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Palitzsch, Peter
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Biografie / Biographie / Biography

* 11. September 1918

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Peter Palitzsch (* 11. September 1918 in Deutmannsdorf in Schlesien) ist ein deutscher Theaterregisseur.


Palitzsch wuchs in Dresden auf, wo er das Gymnasium und eine kaufmännische Lehre an der Fachhochschule absolvierte. Der siebenundzwanzigjährige Werbegrafiker wurde nach kurzer Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs Gründungsmitglied des Roten Kreuzes der sowjetischen Besatzungszone in Dresden und arbeitete als Dramaturg an der Dresdner Volksbühne.


1947 von Bertolt Brecht entdeckt, begann Palitzsch als Grafiker und Dramaturg im neugegründeten Berliner Ensemble, wo er mit Künstlern wie Ernst Busch, Paul Dessau, Hanns Eisler und Helene Weigel arbeitete und das Signet des Theaters erfand. 1955 stellte er sein Regiedebüt "Der Tag des großen Gelehrten Wu" vor, doch erlebte er erst 1959 den internationalen Durchbruch mit "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturu Ui", bei dem er mit Manfred Wekwerth Co-Regie führte und 1960 in Paris mit dem Preis der Vereinigung der Theater- und Musikkritiker ausgezeichnet wurde. Das Stück blieb mit seinem Hauptdarsteller Ekkehard Schall 15 Jahre im Spielplan des Theaters und erlebte 532 Aufführungen. Trotzdem DDR-Bürger Brecht in der Bundesrepublik keine Publikumserfolge feiern konnte, inszenierte Palitzsch in Stuttgart und Wuppertal dessen Stücke: Die westdeutsche Uraufführung von Brechts "Der Prozess der Jeanne D'Arc zu Rouen 1431" am 1. September 1961 wurde mit Drohbriefen, Polizeischutz und der obligatorischen "Bild"-Hetze zur antikommunistischen Presseschlacht. Am gleichen Tag erklärte Palitzsch aus Protest gegen den Mauerbau, dass er weder ans Berliner Ensemble noch in die DDR zurückkehren würde.


Er inszenierte noch im gleichen Jahr in Oslo "Der kaukasische Kreidekreis" mit der noch unbekannten Liv Ullmann, die fünf Jahre später zu Europas größtem Filmstar avancieren sollte, und erweiterte sein Spektrum um Autoren wie Samuel Beckett, Sean O'Casey, Harold Pinter und William Shakespeare. Sein besonderes Interesse galt jedoch immer der Gegenwartsdramatik, was zu gefeierten Uraufführungen von Stücken von Peter Turrini und Martin Walser führte und Palitzsch, neben Rudolf Noelte und Peter Zadek, zu den meistbeachteten Regisseuren der 1960er machte.


1966 wurde Palitzsch Direktor des Staatstheaters Stuttgart und schrieb mit seiner Ensemblearbeit, inspiriert von Lehrmeister Brecht, Theatergeschichte: Seine Inszenierungen der sechs Königsdramen Shakespeares und Tankred Dorsts "Toller" wurden internationale Sensationen, fanden Beifall, Ablehnung und lösten öffentlich geführte Diskussionen aus. Als Direktor des Schauspiel Frankfurt initiierte Palitzsch ab 1972 das Mitbestimmungsmodell und arbeitete mit den besten Schauspielern und Dramaturgen Deutschlands zusammen und schuf mit "Emilia Galotti" und "Frühlings Erwachen" Publikumserfolge. Trotz der Ermordung Hanns Martin Schleyers durch die RAF 1977 widerstand er dem politischen Druck und spielte Brechts "Die Tage der Commune", doch auch die inneren Auseinandersetzungen der Arbeitsgruppe wurden aggressiver, so dass Palitzsch den Versuch abbrach, seine Frankfurter Jahre und das Amt des Direktors 1980 beendete. Er galt als einer der herausragendsten Regisseure des modernen europäischen Theaters.


In der folgenden Dekade arbeitete er an verschiedenen westdeutschen Bühnen, in Wien, Zürich, Rio de Janeiro, sowie in Oslo mit Liv Ullmann an "Mutter Courage und ihre Kinder". Außerdem spielte er in Hans Neuenfels' Film "Die Familie oder Schroffenstein" eine Hauptrolle. Nach dem Fall der Mauer kehrte er 1992 an das Berliner Ensemble zurück, um bis 1995 die Intendanz mit Peter Zadek, Fritz Marquardt, Matthias Langhoff und Heiner Müller zu übernehmen. Seine letzte Inszenierung wurde "Drei kurze Texte (mit tödlichem Ausgang)", die 2003 in Luxemburg uraufgeführt wurde. Nach 55 Jahren Theaterarbeit bekam Palitzsch 2004 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse von Bundespräsident Horst Köhler überreicht.


Seit 1999 lebt Palitzsch in Havelberg an der Elbe.


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