Die Pruzzen, oder auch Prussen & Prußen, waren ein baltischerVolksstamm, der zwischen Weichsel und Memel siedelte, und auf den die Bezeichnung Preußen zurückgeht. Die Identifizierung in frühen Quellen, etwa die Aesti in TacitusGermania oder in JordanesDe Origine Actibusque Getarum (Vom Ursprung und den Taten der Gothen), bleibt spekulativ. Die Bezeichnung Russen und Prussen (bzw. Reußen und Preußen) haben eventuell einen gemeinsamen Ursprung und bedeuten laut einer Theorie blonde Menschen.
Als Brus werden sie von einem bajuwarischen Geographen im 9. Jahrhundert erwähnt;
spätere Reisende wie Wulfstan von Haithabu und Ibrahim Ibn Jacub berichten ebenfalls über sie.
In der Geschichtsschreibung tauchen die Pruzzen auf, als der böhmischeBischofAdalbert von Prag997 versuchte, sie zu christianisieren. Die parallel zur Missionierung erfolgende Eroberungsversuche durch Boleslaw I. machten Adalbert als Spion verdächtig; seine Missachtung der heiligen Haine führte dann zu seinem Tod durch die Prussen.
In der Folgezeit versuchte Polen mehrmals, das Siedlungsgebiet der Pruzzen zu erobern, um damit einen Zugang zur Ostsee zu gewinnen. Diese ebenfalls unter dem Vorwand der Missionierung durchgeführten Kriegszüge scheiterten jedoch am Widerstand der Pruzzen. Um eine sichere Nordgrenze zu erreichen, bot der polnische Fürst Konrad von Masowien dem Deutschen Ritterorden Landrechte im Gegenzug für militärische Unterstützung an. Diese Landrechte wurden vom Papst und dem römischen Kaiser formell bestätigt.
Im Laufe des 13. Jahrhundert gelang dem Deutschen Orden nach langen Auseinandersetzungen, die Pruzzen zu unterwerfen und zu christianisieren.
1234 erfolgreicher Feldzug der Ordens gegen die Pruzzen
In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten sah der vom deutschen Orden gegründete Ordensstaat den geförderten Zustrom deutscher Ritter, Bauern und Bürger, wodurch die Altpreußische Sprache als eigenständige verschwand, aber Teile davon im ostpreußischen Platt und in den Ortsnamen erhalten blieben. Die vorchristliche Kultur der Pruzzen wurde von der katholischen Kirche unterdrückt. Nach der Reformation trat sie wieder offener in Erscheinung, und wurde noch bis ins 17. und 18. Jahrhundert etwa vom preußischen Historiker Christoph Hartknoch nachgewiesen. Die deutschen und anderen Einwanderer begannen sich zusammen mit den eigentlichen Prussen gemeinsam als Preußen zu verstehen. Die offizielle Landessprache wurde das (Mittel)niederdeutsche der Hanse, spezifisch die ostpreußischen Dialekte. In Danzig wurde die Niederdeutsche offizielle Amtssprache ca. 1577 vom Hochdeutschen abgelöst, was wahrscheinlich mit dem habsburgisch-kaiserlichen Vorstand des Deutschen Ordens als Administratoren Preußens zusammenhing.
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