Pädagogik ist die traditionelle Bezeichnung für die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit Bildung und Erziehung befasst. Ihr kommt die Doppelrolle zu, sowohl Bildungs- und Erziehungszusammenhänge zu erforschen, als auch - als Handlungswissenschaft - darüber zu reflektieren, wie Bildungs- und Erziehungspraxis gestaltet und verbessert werden kann.
Ziel der Pädagogik ist nicht nur positive Sozialisation, das heißt eine Einordnung des Menschen in die vorherrschende Gesellschaft. Auch Erziehung zur Mündigkeit und Selbstbestimmung sollten wesentlicher Bestandteil des erzieherischen Einwirkens sein. Die Problematik, die dies beinhaltet, besteht in dem Paradoxon, auf das schon Immanuel Kant - neben anderen - hingewiesen hat, wie denn ein Kind durch Zwang zu Freiheit (=Selbstbestimmung) erzogen werden könne. Eine weitere Denkart - vor allem aus reformpädagogischen Bestrebungen heraus - versteht Erziehung lediglich als ein naturalistisches Wachsen-Lassen des Kindes. Hier werden allerdings die Bedeutungen von Gesellschaft und der Person des Einzelnen sträflich vernachlässigt. Erziehung bzw. Pädagogik (als ein Nachdenken über Erziehung) spielt sich also in dem Spannungsfeld Natur - Gesellschaft - Person ab.
In den 60er und 70er Jahren setzte eine intensive Debatte über den wissenschaftstheoretischen Standort und die wissenschaftspolitische Verortung der Pädagogik ein. In der Diskussion stand insbesondere die seinerzeit vorherrschende geisteswissenschaftliche Pädagogik und die mit ihr verbundene Methode der Hermeneutik. In den 70er Jahren wurde alternativ der Begriff Erziehungswissenschaft eingeführt. Teilweise wird auch der Begriff Bildungswissenschaft (erneut) bevorzugt. Die Problematik dieser Neubenennung läßt sich in dem konnotativen Hinweis auf die Naturwissenschaft feststellen: Pädagogik soll nicht mehr ein Nachdenken über Erziehung sein, sondern will den Rang einer Naturwissenschaft einnehmen und gibt vor, mit deren Methoden sichere Erkenntnisse über den Ablauf der Erziehungsprozesse zu erlangen und Technologien zur Herstellung wie auch immer gearteter Menschen bereitstellen zu können. Wie schon oben erwähnt, ist der Mensch aber ein mit Freiheit begabtes Wesen, das sich nicht technologisch herstellen läßt, sondern von Seiten der Erzieher lediglich angeregt und angeleitet werden kann, sich selbst zu bilden.
Im Englischen wird Pädagogik / Erziehungswissenschaft(en) meist als Educational Science (s) oder kurz Education bezeichnet. Bei der Übersetzung von Education ins Deutsche ist zu beachten, dass es meistens Ausbildung und Erziehung bedeutet. Eine Eigenart des Deutschen wird im Wort Bildung sichtbar, für das es im Englischen keine Entsprechung gibt. Die Diskussion über Bildung und Bildungstheorie ist deswegen außerhalb des deutschsprachigen Raumes teilweise schwer zu vermitteln.
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