Polen ist flächenmäßig etwas kleiner als die Bundesrepublik Deutschland, hat aber nur ungefähr 38 Mio. Einwohner.
Polen ist ethnisch betrachtet ein äußerst homogener Staat: Die Polen stellen mit 98,7% die Mehrheitsbevölkerung. Die verbleibenden 1,3% der Minderheitsbevölkerung in Polen sind Deutsche (davon ca. 150.000 mit deutsch-polnischen Vorfahren), Weißrussen (ca. 49.000) und Ukrainer (ca. 30.000); außerdem Armenier, muslimische Tataren, Litauer, Roma, Lemken, Bojken, Russen, Karäer, Slowaken, Juden und Tschechen. Unter den ausländischen Staatsangehörigen stellen Vietnamesen die größte ethnische Gruppe, gefolgt von Griechen und Mazedoniern.
Geographie
Polen ist zum überwiegenden Teil von der Eiszeit geformtes Tiefland und bildet ein Übergangsgebiet zwischen dem Tiefland Osteuropas und dem Norddeutschen Tiefland.
Polen ist landschaftlich ähnlich gegliedert wie Deutschland, das heißt von der wenig gegliederten Küste im Norden aus folgen Flachland mit der Seenplatte des Baltischen Landrückens, das Mittelpolnische Urstromtal, Mittelgebirge (die Polnische Platte) und schließlich das Hochgebirge (Sudeten und die zu den Karpaten gehörende Hohe Tatra).
Der mit 2.499 m höchste Berg Rysy ("Meeraugspitze") liegt in der Hohen Tatra. Die längsten Flüsse sind die Weichsel (Wisła), der Grenzfluss Oder (Odra) und die Warthe (Warta). 28% des Landes sind bewaldet.
Das Klima ist gemäßigt und wird nach Osten und Südosten immer kontinentaler.
Seit dem 1. Januar1999 ist Polen in 16 Provinzen - so genannte Woiwodschaften - eingeteilt. Sie haben alle ein eigenes Parlament, ein von der Regierung ernanntes Oberhaupt (Wojewode) und einen frei gewählten Landtagsvorsitzenden (Marschall).
Polen entstand in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts durch den Zusammenschluss der größten westslawischen Völker zu einem einheitlichen Staat. Im 16. Jahrhundert stieg Polen zu einer der führenden Kontinentalmächte auf und war lange Zeit der größte Staat Europas, mit Besitztümern bis zum Schwarzen Meer. Zahlreiche Kriege sowie innere Unruhen schwächten das Land und es verschwand als Staat zeitweise von der Landkarte. In den drei Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts wurde Polen zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt.
Nach dem Ersten Weltkrieg1918 gewann es als neuer Staat seine Souveränität zurück. 1939 wurde Polen von seinen Nachbarländern im Westen und im Osten überfallen. Zuerst besetzten Truppen des Deutschen Reichs das Land und danach die Truppen der Sowjetunion. Die Annexion und Aufteilung des polnischen Staatsgebietes war zuvor in einem (geheimen) Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt von den Diktatoren beschlossen worden. Damit nahm aber auch der Zweite Weltkrieg seinen Anfang, in dem Millionen Polen ihr Leben verloren.
Nach Ende des Krieges 1945 wurden die Grenzen des vormaligen polnischen Staatsgebietes von der Sowjetunion nach Westen verschoben: Polen verlor ein Drittel seines bisherigen Staatsgebietes an die Sowjetunion, unter anderem Lemberg heute Ukraine. Dafür erhielt Polen die meisten von Deutschland verlorenen Ostgebiete, wobei die deutsche Bevölkerung größtenteils vertrieben wurde. Diese Gebiete wurden später mit Vertriebenen der ehemaligen polnischen Ostgebiete besiedelt. In einigen Gebieten, vor allem in Schlesien, blieb aber eine beträchtliche deutsche Minderheit erhalten.
