Pontius Pilatus wurde vor allem durch die Erzählungen des Neuen Testaments der Bibel bekannt, nach denen er Jesus zum Tod durch das Kreuz verurteilte und die Hinrichtung durchführen ließ.
Der Prozess des Jesus von Nazareth fiel in den Aufgabenbereich des römischen Statthalters, sofern die Anklage auf Hochverrat und Anstiftung zum Aufruhr lautete. Es ist jedoch nicht zu verkennen, dass die Darstellung des Prozesses Jesu in den Evangelien in erster Linie religiösen Interessen folgt und als historische Quelle - aus der Sicht vieler Wissenschaftler - kaum geeignet ist.
Entsprechend wird Pilatus in christlicher und jüdischer Sicht unterschiedlich bewertet. Zwar bleibt er in christlicher Einschätzung für die Kreuzigung Jesu verantwortlich, jedoch wird unverkennbar seine Unschuld betont (siehe etwa Mk 15,1-14; Mt 27,19). Hierfür steht vor allem das Motiv des Matthäusevangeliums, er habe seine "Hände in Unschuld gewaschen" (Mt 27,24). Gleichzeitig wird den jüdischen Autoritäten die Hauptverantwortung für den Tod Jesu gegeben (Joh 18,33-35). In der jüdischen Tradition hingegen gilt Pilatus als brutaler Unterdrücker des jüdischen Volkes und als Antisemit.
Der Name "Pontius Pilatus" wird auch im christlichen apostolischen Glaubensbekenntnis genannt. Die Zeile lautet in der deutschen Übersetzung: "[...] geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus [...]".
Geschichte
Ein römischer Präfekt wurde durch den Kaiser bestimmt. Während der Regierungszeit des Tiberius, faktisch ab dem Jahre 21, übte der Leiter der Prätorianergarde, Lucius Aelius Seianus, die Ernennung der Präfekten aus. Interessanterweise fällt die Ernennung des Pontius Pilatus genau in den Zeitraum der Verlegung der Amtsgeschäfte bzw. des Rückzug des Tiberius nach Capri. Vermutungen, Pilatus wäre durch den judenfeindlichen Sejan gezielt eingesetzt worden, um gegen die aufständischen Juden mit Gewalt vorzugehen, werden durch ungeschicktes Verhalten des Pilatus gestärkt.
Jüdische Quellen (vor allem Flavius Josephus) betonen die harte Amtsführung des Pilatus, deretwegen er auch durch den Legaten Syriens, Vitellius, abberufen wurde.
Der Hinweis des christlichen Chronisten Eusebius, Pilatus habe im Jahr 39 unter Caligula erzwungenen Selbstmord begangen, ist historisch unsicher.
Seit 1961 ist ein zeitgenössisches Zeugnis für die Statthalterschaft des Pilatus bekannt. Es handelt sich um eine lateinische Inschrift aus der Stadt Caesarea. Dieser Fund brachte auch den Beweis, dass seine korrekte Amtsbezeichnung Praefectus war und nicht, wie bei den Statthaltern von Judäa ab der Mitte des 1. Jahrhunderts üblich, Procurator (anachronistisch etwa von Tacitus verwendet).
Literatur
Raul Niemann (Hg.): Von Pontius zu Pilatus. Pilatus im Kreuzverhör. Kreuz, Stuttgart 1996. ISBN_3783113008
Alexander Demandt: Hände in Unschuld : Pontius Pilatus in der Geschichte. Böhlau, Köln 1999. ISBN_3-412-01799-X
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