Der Petersdom (auch Peterskirche, Basilika St. Peter, Grabeskirche des Apostels Petrus, Vatikanische Basilika; italienisch: S. Pietro in Vaticano) ist die größte Kirche der Welt. Die, sich innerhalb der Vatikanstadt befindende, erste der vier Patriarchalbasiliken und der sieben römischen Pilgerkirchen ist zentrales Heiligtum und Pilgerstätte der römisch-katholischen Kirche. Der Petersdom ist die Palastkirche des Papstes, nicht aber seine Kathedralkirche, letztere ist S. Giovanni in Laterano.
Wie auf fast allen Seiten war das antike Rom auch auf dem ager Vaticanus von Gräbern umgeben. Bei Ausgrabungen wurde Mitte des 20. Jahrhunderts eine ganze Gräberstraße unter dem Petersdom freigelegt, in deren Grabbauten z. T. bedeutende kaiserzeitliche Wandmalereien erhalten sind. Für die vatikanischen Archäologen stand freilich der 'archäologische Beweis' für die Petrus-Legende im Vordergrund. Ob sie wirklich das Petrus-Grab gefunden haben, mag umstritten sein. Zumindest dürfte aber das hohe Alter der Petrus-Verehrung an genau der Stelle nachgewiesen sein, die auch später im konstantinischen wie im Renaissance-Petersdom als das Grab des Heiligen gilt und den Mittelpunkt bildet. Die Kernfrage dabei ist die Interpretation der Graffiti an der 1950 entdeckten sog. roten Mauer neben dem mutmaßlichen Apostelgrab.
Basilika St. Peter
Kaiser Konstantin ließ um 320 auf dem Vatikanischen Hügel eine Basilika errichten. Man wählte diese Baustelle, da man hier die Grabstätte des Apostel Petrus, der im Herbst 64 n. Chr. im Circus des Nero mit dem Kopf nach unten gekreuzigt wurde, vermutete. Die fünfschiffige Basilika mit einschiffigem Querhaus wurde 326 geweiht und 468 durch Papst Simplicius ausgebaut. Ihr Grundriss wurde zum Vorbild für den abendländlichen christlichen Kirchenbau. In den Resten dieses teils abgetragenen, überbauten Alten Petersdoms ist heute eine Papst-Grablege eingerichtet (Vatikanische Grotten).
Papst Julius III. erkannte, dass das rund 1200 Jahre alte Gotteshaus, auf dem für seine Mückenplage bekannten Hügel, keinen angemessenen Platz für sein Grabmal bieten würde. Er gab deshalb eine Erweiterung des Baus in Auftrag. Da dieser jedoch an vielen Stellen einsturzgefährdet war, entschied man sich stattdessen für einen monumentalen Neubau. Am 18. November1506 wurde dann der Grundstein für den neuen Dom gelegt. Das kostenintensive Unternehmen wurde entscheidend durch den sog. Peterspfennig und den Verkauf von Ablässen, in Deutschland durch den Dominikanermönch Johannes Tetzel, finanziert. Dies veranlasste Martin Luther zur Veröffentlichung seiner 95 Thesen.
Der erste Entwurf des Domes stammt von Bramante, der zusammen mit Peruzzi auch bis 1514 Bauleiter des ehrgeizigen Projektes war. Von 1515 bis 1546 ging der Bau unter Leitung von Raffael, Da Sangallo und Peruzzi nur schleppend voran. 1547 übernahm Michelangelo die Bauleitung und führte den Bau in seiner heutigen Form aus, er entwarf auch die Rippenkuppel. Während Bramante nur gleichwertige Räume vorsah, ordnete Michelangelo die Nebenräume dem Hauptraum unter. Dadurch kam man von dem ursprünglich reinen Zentralbau in Form eines griechischen Kreuzes ab und der Dom entwickelte sich zu einem Kompromiss zwischen Zentral und Langbau in Form eines lateinischen Kreuzes. Nach Michelangelo übernahmen Vignola und Giacomo della Porta die Bauleitung. Von 1607-1614 wurden vom Baumeister Maderna das Langhaus mit Vorhalle, sowie die barocke Fassade gebaut. Um alle Blicke in Richtung Petrusgrab zu lenken errichtete Gian Lorenzo Bernini1624 einen Bronzebaldachin mit aufgesetztem Kreuz auf vier 29 m hohen, gewundenen Säulen, direkt über dem Grab.
Der von Bernini geplante 240 m breite, elliptische Platz geht an der Seite zur Kirche hin in ein Trapez über. Dies lässt die überbreite Fassade des Domes schmäler wirken und betont die Kuppel. In der Mitte des Platzes steht ein Obelisk, der aus der Arena stammen soll, in welcher Petrus hingerichtet wurde. In seinem Fuß soll sich Caesars Asche, in seiner Spitze ein Teil des Kreuzes Jesus befinden. Der original ägyptische Obelisk hat ein geschätztes Gewicht von 322 t und steht auf einem Fundament mit 4 Bronzelöwen. Seine Aufrichtung auf dem Petersplatz war eine technische Meisterleistung der Zeit. Auf beiden Seiten befindet sich ein je 14 m hoher Brunnen. Der rechte wurde 1613 unter Paul V. von Maderna, der linke 1677 von Fontana gestaltet.
Die den Platz umsäumenden Kolonnaden sind 17 m breit und absolut symmetrisch zum Mittelpunkt des Platzes. Zwischen den 284 in 71 Viererreien angeordneten Säulen verbergen sich 140 Heiligenstatuen, die von 1667 bis 1669 unter Alexander VII. und Klemens IX. gestaltet wurden.