Auf das Hitler-Nazi-Regime folgte die kommunistische Diktatur. Das Land kam in den Einflussbereich der Sowjetunion und wurde dessen Satellitenstaat.
Die Gründung der Gewerkschaft Solidarność führte zu einem gesellschaftlich-politischen Umschwung im Land und zu revolutionären Ereignissen von 1980 bis 1989, an dessen Ende mit der Auflösung des sogen. Ostblocks und der Sowjetunion das kommunistische Regime durch eine demokratische Regierungsform ersetzt wurde.
Seit dem 1.Mai2004 ist Polen, zusammen mit neun weiteren Staaten, neues Mitglied der Europäische Union. Polen ist unter den neuen Mitgliedstaaten das bevölkerungsstärkste und flächenmäßig größte Land.
Die Exekutive wird von einem Ministerpräsidenten und einem Ministerrat ausgefüllt, die ihrerseits vom Staatspräsidenten ernannt werden und mit diesem gewisse Kompetenzen (Landesverteidigung, Außenpolitik) teilen, aber dem Parlament verantwortlich sind.
Die Innenpolitik ist geprägt von einem sich dynamisch verändernden Parteienwesen und der Auseinandersetzung um die Reformen, die notwendig sind, um Polen als Mitglied in der EU (seit 1. Mai2004) wettbewerbsfähig zu machen.
Auseinandersetzungen gibt es um die EU-Verfassung. Enttäuscht von einer dramatisch angestiegenen Arbeitslosigkeit projezieren die Bürger ihren Unmut offenbar auf die EU-Verfassung. Es wird daher erwartet, dass Polen in einem Referendum die Verfassung ablehnen und damit EU-weit blockieren wird. Der Politik Polens ist es nicht gelungen, den Bürgern die Bedeutung der EU-Verfassung zur Demokratisierung der Union zu vermitteln und die tatsächlichen ökonomischen Ursachen für die aktuelle Krise aufzuzeigen.
Auf der "Linken" haben sich dabei postkommunistische, sich nun sozialdemokratisch nennende Kräfte zusammengeschlossen. Die bürgerlich-demokratischen Parteien der "Rechten" sind in sich zersplittert; von ihnen werden insbesondere die Folgekosten des EU-Beitritts kritisch eingeschätzt (vergleiche Abschnitt Wirtschaft).
Polen war bis 1989 in den RGW und den Warschauer Pakt eingebunden. Seit der politischen Wende orientiert sich Polen stark an der EU und mehr noch an den USA. Polen ist seit dem 12. März1999NATO-Mitglied. Nach der Entscheidung auf dem EU-Gipfeltreffen am 13. Dezember2002 in Kopenhagen wurde Polen zum 1. Mai2004 mit neun weiteren ost-, ostmittel- und nordosteuropäischen Staaten in die Europäische Union aufgenommen.
Der bisherige polnische Ministerpräsident Leszek Miller - im Amt seit Herbst 2001 - kündigte im März 2004 für den 2. Mai2004, also unmittelbar nach dem EU-Beitritt seines Landes, seinen Rücktritt an. Als Nachfolger für das Amt des Regierungschefs wurde am 2. Mai2004Marek Belka ernannt.
Die Situation der Menschenrechte in Polen erfährt zur Zeit vor allem aus anderen europäischen Staaten massive Kritik, da in Polen trotz des Beitritts zur EU das europäische freiheitliche Wertesystem noch keinen Eingang gefunden hat beziehungsweise unterlaufen wird: Regierung, Kirche und rechtsradikale Nationalisten betreiben gemeinsam Agitation gegen Schwule und Lesben, deren Eliminierung gefordert wird. Demonstrationen für Toleranz gegenüber Homosexuellen werden von den Behörden verboten oder werden mit massiver Gewalt konfrontiert. Morddrohungen sind nicht selten.
