Pflanzenjäger (von engl. "plant hunter") oder Pflanzensammler waren Forschungsreisende, die Zier und Nutzpflanzen besonders im 17., 18. und 19. Jahrhundert aus Amerika, Asien und Australien nach Europa brachten. Dort wurden die Pflanzen in Botanischen Gärten gepflegt und erforscht und fanden oft Einzug in die heimischen Gärten.
Die meisten unserer Topf- und Zierpflanzen stammen aus fernen Gefilden. Im späten Mittelalter kamen Pflanzen wie Rosskastanie und Tulpe aus dem Orient nach Europa, die Mitte des 16. Jahrhunderts das Tulpenfieber in Amsterdam auslösten.
Das 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert sammelte besonders die Kolonialmacht England Pflanzen und Tiere und baute Kew Garden zu einem Forschungsgarten aus.
1766-68, auf der ersten französischen Weltumsegelung unter Capitain Bougainville entdeckte der mitreisende Botaniker Commerson unter anderem die Bougainvillea, eine bis heute beliebte Kübelpflanze. Diese Reise prägte auch das europäische Bild der Südsee als unberührtes Naturparadies.
Auf seiner ersten Weltumsegelung wurde Captain James Cook von Joseph Banks und Solander begleitet. Ihr Hauptsammelgebiet südlich des heutigen Sydney heißt bis heute "Botany Bay".
Joseph Banks wiederum machte sich als Organisator von Pflanzenexpiditionen selbstständig und schickte Francis Masson nach Südafrika, von wo er 50 verschiedene Geranien mitbrachte, Archibald Menzies verdanken wir die Araukarie Araucaria araucana.
Die Berichte von diesen Reisen wurden zu einer beliebten Lektüre, das Botanisieren wurde zu einem beliebten Hobby in den oberen Gesellschaftsschichten. Jean-Jacques Rosseau schrieb "Zehn Botanische Lehrbriefe" an die kleine Tochter einer Freundin, in denen er Grundlagen des Pflanzensammelns und Herbarisierens beschreibt.
1787 erschien erstmals das "Curtis' Botanical Magazine", das sich ausschließlich mit exotischen Pflanzen und deren abenteuerlicher Herkunft beschäftigte.
Das 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert wurde Pflanzenjäger zunehmend zur Berufsbezeichnung, die Entdeckung neuer Spezies kommerzialisierte sich.
Alexander von Humboldt (1769-1859) reiste nach Mittel- Südamerika und war am Zusammenhang der tropischen Lebensräume interessiert. Er brachte u.a. die Lobelie ("Lobelia fulgens") un die Dahlie nach Europa.
Adelbert von Chamisso, Dichter und Naturforscher, begleitete die Romanzoffsche Expedition übers Polarmeer in die Südsee und führte den Goldmohn ("Eschscholzia californica") ein.
David Douglas (1799-1843) sammelte für die Royal Horticultural Society zwischen 1823 und 1834 in Neu-England Douglasien (Pseudotsuga menziesii), Mahonia aquifolium, Blutjohannisbeeren und Staudenlupinen (Lupinus polyphyllus) ebenso wie Tannenarten (Küsten- oder Riesentanne "Abies grandis", Edeltanne "Abies procera"). Er starb auf den Sandwich-Inseln, als er in einer Tierfalle von einem wütenden Stier getötet wurde.
Von den gesammelten Pflanzen kamen nur wenige lebend an, mitunter nur eine von tausend. Ab 1834 verwendete man den vom Englischen Arzt Nathaniel Ward entwickelten Ward'schen Kasten, eine Art Kleingewächshaus. Innerhalb des Glaskastens bestand ein geschlossener Wasserkreislauf, und man konnte nun auch empfindlichere Pflanzen wie Farne oder Orchideen transportieren, die bald zu einem Hauptbetätigungsfeld der Pflanzenjagd wurden.
Auch Sammelexpeditionen in Japan und China wurden zunehmen möglich, vor allem mit Ende der Opiumkriege1842.
Philipp Franz von Siebold (1796-1866) bereiste im Auftrag der Niederländer zwischen 1823 und 1829 das Fremden nur schwer zugängliche Japan. Unsere Vorgärten verdanken ihm unter anderem die blaublütige Gartenhortensie "Hydrangea Otaksa", die er nach seiner japanischen Geliebten Otaki benannt hatte.
Robert Fortune, ein Schotte, sammelte 19 Jahre lang für die Royal Horticultural Society in China Pflanzen wie den Winterjasmin ("Jasminum nudiflorum"), Tränendes Herz ("Dicentra spectabilis"), Mahonien, Forsythien, Rhododendren und Koniferen wie die Sicheltanne ("Cryptomeria japonica") und die heute im Garten beliebten Scheinzypressen ("Chamaecyparis" ssp.)
Sir Joseph Dalton Hooker (1817-1911) löste in England eine Rhododendrenbegeisterung aus, nachdem er in der Gegend von Darjeeling gesammelt hatte.
Amalie Dietrich (1821-1891) erforschte für einen Hamburger Kaufmann die Flora der Terra Australis.
Carl Albert Purpus (1851-1941) war ein professioneller Jäger und Sammler in einer Zeit, in der durch den gestiegenen Bedarf an Gartenpflanzen die ursprünglichen Bestände bereits von Ausrottung bedroht waren. Er arbeitete in Mexiko und schickte unter anderem eine bis heute erhaltene "Königin der Nacht" nach Darmstadt.
Ernest Wilson (1876-1930) wurde nach China geschickt, um den Taubenbaum ("Davidia involucrata") zu suchen, mehr als eine mündliche Beschreibung und eine sehr einfache Landkarte auf ramponiertem Papieer hatte er nicht zur Verfügung. Als er die beschriebene Stelle schließlich fand, stand dort ein frisch gebaute Holzhaus und der Stumpf eines Baumes. Er fand schließlich per Zufall doch noch einen, und den Schirmbambus ("Fargesia murielae") und die Königslilie ("Lilium regale") gleich dazu.
Die chinesischen Pflanzen verdrängten bald die amerikanische Flora aus unseren Gärten, denn im Gegensatz zu ihr waren die asiatischen Gewächse winterhart.
Die Forschungsreisenden Englands wurden meist im königlichen Auftrag (Royal Horticultural Society) losgeschickt, in Deutschland war das nicht so einfach. Manchmal fanden sich großzügige Mäzene wie der Hamburger Kaufmann Cesar Godeffroy, der aus persönlichem Interesse den Forschungsaufenthalt von Amalie Dietrich in Australien finanzierte. Manchmal gründeten sich auch Aktienvereine, die Dividende bestand aus Teilen der Sammlung, wurde also im Wortsinne in Naturalien ausgezahlt.
Erst 1891 gründete man in Berlin die "Botanische Centralstelle für die Colonien", die Pflanzen aus Afrika wissenschaftlich erforschte. Dort fand man z.B. das Usambaraveilchen ("Saintpaulia ionantha").
Auch heute noch gibt es Expeditionen, beispielsweise wurde in den 80er Jahren die Arbeitsgruppe "Neue Zierpflanzen" der Forschungsanstalt Geisenheim gegründet, die vor allem die Pflanzenwelt Australiens bereiste. Ziel war weniger die Neuentdeckung von Arten als vielmehr die Wiederentdeckung von Pflanzen, die in den Botanischen Archiven schlummern und die nie auf ihre Kultureigenschaften getestet wurden. Auch im medizinischen Bereich besteht Bedarf nach neuen, bisher nicht erforschten Heilpflanzen.
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