte. Religionswissenschaft und Moderne, München 1997.
  • H.G. Kippenberg/ K. von Stuckrad: Einführung in die Religionswissenschaft, München 2003.
  • A. Michaels (Hg.): Klassiker der Religionswissenschaft. Von Friedrich Schleiermacher bis Mircea Eliade, München 1997.
  • F. Stolz: Grundzüge der Religionswissenschaft, Göttingen 2001.


Weblinks



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