Das klassische deutsche Reisebüro (ca. 18.000 in Deutschland) ist tätig als Vermittler zwischen Kunden und verschiedenen touristischen Leistungsträgern wie:
Zwar gibt es die Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau/zum Reiseverkehrskaufmann, die Gründung oder Eröffnung eines Reisebüros jedoch erfordert bis heute keine spezielle Qualifikation oder Genehmigung.
Für die Vermittlung von Aufträgen erhalten Reisebüros im Rahmen von Partnerprogrammen von den jeweiligen Leistungsträgern eine Provision. Seit den 1960er Jahren wuchs der Umsatz jährlich enorm. Damit lebten die Reisebüros wie die Tourismusbranche insgesamt bis zu den Terroranschlägen vom 11. September2001 nicht schlecht. Seither erlebt die Branche einen tiefgehenden Wandel mit erheblichen Umsatzrückgängen, der durch weitere Faktoren verschärft wird:
Reiseangst nach weiteren Terroranschlägen
Zunahme der Arbeitslosigkeit
Konsumzurückhaltung, Unsicherheit, Zukunftsangst.
Von der Branche selbst verursachte stetige Zunahme von Last Minute
Das klassische Reisebüro mit seinem Handelsvertreterstatus wird zunehmend in Frage gestellt, Veranstalter und Fluggesellschaften sehen sich zur Suche nach neuen und kostengünstigeren Vertriebswegen gezwungen:
Internetauftritte (Kunden können direkt bei Leistungsträgern buchen)
Reisekanäle im TV
Callcenter
Absatzwege von Reisen z.B. über Ketten wie Tschibo.
Damit geht das Tourismusgeschäft zunehmend am Reisebüro vorbei.
Im Jahre 2003 kündigte die Lufthansa als erstes bedeutendes Unternehmen den Reisebüros den traditionellen bequemen Vermittlerstatus auf. Die
Reisebüros sind damit gezwungen, die Flugtickets bei der Lufthansa netto einzukaufen und mit einem Aufschlag (Bearbeitungsgebühr, Buchungsgebühr)
an den Kunden weiter zu verkaufen, das heißt im Internet zum Beispiel kann der Kunde schon heute Tickets preiswerter als im Reisebüro beziehen.
In dieser Entwicklung dürfte die Lufthansa lediglich eine Vorreiterrolle spielen, weitere Touristikunternehmen werden sich dieser Praxis anschließen.
Reisebüros müssen sich also mittelfristig auf einen zunehmenden Wegfall des
Provisionsgeschäftes einstellen mit der letzten Konsequenz, dass Kunden nur dann noch im Reisebüro buchen werden, wenn sie für die vom Reisebüro erhobene Zusatzgebühr eine erfahrbare, nachvollziehbare Zusatzleistung erhalten wie zum Beispiel eine überaus detaillierte und fundierte Beratung mit Spezialkenntnissen zum gewünschten Reiseziel.
Als Folge der strukturellen Veränderungen sind bereits heute eine zunehmende Konzentration von Reisebüros (Kettenbildung etc.) und eine zunehmende Spezialisierung abzulesen.
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