Ein Phonem (auch:Fonem) ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit in einem Sprachsystems (gemäß dem strukturalistischen Modell einer Sprache) und somit die Grundeinheit der Phonologie. Um Äußerungen zu notieren, kann man sich des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) bedienen. Dabei ist die Menge der benutzten Zeichen kleiner oder größer. Wenn man sich nur für die Möglichkeit interessiert, Bedeutung zu unterscheiden, kommt man mit weniger Zeichen aus - wie zum Beispiel in einer Rechtschreibung. Dies ist bei allen Sprachen der Welt so. Im Deutschen wird das ch, das für das Phonem /x/ steht, manchmal im Bereich des harten Gaumens, also palatal artikuliert (ich [iç]), manchmal aber auch weiter hinten im Mund (ach, [ɑx]). Dieser Unterschied ist jedoch nicht bedeutungsunterscheidend. Bedeutungsunterscheidend ist hingegen der Unterschied zwischen stimmhaftem und stimmlosem s. Es handelt sich dabei um zwei Phoneme (/s/ und /z/), die daher auch unterschiedlich geschrieben werden: (ß oder ss und s): reißen und reisen unterscheiden sich lediglich in der Stimmhaftigkeit des s-Lautes (/s/ versus /z/). An manchen Stellen im Wort ist diese Unterscheidung (Opposition (Linguistik)) aufgehoben, nämlich am Wortanfang (im Hochdeutschen fast immer stimmhaft) und am Wortende (im Deutschen immer stimmlos).
Phoneme lassen sich als abstrakte Einheiten der Bedeutungsunterscheidung verstehen, die als durch eine bestimmte Gruppe von Lauten (Phone) ausgedrückt werden.
Um das Phoneminventar einer Sprache (also die Zusammenstellung aller bedeutungsunterscheidenden Elemente) zu ermitteln, bedient man sich in der strukturalistischen Sprachanalyse so genannter Minimalpaare. Dies sind Paare von Wörtern, die sich nur in einem Laut (oder Phon) unterscheiden, zum Beispiel:
1. Bein - Pein,
2. Hase - Hose,
3. Mutter - Butter,
4. Wall - Wahl (kurzes a; langes a).
Die oben gezeigten Paare würden also /b/, /p/ (Fall 1), /a/, /o/ (Fall 2) und /m/, /b/ (Fall 3) als Phoneme identifizieren. Fall 4 zeigt, dass die Vokalquantität im Deutschen phonemischen Wert hat. Phoneme werden üblicherweise in Schrägstriche gesetzt und mit den Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets geschrieben.
Nicht jedes Phon (Laut) ist auch ein Phonem. Nehmen wir beispielsweise das ch in ich [iç] und in Bach [bax]. Die Laute sind verschieden, aber man wird im Deutschen kein Minimalpaar finden, das sich nur in diesem einen Phon unterscheidet: ob [bax] oder [baç] gesagt wird, ändert nichts an der Bedeutung des Wortes. Daher sagt man, dass es sich hierbei um zwei verschiedene Varianten (Allophone genannt) eines einzigen Phonems handelt, deren Wahl vom Kontext abhängt: nach hohem Vokal und im Silbenanlaut wird das Phonem /x/ wie [ç] ausgesprochen, nach tiefem Vokal wie [x].
Das Phoneminventar ist für jede Sprache anders, und was in einer Sprache echte Phoneme sind, kann in anderen Sprachen nicht vorhanden sein oder aber Allophone eines Phonems darstellen. So sind etwa [l] und [r] im Deutschen zwei Phoneme, im Chinesischen aber Allophone eines Phonems. D.h. im Chinesischen sind die Laute [l] und [r] zwar auch vorhanden, sie sorgen aber nicht für eine Bedeutungsunterscheidung.
Unterschied Phonem - Morphem
Ein Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit, ein Phonem die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit, d.h. ein Phonem als Teil eines Morphems kann bestimmen, ob es sich um das eine oder andere Morphem handelt.
Beispiel Maul - Gaul: /m/ und /g/ sind Phoneme; Maul und Gaul als ganzes sind Morpheme. Sie tragen die Bedeutung. /m/ und /g/ disambiguieren ('unterscheiden') die beiden Morpheme.
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