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Produktionsfaktor

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Um Produktionsfaktoren eindeutig erläutern zu können, muss zuerst zwischen volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Betrachtung unterschieden werden.


Wer gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge verstehen will, geht am besten von den klassischen volkswirtschaftlichen Begriffen aus. Es sind seit Adam Smith Arbeit, Kapital und Boden (Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Reichtums der Nationen, 1775). Später in der Reihenfolge geändert (Arbeit, Boden und Kapital) und bei Karl Marx nur auf die Arbeit reduziert.


Alle Güter, die in einem Produktionsprozess eingesetzt werden, nennt man Produktionsgüter.


  • Träger des Faktors Arbeit ist in der klassischen VWL allein der Mensch! (Maschineneinsatz oder der Einsatz eines Esels ist Kapitaleinsatz!)

  • Boden ist alles, was auch ohne den Menschen auf oder jenseits der Erde verfügbar ist: Abbauboden, Anbauboden und Bebauungsboden. Nur wenn man diese Begriffe sehr weit fasst, kann man Systemverständnis bekommen.


Zum Abbauboden gehören z.B. alle Bodenschätze, alle Wildtiere in Wäldern, Meeren, Flüssen und Seen, Urwälder, Wind, Wasserkraft und Sonnenenergie. Anbauboden ist der für Anpflanzungen und Tierzucht genutzte Boden. Bebauungsboden ist der für Bauwerke, Verkehrswege und Müll genutzte Boden, nach Neueren auch der Weltraum.



  • Aus den beiden originären Produktionsfaktoren, Boden und Arbeit, entsteht der abgeleitete Produktionsfaktor, das Kapital. Das hat nichts mit Geld zu tun. Kapital ergibt sich, wenn in einer Periode mehr produziert als verbraucht wird. Gemeint sind damit die nicht verbrauchten, also in den Betrieben verbliebenen Güter (= Produktionsgüter = alle Güter im Produktionsbereich).


Richtig verstanden decken die Begriffe Arbeit, Boden und Kapital lückenlos und vollständig das Funktionssystem einer Volkswirtschaft ab und ermöglichen so das Systemverständnis.


Da sich die Leistungserstellung der Volkswirtschaft in Betrieben vollzieht, ist die Summe der eingesetzten Faktoren in einer Periode volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich gleich. Aber der Betriebswirt hat die Aufgabe der bestmöglichen Führung seines Betriebes (nicht der ganzen Volkswirtschaft) im vorgegebenen gesetzlichen Rahmen zu gewährleisten. Die einzelbetriebliche Betrachtung erfordert eine genauere Begriffsanpassung für die Produktionsfaktoren an das Betriebsgeschehen, muss aber ebenso lückenlos und vollständig sein. Inzwischen kann die 1951 von Erich Gutenberg vorgenommene Gliederung als allgemein akzeptiert angesehen werden. Er untergliedert den Faktor Arbeit in


- dispositive Arbeit (Planung, Organisation, Kontrolle u. ä.) und in


- objektbezogene Arbeit (Arbeit am Erzeugnis).


Die volkswirtschaftlichen Faktoren Boden und Kapital werden zusammengefasst und betriebswirtschaftlich gegliedert in


- Betriebsmittel (Grundstücke, Gebäude, Anlagen, Maschinen, Einrichtungen und als Joker Geldmittel) und


- Werkstoffe (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe).


Die Ergänzung durch weitere Faktoren, wie Geistkapital oder Wissen usw. ist eher irritierend als dem Systemverständnis dienlich. Wissen und Information waren schon immer Bestandteil des dispositiven Faktors. Hier ist lediglich eine quantitative Änderung eingetreten, keine qualitative.


  • Dispositiver Faktor: Dieser betriebswirtschaftliche Faktor bildet den planerischen und strategisch/operativen Einsatz der vorgenannten Faktoren im Unternehmen ab. Seine Bewertung wird als "Good-will" oder "Know-How" im "Fair-Value-Verfahren" bilanziert. Es handelt sich also um ein immaterielles Gut, welches nur im begrenzten Umfang substituiert werden kann. Hierunter fallen auch Patente oder die Güte der Kundenbeziehungen. Zahlungen, um Dispositionen nutzen zu können, sind Lohn, Courtage, Provision oder Lizenzgebühren (z.B. für Lohnunternehmer, Franchisegeber, Makler oder für Patentgeber).


Lohn, Miete und Zinsen sind Bestandteil Volkseinkommens oder, aus Sicht der einzelnen Unternehmung, Bestandteil der betriebswirtschaftlichen Aufwendungen.


Diese Produktionsmittel unterscheiden sich deshalb von anderen, weil sie nicht direkt in das Produkt eingehen, sondern nur die von ihnen abgegebene Leistung (Rechnungswesen).


Man nennt sie deshalb dauerhafte Produktionsmittel oder Produktionsfaktoren.


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