Phagspa ist die bedeutendste Figur der Sakyapa-Sekte (*1239 / † 1279). Er war der Vizekönig von Tibet zwischen dem Tod seines Vorgängers und Onkels Sakya Pandita 1251 und seinem eigenen Tod 1279.
Phagspas Onkel Sakya Pandita war 1249 von Karakorum zum Vizekönig Tibets ernannt worden und dann auf ausdrücklichen Wunsch Prinz Godens an den Mongolenhof gereist, wo er starb. Sakyas Neffen, Phagspa und Phyag-na waren am Mongolenhof schnell aufgefallen und zu geachteten Lehrern Kubilais geworden. Bevor Sakya Pandita starb, ernannte er noch Phagspa zum neuen Oberlama am Dach der Welt (1251).
In Tibet war Phagspas Herrschaft nicht unangefochten. So mußte ihn eine mongolische Armee unter dem Feldherren Uriang-kadai nach Hause "begleiten" und sich auf dem Weg nach Lhasa mit 40 verschiedenen Bergstämmen und -festungen auseinandersetzen (1254). Der zweite bedeutende Oberlama, Karmapa Pakshi (Schule Karma Kagyüpa), ein Gegner der Sakyapa reiste nach Karakorum, wo er aber gegen die Sakyapa-Sekte nichts mehr ausrichten konnte und unerlaubt wieder abreiste.
Kubilai Khan sandte eine neue Armee in das tibetische Hochland, wo er den Oberlama Karmapa Pakshi wegen seiner Kontakte nach Karakorum verfolgen ließ (ca. 1264). Der Streit wurde zwar bald gütlich beigelegt und der Karmapa Pakshi († 1283) lehrte noch lange, aber Phagspa und Phyag-na († 1267) waren nun als Regenten Tibets unangreifbar. Sie wurden mit 16 000 Kilogramm Silber, Gold und Tausenden Seidenkleidern beschenkt, kleideten sich (zum Unwillen der Mönche) mongolisch und hatten stets eine eindrucksvolle Delegation um sich.
Zu Phagspas Zeit verfestigten sich die damals noch beiderseitigen Beziehungen zwischen China und Tibet. Phagspa hatte unter der Yuan-Dynastie in China das Amt eines Reichslehrers inne. Diesem Amt war auch Tibet unterstellt, das damit einmal mehr von den Mongolen abhängig wurde. Die Yuan-Kaiser halfen der Sakyapa-Sekte bei der Verwaltung Tibets gegen rivalisierende Sekten wie z.B. die Bri-khun-Sekte (1267, 1282-91) und spendeten den Würdenträgern reiche Geschenke. Dafür standen diese ihnen bei den religiösen Angelegenheiten in China bei. Da ist z.B. die Rivalität zwischen Buddhisten und Taoisten in China zu nennen, die in mehreren Religionsdisputen und einer Bücherverbrennung 1280 zum Ausdruck kam.
Phagspa lebte lange Zeit bei Hofe (Khan-balyq) in China und kehrte erst vier Jahre vor seinem Tod nach Tibet zurück. In Tibet führte in der Zeit ein Ziviladministrator (»dpon-chen«) die eigentlichen Regierungsgeschäfte. Bekannt ist Phagspa auch, weil er für Kubilai eine mongolische Schrift entwickelte.
Phagspas Nachfolger als Religions-Chef des Yuan-Reiches wurde der von Phagspa noch selbst ausgesuchte Mönchsstudent Senge († 1291), der ihm aufgrund seines Talentes aufgefallen war. Senge und sein Stellvertreter Yanglianzhenja werden allerdings aufgrund ihrer Geldeintreibungen, Finanzspekulationen, Morde und Plünderungen (1278 Song-Fürstengräber) in der chinesischen Geschichte negativ beschrieben.
Nach Phagspas Tod 1279 wurde der in Tibet eingesetzte Ziviladministrator
(»dpon-chen«) von den mong. Befehlshabern wegen der angeblichen Vergiftung Phagspas hingerichtet, da die Feindschaft der beiden bekannt war.
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