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Polynesische Sprachen

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Die polynesischen Sprachen sind ein Zweig der austronesischen Sprachfamilie.


Inhaltsverzeichnis


1 Einführung

2 Gliederung

3 Charakteristika

4 Erläuterungen am Beispiel des Tonganischen

5 Schlussbetrachtung

6 Literatur


Einführung

Die größte Inselgruppe des Stillen Ozeans, die geographisch unter dem Begriff Polynesien zusammengefasst wird, bildet eine sprachliche Einheit. Diese Einheit des Polynesischen drückt sich nicht durch eine einheitliche Sprache, sondern vielmehr durch einen einheitlichen Sprachtypus aus. Dieser ist gekennzeichnet durch eine weitgehende Vereinfachung des Lautbildes und der Syntax, gegenüber den anderen Zweigen des austronesischen.


Gliederung

  • die westliche Gruppe, zu der folgende Sprachen gehören:
  • Fakaafo (Tokelau-Inseln)
  • Vaitupu (Lagunen und Ellice Inseln)
  • Samoanisch (Samoa und Schifferinseln)
  • Futuna (nördlich der Fidjiinseln)
  • Tongaisch
  • Uvea (Walsis Inseln).




Charakteristika

Innerhalb dieses Sprachtypus finden sich mannigfache Unterschiede zwischen den Idiomen der einzelnen Inselgruppen, die schon wiederholt zu dem Versuch einer Gruppierung der polynesischen Sprachen geführt haben.


Die Beziehungen des Polynesischen zu den übrigen austronesischen Sprachgruppen haben gezeigt, dass sich einige Idiome der indonesischen Sprachen auch in den polynesischen wiederfindet.


Die im Tonganischen sehr lebendige Abschwächung des a> e vor i z.B. in fefine Frau, Fut. fafine, hat eine Parallele im Tionombo bebine "Frau". Auch im Muna wird a häufig zu e unter dem Einfluss eines folgenden i, z.B. tehi "Meer", Bare'e tahi; wewi "Schwein" Tontemboan wawi.


Der polynesische Lautwandel s> h ist in fast allen Sprachen Mittel-Celebes als Tendenz vorhanden.


Einzelne polynesische Wörter, die ein t haben anstelle eines zu erwartenden s stellen Lehnwörter dar. Dieses sind aus Sprachen, die s regelmäßig zu t wandeln.


  • "Nabel": Buol putodu / Tagalog pusod
  • "Ellenbogen": Boul tiku / Malenesisch siku
  • "kahl": Tonganisch tula / Malenesisch sulah
  • "Mund" Tonganisch gutu / Tagalol und Fidji ngusu


Erläuterungen am Beispiel des Tonganischen

Unter den polynesischen Sprachen verdient das Tongaische eine besondere Beachtung. Tonga liegt im melanesisch-polynesischen Grenzgebiet. Dieses führt dazu, dass das Tongaische sich in einigen Punkten lautlicher und syntaktischer Art von den anderen polynesischen Sprachen unterscheidet und sich der Sprache der Fidji nähert. Diese Annährung an Fidji geht über die weitgehende Übereinstimmung zwischen dieser Sprache und dem Polynesischen hinaus und erklärt sich aus späteren Einwirkungen des Tongaischen auf Fidji. Eine derartige Beeinflussung liegt sicher vor, genügt aber noch nicht zur Erklärung älterer Sprachformen, die sich übereinstimmend in beiden Sprachen befinden.


Das Tongaische ist auch noch aus einem anderen Grunde heraus für die Entwicklungsgeschichte Polynesiens von belang. Die Tonganer betrieben eine rege Kolonialpolitik, in dessen Zuge die umliegenden Inseln besiedelt wurden. Daraus erklärt sich auch die große Übereinstimmung der Sprachen von Tonga und Uvea (wallis). Von Uvea wiederum wurde die Insel gleichen Namens in Melanesien bevölkert. Ob noch andere polynesische Sprachen in Melanesien Tonganischen Ursprungs sind, ist noch nicht entschieden. Sollte sich dieses herausstellen, so würden sich wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklungsgeschichte des Tonganischen ergeben.


Das Tonganische gehört zu der ältesten feststellbaren Entwicklungsschicht des Polynesischen. Eine besondere Eigentümlichkeit den Tonanischen ist die Voranstellung eines h in mehreren Wörtern, denen in den übrigen polynesischen Sprachen die Entsprechung s bzw. h fehlt, was auf eine frühere Nasalverbindung zurückzuführen ist.


  • "hinauf": Tg. hake / Uvea ake / Futuna ake, sake
  • "hinunter": Tg. hifo / Uvea ifo / Niue hifo
  • "neun": Tg. hiva / Uvea hiva / Futuna iva
  • "wieviel?": Tg. fiha / Niue fiha / Futuna fia
  • "Meer": Tg. tahi / Uvea tai / Niue tahi
  • "schlafen": Tg. mohe / Uvea moe / Niue mohe / Futuna moe / Tpmbulu mose


Niue hat wie das Tonganische den bestimmten Artikel he. Dagegen fehlt dem Uvea, das im Wortschatz fast ganz mit dem Tonganischen übereinstimmt, sowohl das erwähnte h als auch die Entsprechung für ein ursprüngliches indonesisches h. Als Artikel besitzt Uvea te. In all diesen Punkten stimmt die Sprache von Niue mit Uvea überein.


Schlussbetrachtung

Mit der Besiedlung des Pazifiks von Indonesien ausgehend eroberten die Polynesier einen ganz eigenen Raum für sich. In dessen Schoß ihre Sprache entwickelte sich die Sprache der Siedler weiter, doch bewahrte sie durch zahlreiche Kontakte der Polynesier untereinander trotz der Widrigkeiten der ungeheuren Entfernungen zueinander ihre Einheit.



Literatur

  • Zeitschrift für Eingeborenensprache: Jahrgänge 1933-1945, Barmen, Rheinische Mission
  • Kultur und Sprache Bd. 7: Die Sprachstämme der Erde, Dr. E. Kieckers, Carl Winter, Heidelberg, 1931
  • Bild der Völker: Polynesien und Mikronesien, Brockhaus, Wiesbaden, 1972
  • Web Seite von Britannica.com, Bereich "Polynesia"


Siehe auch: Polynesien, Geschichte Polynesiens


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