Karl Popper wird in Wien am 28. Juli1902 als Sohn des jüdischen Rechtsanwalts Simon Siegmund Carl Popper und der Jenny geb. Schiff geboren. Simon Siegmund stammte aus Prag, die Vorfahren seiner Mutter kamen aus Schlesien und Ungarn. Der Familie Schiff entstammten viele wichtige Geister des 19. und 20. Jahrhunderts: Wissenschaftler, Ärzte und Musiker. Der Dirigent Bruno Walter gehörte zu ihnen.
Die Situation der Juden zu dieser Zeit in Wien ist prekär. Zum einen nehmen sie wichtige Positionen ein; Poppers wohlhabender Vater beispielsweise arbeitet eng mit dem damaligen liberalen Bürgermeister der Stadt Raimund Grübl zusammen. Dennoch sind ebenso völkisch-antisemitische Klischees virulent. Der Wiener Kreis, vielleicht die wichtigste philosophischen Gruppe des frühen 20. Jahrhunderts wird an der Wiener Universität angefeindet. Der Inspirator Moritz Schlick1936 von einem Studenten erschossen, zum Jubel der deutschnationalen Presse jener Zeit.
Als jedoch Popper sein Studium anfängt, dominiert für eine kurze Zeit die politische Linke. Das so genannten Rote Wien erlebt seine Blüte. Popper engagiert sich dort, zunächst vor allem an pädagogischen Fragen interessiert. Popper engagiert sich in der sozialistischen Jugendbewegung. Kurze Zeit ist er sogar kommunistisch organisiert. Er wendet sich zwar schnell von der Bewegung wieder ab, begegnet jedoch in der damals einzigartigen Wiener Atmosphäre Menschen wie Ruth Fischer, Hanns Eisler, Paul Lazarsfeld, Oskar Kokoschka, Adolf Loos, Arnold Schönberg und Rudolf Serkin.
Nach der Promotion mit einem mathematischen Thema bei dem Psychologen und Sprachtheoretiker Karl Bühler in 1928, erwirbt Popper 1929 die Lehrberechtigung für die Hauptschule in den Fächern Mathematik und Physik. Popper nimmt Kontakt zum Wiener Kreis auf. Da er viele wichtige Ansätze des Kreises kritisiert gestaltet sich dies zunächst schwierig. Allerdings fühlen sich die Wiener gezwungen auf seine begründeten Vorwürfe einzugehen. Sein wissenschaftstheoretisches Hauptwerk Logik der Forschung erscheint schließlich, vom Wiener Kreis als ein den ihren Diskussionen entsprungenes Werk gewürdigt. Die darin beschriebene Forderung nach Falsifizierbarkeit von Aussagen gilt heute als Grundlage der modernen wissenschaftlichen Arbeit.
1937 wandert er nach Neuseeland aus, um dem Einmarsch der Nazis in Österreich zu entgehen. Versuche in die USA oder nach Großbritannien zu entkommen zerschlagen sich. Popper muss seine Familie zurücklassen. Die damals kranke Mutter, seine Schwester, Onkel, Tanten, Nichten. Von ihnen wurden 16 bis 1945 durch die Nazis getötet.
Am Canterbury College in Christchurch, Neuseeland, fühlt Popper sich vereinsamt und von der Welt abgeschnitten. Trotzdem publiziert er weiter mit teilweise spektakulären Ergebnissen. Zum einen ist dabei sein Werk What is Dialectic - in diesem kritisiert er die Marxsche und HegelscheDialektik nach den Begriffen der formalen Logik; allerdings begründet er wenig, ob sich deren Dialektik überhaupt in die formalen Sätze fassen lässt, den er ihnen unterstellt. Das 1957 schließlich als Buch erschienene The Poverty of Historicism (dt: Das Elend des Historizismus) greift wieder vor allem Marx und Hegel aufgrund ihrer Methodik an. Poppers in der Öffentlichkeit bekanntestes Werk ist das in alle Weltsprachen übersetzte Die offene Gesellschaft und ihre Feinde1945 rechnet er detailliert mit den seiner Ansicht nach totalitären Gedankenmodellen von Platon und Hegel ab. Einzig der im Band ebenfalls stark kritisierte Marx wird ausgewogener behandelt. Dabei hat Popper inhaltlich starke Kritik erfahren: die Kritik Platons aus der Perspektive des 20. Jahrhunderts mit Begriffen des 20. Jahrhunderts wird nach Meinung der meisten einem Werk der athenischen Demokratie und Polis kaum gerecht. Die Hegel-Kritik wiederum beruht offensichtlich auf keiner tiefen Kenntnis des Werks, ignoriert wichtige Abschnitte und misrepräsentiert deutlich andere; sie dient auch in Poppers Buch immanent eher dazu, die Marx-Kritik vorzubereiten. Die Kritik an Marx ist differenzierter. Zum einen bezeichnet Popper ihn als bedeutenden Ökonomen und Soziologen. Popper konzediert, dass Marx z.B. nicht ausgeschlossen habe, dass der Weg zum Kommunismus auch auf nicht-revolutionäre Weise erreichbar wäre. Vehement kritisiert er jedoch Marx' von Hegel übernommene dialektische Methode, die letztlich zu einem geschlossenen Weltbild führe. Wichtiger jedoch als die detaillierte inhaltlichen Aussagen wirkt die spektakuläre Veröffentlichung 1945 als politisches Signal. Sie greift und kenntnisreich in sich geschlossene Denkstrukturen und Ideologiekonstruktionen an. Popper entwirft das Modell einer offenen und pluralistischen Gesellschaft, in der sich Fortschritt langsam einstellt.
Neun Jahre später, 1946, nimmt Popper einen Lehrauftrag für Philosophie an der London School of Economics in England an. Vor allem Friedrich von Hayek protegiert ihn beim Erreichen dieser Stellung. Seine Stellung zum ausgeprägt liberalen Hayek bleibt dabei unklar. Obwohl sie sich methodologisch nahe stehen, misstraut Popper den reinen Marktmechanismen. Die Armut und Verzweiflung, die er in seiner Wiener Jugend erlebte, formen sein Weltbild. Popper propagiert eine sozial orientierte Reformpolitik, die jedoch nicht in Staatsgehorsam enden dürfe.
Mit seiner Grundsatzdiskussion über die "Logik der Sozialwissenschaften" auf der Tübinger Arbeitstagung 1961 entfacht Popper den sog. Positivismusstreit in der deutschen Soziologie.
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