Die Innenfläche des 211,5 m langen und 132,5 m hohen Baus beträgt rund 15.160 m² (1,5 ha) und bietet rund 60.000 Menschen Platz, somit ist der Petersdom auch die größte Halle der Welt. Das Langhaus hat eine Länge von 187 m und eine Breite von 27,50 m, das Querschiff ist 138 m breit. Die Bauzeit betrug rund 120 Jahre.
Im Inneren des Domes, der neben einer Hauptkuppel auch 8 kleinere Nebenkuppeln besitzt, befinden sich ca. 800 Säulen und 390 Riesenstatuen aus Travertin, Marmor, Stuck und Bronze, sowie 45 Altäre.
Der Innenraum
Von der Vorhalle gelangt man durch die Bronzetür des Filarete in das Innere der Basilika, daneben befindet sich die Porta Santa, die nur während eines Heiligen Jahres geöffnet wird. Direkt am Anfang des Mittelschiffs ist eine Porphyrscheibe in den Boden eingelassen, welche sich vor dem Hochaltar der konstantinischen Vorgängerbasilika befand und auf der Karl der Große im Jahre 800 von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt wurde.
Direkt unterhalb der Kuppel befindet sich der Papstaltar mit Berninis Bronze-Baldachin. Darunter befindet sich die Confessio, überlieferungsgemäß das Grab des Heiligen Petrus, mit einer Figur von Papst Pius VI.
Das Mittelstück
Das Mittelstück, in welchem sich der Papstaltar befindet, wird von vier gewaltigen Säulen getragen. Diese sollen das Zentrum des Christentums symbolisieren und in denen die 4 Hauptreliquien des Christentums befinden.
Die Kuppel des Petersdoms ist das größte freitragende Ziegelbauwerk der Welt. Sie ist über 537 Stufen oder einen Lift zu erreichen und bietet einen hervorragenden Panoramablick auf den Vatikanischen Komplex und das umgebende Rom. Sie hat einen Durchmesser von 42,34 m (86 cm weniger als das Pantheon, aber 43,20 m höher). Im inneren Kuppelfries steht im 2 m hohen Buchstaben das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: »Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum" (»Du bist Petrus (griechisch: Fels), und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und Dir gebe ich die Schlüssel zum Himmelreich.").
Die Vatikanischen Grotten
Die Vatikanischen Grotten bilden sich aus den Überresten von Alt-St. Peter und befinden sich oberhalb der Nekropole. Hier befinden sich 23 der insgesamt 164 Papstgräber des Petersdoms, in möglichster räumlicher Nähe zum Apostelgrab, dem Grab des 'ersten Papstes'. Um das Petrusgrab herum, das auch hier die räumliche wie geistige Mitte bildet, sind 5 Nationalkapellen angeordnet.
Kunstwerke und Reliquien
Bronzestatue des hl. Petrus
Die berühmte Petrusstatue befindet sich im Hauptschiff. Ihr rechter Fuß ist bereits stark abgeflacht durch die zahlreichen Berührungen durch Pilger.
Michelangelos Pietà
Michelangelos Pietà befindet sich in der ersten Seitenkapelle des rechten Seitenschiffs (in der nähe der Heiligen Pforte). Er schuf dieses Werk im Alter von 25 Jahren.
Berninis Cathedra Petri
Die 1666 von Bernini geschaffene Cathedra Petri befindet sich in der Apsis. Es handelt sich dabei um einen Bronzemantel für einen darin befindlichen Holzstuhl. Es soll sich dabei um den Lehrstuhl von Simon Petrus handeln, wahrscheinlicher ist aber, dass es sich um den zu seiner Krönung gefertigten Stuhl Karls des Kahlen handelt. Dieser wurde dann nach der Krönungsfeier dem Papst oder der Peterskirche geschenkt.
Berninis Dekmal für Alexander VII.
Berninis Denkmal für Papst Alexander VII. befindet sich ebenfalls in St. Peter.
Der Taufbrunnen von St. Peter ist ein Porphyrdeckel von einem Sarkophag aus dem MausoleumHadrians (Engelsburg, Castel S. Angelo), in welchem Kaiser Otto II. bestattet wurde. Dieser wurde 1600 in einen einfachen Steinsarg umgebettet und in die Vatikanischen Grotten verlegt, als man das Atrium im Zuge der Bauarbeiten für den Dom abbrechen musste.
Nachwirkung
Die Vorbildwirkung, die der Kuppelbau des Petersdoms auf den Kirchenbau der folgenden Jahrhunderte, insbesondere die unzähligen Kuppelkirchen der Barockzeit, ausübte, kann kaum überschätzt werden. Auch das Formschema der Kombination aus Kuppel-Zentralbau und basilikaler Längsorientierung war für die Architekten und kirchliche Bauherren der Folgezeit ein immer wieder abgewandeltes Thema.
Ein merkwürdiger Fall ist die Basilika Notre Dame de la Paix in Yamoussoukro, Elfenbeinküste, deren Grundsteinlegung Papst Johannes Paul II.1980 vornahm. Diese Kathedrale stellt einen Nachbau des Petersdoms dar und ist in dem Entwicklungsland, wo der Katholizismus eine Minderheitsreligion ist, bestenfalls eine 250 Millionen Dollar teure, überdimensionierte Kuriosität.
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