Mit dem Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft ist in Polen ein struktureller Wandel verbunden. Dieser hat sich seit dem Beitritt des Landes zur EU im Jahr 2004 verschärft. Der bisher dominierende Agrarsektor ist wegen mangelnder Produktivität und fehlender Konkurrenzfähigkeit, aber auch wegen des ohnehin in der EU stark subventionierten Angebots landwirtschaftlicher Produkte in einen enormen Druck geraten. Mittelfristig zeichnet sich daher eine starke Arbeitslosigkeit ab. Es ist absehbar, dass sich - wie schon bei vorhergehenden EU-Erweiterungen - ein notwendiger Strukturwandel hin zu Dienstleistungen einstellen wird, der langfristig die Arbeitslosigkeit wieder sinken lassen wird. Experten gehen davon aus, dass auch Polen langfristig von einem EU-Beitritt ökonomisch profitieren wird. Im ersten Quartal 2004 wuchs das Bruttoinlandsprodukt immerhin um 6,9 Prozent, nach 2,3 Prozent im ersten Quartal 2003.
Ein große Herausforderung für Polen ist der Kampf gegen die Korruption.
Polen ist ein Transitland von Nordeuropa auf den Balkan und von Westeuropa nach Osteuropa. Die größte Eisenbahngesellschaft ist die Polskie Koleje Panstwowe (PKP). Dem in Polen trotz wachsendem Individualverkehr immer noch sehr bedeutsamen öffentlichen Verkehr dient ferner ein ausgedehntes Überlandbusnetz. Das Straßennetz ist zwar mittlerweile sehr gut ausgebaut, es fehlen aber nach wie vor fast völlig die Autobahnen. Wichtigste Seehäfen sind Stettin (Szczecin), Gdingen (Gdynia) und Danzig (Gdańsk). Größte Fluggesellschaft ist die LOT aus Warschau-Okecie.
Religion
Die polnische Bevölkerung ist überwiegend katholisch (90,7% römisch-katholisch); 1,4% Polnisch-Orthodoxe; 0,3% Protestanten, 0,1% Altkatholiken und religiöse Minderheiten von Muslimen (unter anderem die Tataren bei Bialystok) und Juden.
Eine besonders hohes Ansehen in Polen besitzt PapstJohannes Paul II., der vor seiner Papstwahl als Karol Wojtyła Erzbischof von Krakau war und eine bedeutende politische Rolle während des Zusammenbruchs des Ostblocks inne hatte.
Die polnische Kultur ist vielfältig und eng verknüpft mit der wechselvollen Geschichte Polens. In Bereichen, wie in der Literatur, der Musik und der Kunst, versuchten immer wieder Künstler, den Kampf um die Unabhängigkeit Polens mit ihren Mitteln zu unterstützen.
Als Beispiele hierfür können die nationalen Gedichte von Adam Mickiewicz, die Historienmalerei von Jan Matejko oder die frühen Klavierwerke von Frédéric Chopin genannt werden.
Heute ist die breitgefächerte Kultur Polens von Globalisierungstendenzen und finanziellen Problemen betroffen, andererseits kann sie, gerade in der Kulturszene größerer Städte eine eigene Identität erhalten.
Literatur zur über 1000jährigen Kunstgeschichte von Polen: Stefan Muthesius: "Kunst in Polen / Polnische Kunst 966-1990. Eine Einführung". Königstein i. Ts. 1994 ISBN_3-7845-7610-9 (deutsch) und ISBN_3-7845-7611-7 (englisch: Art, Architecture and Design in Poland 966-1990)
Für Touristen sind einerseits die Städte, andererseits die teilweise noch unberührte Natur attraktiv.
Viele Städte, die nach 1945 zerstört waren, wurden originalgetreu wieder aufgebaut und bieten dem Betrachter heute wieder eine romantische Atmosphäre, besonders die Zentren um die Marktplätze. Erholungsgebiete finden sich im Norden Polens an der Ostseeküste und in der Masurenweite. Im Süden des Landes laden die Berge zu Ski- und Wanderferien ein.
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